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Foto: Thorsten Wagner

Interview Bus Modification Center Plauen

"Wir sind hochmotiviert"

André Körner, Leiter MAN Bus Modification Center Plauen und Heinz Kiess, neuer Leiter Vertrieb und Marketing des BMC in Plauen sprechen über den Status des Modifikationswerkes in Plauen und dessen Chancen als neuer Kleinbus-Spezialist im Volkswagenkonzern.

Wie entwickelt sich das Bus Modification Center seit dem Start vor über einem Jahr konkret?

André Körner: Insgesamt kann man von einer extremen Dynamik sprechen und wir sind sehr optimistisch, was die weitere Entwicklung des Standortes zu einem echten Bus-Kompetenzzentrum angeht. Dabei sehen wir uns definitiv nicht als Billigheimer, die günstiger als Wettbewerber anbieten wollen, sondern mehr als Qualitätsführer mit trotzdem vergleichbaren Preisen zum Wettbewerb – dann kommen die Aufträge von ganz alleine. Das was wir hier machen ist ganz klar die Champion’s League des Busbaus, mit absoluter Kundenorientierung.

Heinz Kiess: Bei den Fernlinien bewegt sich der Markt immer mehr in Richtung standardisierte Ausstattung und Low Budget-Carrier, im Sinne einer Ryanair-Linie. Daher müssen sich die Touristiker immer mehr mit ihren Fahrzeugen differenzieren, um weiter attraktiv zu sein für ihre Kunden. Unseren Kunden bieten wir die Modifikationsmöglichkeiten also aktiv an, für Bestandsfahrzeuge genauso wie für Neufahrzeuge. Aktuell liefern wir beispielsweise einen sehr hochwertig ausgebauten Tourbus aus, der einige sehr gute Lösungen bietet und unser erstes derartiges Projekt mit einem Doppeldecker seit vielen Jahren ist. Dabei bauen wir langfristig ein modulares System mit individuellen Bauteilen aus, die immer wieder verwendet werden können in unterschiedlichen Ausbauten, aber auch einfach zurückgerüstet werden können. Deshalb verwenden wir auch überwiegend die serienmäßigen Anbindungen an die Karosserie, was auch für ein geringes Geräuschniveau im Fahrzeug sorgt.

Aufgrund der guten Kommunikation und der bisher abgewickelten Aufträge kommen immer mehr Anfragen – darunter sind auch busunspezifische Anfragen, die aus dem VW-Konzern kommen, in den wir ja hier voll integriert sind. 
 
André Körner: Wir haben auch baulich noch einige Schritte unternommen, um dem Kunden hier den Weg zum individuellen Fahrzeug sehr leicht und angenehm zu gestalten wie beispielsweise das neue Musterzimmer im ersten Stock, in dem der Kunde seine individuelle Ausstattung bei der Auftragsklärung wählen kann, und die neue Kundenlounge neben der Auslieferungshalle, in der vor der Auslieferung das fertige Fahrzeug zuerst virtuell und schließlich auch live dargestellt werden kann. Im Sinne des Mottos "One face to the customer" haben wir den Ehrgeiz, hier sachlich und fachlich einen Auftrag vollständig abzuwickeln. 

Welche Rolle spielen in Zukunft die Themen Sanierung und Rückrüstung?

André Körner: Das bleibt weiterhin eines unserer Geschäftsfelder, wenn auch ein eher kleines. Wir haben einen großen Sanierungsauftrag weitgehend abgearbeitet und denken jetzt darüber nach, Rückrüstthemen und Reinigungsthemen im Abgasreinigungsbereich aufzubauen. Hierbei geht es vor allem um Rückrüstung für Drittmärkte mit höherem Schwefelgehalt im Kraftstoff, um diesen Auftrag haben wir uns konzernintern beworben und auch den Zuschlag erhalten. Das könnten in Spitzenjahren bis zu 20.000 Fahrzeugekomponenten sein. Die Partikelfilterreinigung selbst stellt derzeit noch kein Geschäftsmodell für uns dar, allerdings denken wir schon an die Rückrüstung von Fernbussen für andere Verwendungszwecke. Gut vorstellbar ist auch eine zukünftige Anpassung von Dieselbussen an neue Emissionsvorgaben – da gibt es wenige Partner, die so etwas in einer industriellen Logik abwickeln können. In der Lackiererei und Schreinerei haben wir unsere Leistung im vergangenen Jahr verdoppeln können und haben weitere Wachstumsziele für 2017. Sehr stolz sind wir auch darauf, in diesem Jahr wieder sieben Auszubildende in den verschiedensten Ausbildungsberufen eingestellt zu haben, für die es auch eine moderne Lehrwerkstatt mit Ausbildungsleiter gibt.

Könnten Minibus-Ausbauten nicht ein perfektes Geschäftsmodell für das Bus Modification Center sein?

