Kraftfahrerkreise Zoom
Foto: Jan Bergrath

Kraftfahrerkreise: Kontinuität zahlt sich aus

Ohne interne Querelen haben sich mittlerweile neun unabhängige feste Kraftfahrerkreise in Deutschland etabliert.

Nun kommt es Mitte März zu einem Treffen der Organisatoren mit der Verdi-Bundesverwaltung.

Ein Samstagmorgen im Truck Stop im Industriegebiet in Düren. Draußen parken die ersten Lkw aus Osteuropa, die Fahrer richten sich auf das lange Wochenende ein. Sie installieren ihre Satellitenschüsseln an der Kabine, um auch über Fernsehen mit der Heimat verbunden zu sein. Drinnen in diesem gemütlichen Rasthof haben sich rund 35 deutsche Fahrer versammelt. Erst vor einem guten dreiviertel Jahr haben die beiden Fahrer Mathias Mertens und Wolfgang Schiffers nach einem intensiven Gedankenaustausch mit Ralph Werner von der Berliner Bundesverwaltung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, Verdi, den Kraftfahrerkreis Düren-Aachen gegründet. Die beiden harmonieren gut miteinander, Mathias bringt als Verdi-Mitglied viel Erfahrung im Umgang mit Unternehmen mit, Wolfgang hat sein Talent für die Gestaltung von Facebookseiten und Werbung entdeckt. An diesem Tag treffen sie sich nun zum dritten Mal mit regionalen Kollegen, und so voll wie an diesem Tag war es noch nie. Auch der für Düren und Aachen zuständige Verdi-Fachsekretär Bernd Lind ist da, er ist beeindruckt, später wird er eine eindrucksvolle Rede über die Lohntarifverhandlungen in Nordrhein-Westfalen halten.

Hauptthema ist die Ruhezeit im Lkw

Doch das Hauptthema ist das geplante nationale Verbot für Fahrer, ihre regelmäßige wöchentliche Ruhezeit im Lkw zu verbringen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Udo Schiefner (SPD) aus Viersen ist da, er ist sogar Schirmherr des Kraftfahrerkreises, und natürlich hat es sich auch der belgische Hauptinspektor Raymond Lausberg nicht nehmen lassen, für diesen intensiven Gedankenaustausch mit den Fahrern kurz über die Grenze zu kommen. Denn mittlerweile ist es spannend geworden: Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat in seinem Abschlussstatement klar zu erkennen gegeben, dass der zuerst von Belgien angewendete Umkehrschluss des Artikels 8 Absatz 8 aus der VO (EG) 561/2006, es ist verboten, die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit im Lkw zu verbringen, grundsätzlich in Einklang mit dem EU-Recht ist. Es ist aber bis zu einem bevorstehenden Urteil, dessen Zeitpunkt nicht bekannt ist, immer noch kein in Deutschland geltendes Verbot. Und just am Montag, dem 6. März, wenn der neue FERNFAHRER Heft 4/2017 mit einer Reportage über die rechtlichen Hintergründe zu diesem hochspannenden Thema erscheint, geht das von Udo Schiefner über den Bundesrat angestrebte nationale Verbot dieser Ruhezeit im Deutschen Bundestag noch einmal in eine Anhörung. Denn es gibt immer noch strittige Punkte beim geplanten Gesetzentwurf.

Kontinuität zahlt sich aus

Doch zurück zu den Fahrertreffen. Mich hat vor allem die Intensität der Diskussionen zwischen den Fahrern und ihren Gästen an diesem Samstag sehr beeindruckt. Die Fahrer, die sich dort treffen, verfügen zum Teil doch über ein großes Fachwissen. Genauso habe ich es bereits bei Burkhard Taggart und Lars Kretschmann vom Kraftfahrerkreis Aschaffenburg-Miltenberg sowie bei Andreas Kernke vom Kraftfahrerkreis Hameln-Hannover erlebt. In Aschaffenburg begann zu Beginn des letzten Jahres auch die Kontaktaufnahme zur Verdi-Bundesverwaltung. Sie zeichnet sich jetzt durch eine intensive Betreuung der Termine in den Kreisen vor Ort aus. Besonders freut mich die Arbeit von Sven Fritzsche und Andreas Brosam,  die in Chemnitz-Zwickau auch über die online Medien immer eine kompetente Anlaufstelle für die Kollegen und nun bereits weitere Fahrer wie Dean Kockel gewinnen konnten, weitere Kreise vor allem in den neuen Bundesländern zu etablieren. Auch Christoph Brinker und Daniela Kampschulte möchte ich hier lobend erwähnen, sie stehen im Sauerland noch am Anfang der Überzeugungsarbeit.  Mittlerweile gibt es nun auch die ganz offizielle Homepage der bestehenden Kraftfahrerkreise. Weitere sind übrigens bereits in Vorbereitung.

Eine gemeinsame Linie

Allen Treffen ist jedenfalls eins gemein: Es gibt immer hoch interessante Gäste, entweder von den Kontrollbehörden, oder eben von der Gewerkschaft selbst, deren Fachsekretäre dort für Fragen zum Arbeits- und Tarifrecht zur Verfügung stehen, Quellen, die für Nicht-Mitglieder sonst nicht so einfach zu haben sind. Und selbstverständlich sind bereits etliche Fahrer neue Mitglieder bei Verdi geworden. Das Beste allerdings zum Schluss: Unter der teils straffen aber vor allem mit Herzblut betriebenen eigenständigen lokalen Organisation ist der Beweis erbracht, dass engagierte und besonnene Fahrer wirklich gemeinsam ein Projekt durchziehen können, ohne sich andauernd in die Wolle zu geraten. So gibt es nun Mitte März ein erstes Treffen aller Organisatoren der bisherigen neun Kraftfahrerkreise, um zu beraten, wie der gute Ansatz einfach noch besser gemacht werden kann. FERNFAHRER wird auch darüber dann berichten.

Autor

Datum

2. März 2017
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