Heinz Kiess: Ja natürlich, der Standort hat sowohl bei den personellen Kompetenzen, als auch bei Infrastruktur und Produktion massive Vorteile zu bieten. Zudem liegt das Werk in der Mitte von Deutschland und mit der großen Lackiererei – eine der größten und modernsten Buslackierereien in Europa ­–, der hochmodernen Schreinerei und dem Logistikbereich wären wir für ein solches Projekt sehr gut vorbereitet. Allerdings ist das Thema vorerst noch rein hypothetisch, und für eine Serienfertigung mit dem neuen Van ist noch keine Entscheidung gefallen. Unser Wunsch wäre es natürlich, gegebenenfalls tätig zu werden. Auch im Sinne der Standortsicherung hätten wir dann alles richtig gemacht.

André Körner: Die Entscheidung, aktuell eine Kleinserie von 20 VW Crafter auszubauen, konnten wir hier vor Ort mit einem entschlossenen und entscheidungsfreudigen Management treffen. Eine gesamthafte Strategie für eine langfristige und nachhaltige Minibusfertigung wird natürlich in München, Hannover und Braunschweig bei Volkswagen Truck & Bus getroffen, das ist klar. Deshalb gibt es ein hochrangiges Projekt, dass sich mit der Entscheidung über eine Entwicklung mit dem neuen VW Crafter beziehungsweise dem MAN TGE beschäftigt, das aber noch nicht abgeschlossen ist. Wenn es hierzu eine positive Entscheidung gäbe, wäre Plauen wie gesagt ein sehr guter Standort, um ein solches Thema kompetent anzupacken. Wir sind jedenfalls hochmotiviert und stehen Gewehr bei Fuß.

Was passiert mit der Kleinserie von 20 VW Crafter der alten Generation und wie sind diese ausgestattet?

André Körner: Wir haben gemeinsam mit dem operativen Busvertrieb die aktive Entscheidung getroffen, dass wir das Segment der Minibusse bedienen wollen und daher zuerst einmal 20 VW Crafter der ersten Generation mit 19 Sitzen für den Gelegenheits- oder Shuttleverkehr – das ist das größte Segment beim Minibus – ausbauen, die alle identisch ausgestattet und fest eingepreist sind. Wir denken, einen sehr kompetitiven und marktorientierten Preis für die Fahrzeuge aufgerufen zu haben. Selbstverständlich kann man diverse Individualisierungen nachrüsten, das ist ja unsere Spezialität hier. Und wenn man schnell ist, kann man auch noch einen der ersten 20 Busse kaufen – aber die werden schnell weg sein und leider können wir keine größere Menge bauen, da es keine Grundfahrzeuge mehr gibt. Grundsätzlich erwarten wir ab Anfang 2018 ein fertiges Grundfahrzeug des neuen VW Crafter bzw. MAN TGE für Personenbeförderung über acht Personen, und bis dahin sollte auch die Entscheidung für ein Kleinbusprodukt gefallen sein. Im VIP-Bereich mit bis zu acht Sitzen sind wir natürlich schon jetzt tätig, auch hier gibt es schon mehrere Anfragen.

Was sind konkret die nächsten Schritte für das Bus Modification Center, denkt man eventuell langfristig schon an eine Personalaufstockung?

André Körner: Prinzipiell muss man sagen, dass es schon eine große Aufgabe ist, an diesem Standort mit Sonderfahrzeugbau 150 Mitarbeiter zu ernähren. Aber ich glaube, das ist zu schaffen, und dann kann man sicher auch noch über weitergehende Themen für die Zukunft nachdenken. Aber für den Konzern steht zuerst die Absicherung der Personalvereinbarungen hier am Standort im Fokus. Vieles liegt dabei in unseren Händen hier in Plauen, wenn es darum geht, über welche weiteren Dinge man in der Zukunft dann nachdenken kann. In meiner Vision ist Plauen das Ausbauzentrum im Volkswagen-Konzern, was uns die Möglichkeit zur Weiterentwicklung eröffnet. Die Kollegen vom VW-Aufbauhersteller-Management waren bereits hier vor Ort und wir haben gute Verbindungen geknüpft, woraus schon einige konkrete Anfragen entstanden sind. Eine aktuelle Personalmaßnahme ist darüber hinaus, dass unser langjähriger Kollege Heinz Kiess aus dem Busvertrieb in München nun für Vertrieb und Marketing des Bus Modification Centers zuständig ist. So haben wir ein bekanntes und zuverlässiges Gesicht zum Kunden in ganz Europa.

Für 2017 haben wir uns Wachstumsziele für alle wichtigen Kennzahlen gesetzt, die wir mit der entstandenen Eigendynamik und auch der guten Unterstützung aus München gut erfüllen können werden. 

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1. Februar 2017
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