Herpa-Modellproduktion „Bretagne-Express“ 19 Bilder Zoom

FERNFAHRER-Supertruck als Modell: So entsteht der Bretagne-Express

Seit ein paar Wochen ist der FERNFAHRER-Supertruck nun auch im Maßstab 1 : 87 erhältlich. Wir haben die Entstehung des Herpa-Modells begleitet.

Bei einem flüchtigen Blick könnte man das Modell des „Bretagne-Express“ glatt mit dem Original verwechseln. Aber das sind wir ja von Herpa, dem Marktführer für Pkw- und Lkw-Modelle im Maßstab 1 : 87, auch so gewohnt.

Am Anfang stand wie immer das "Okay" von Matthias Wolff, Herpas Produktmanager für Pkw- und Lkw-Miniaturen. Wenn er in Dietenhofen den Startschuss für ein neues Projekt erteilt, dann bedeutet dies für einen Teil der etwa 200 Mitarbeiter wieder jede Menge Arbeit und einige Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.

Modell soll dem Original so nahe wie möglich kommen

Im Vorfeld müssen stets die produktionstechnischen Details geklärt werden, damit das zu fertigende Modell später so genau wie möglich dem Originalfahrzeug entspricht.  Jedes auch noch so kleine Bauteil wird 
nach Farbe und Kunststoffsorte genauestens definiert. Bereits jetzt wird festgelegt, ob etwas nach dem Spritzen veredelt, das heißt bedruckt oder verchromt werden muss, oder ob das gute Stück bereits fertig ist, wenn 
es von der Spritzgussmaschine auf das Laufband fällt. Alles gipfelt schließlich in einer sogenannten Proof-Darstellung im Maßstab 1  :  87.

Schwierigkeiten gibt es bisweilen beim ausgefallenen Zubehör der Vorbilder. Obwohl sich in den Herpa-Regalen einiges an Zusatzscheinwerfern, Fanfaren, Rammschutzen sowie Auspuff- und Standklimaanlagen befindet, kann doch nicht jedes Detail vom Originalfahrzeug auf das Modell übertragen werden. Die Gründe liegen sowohl in der technischen Machbarkeit als auch in der Rentabilität mancher Umsetzungen.

Gussformen sind bis zu 250 Kilogramm schwer

Für die Herstellung der jeweiligen Kunststoffteile kann Herpa auf über 1.000 Stammformen zurückgreifen. Die bis zu 250 Kilo schweren Gussformen sind das eigentliche Herz der Dietenhofener Modellschmiede und entstehen meist auf Basis von Herstellerinformationen. Zuerst fertigt eine Fräsmaschine eine Kupferelektrode als Positiv an. Diese wird in einer sogenannten Erosionsmaschine mit einer Spannung von 15.000 Volt in einen Stahlblock gebrannt. Poliert und nachbearbeitet, kann die so entstandene Form in die Spritzgussmaschinen eingebaut werden. Pro Jahr produziert Herpa derzeit mit über 20 Spritzguss- und über 20 Druckmaschinen gut drei Millionen Pkw- und Lkw-Modelle.

Sind die schweren Stahlwürfel eingebaut und fertig ausgerichtet, kann das Kunststoffgranulat zum Einsatz kommen. Mit einem Druck von bis zu 100 bar werden die Kügelchen eine immer heißer werdende Spirale entlang gedrückt – bis sie schließlich bei ungefähr 200 Grad Celsius schmelzen. Nach ein paar Sekunden öffnet sich die mehrteilige Gussform wieder.

Druckvorlagen entstehen anhand von Fotografien

Fahrerhäuser, Verkleidungen und Aufbauten landen dann meistens in der Druckerei, der zweiten großen Produktionsstätte neben dem Spritzgussverfahren. Die Druckvorlagen entstehen anhand von Fotografien. Die Bilder vom Originalfahrzeug müssen vor allem bei künstlerischen Airbrushmotiven in akribischer Kleinarbeit nachbearbeitet und oftmals sogar nachgezeichnet werden. Nur so lässt sich am Modell die gleiche Wirkung erzielen wie beim Vorbild. Für einen im Original komplett lackierten Sattelzug sind so für gewöhnlich 40 bis 60 Arbeitsstunden am Computer erforderlich, bis der endgültige und farbverbindliche Proof als Druckvorlage entstanden ist.

Auf der Basis des Proofs können dann im Anschluss für die später erforderlichen Druckfarben die entsprechenden Filme ausbelichtet und mittels UV-Strahlen auf die Druckklischees gebrannt werden. Die Vertiefungen in den Klischees, in denen sich später die Druckfarbe sammeln wird, betragen  20 bis 27 μm (0,020 bis 0,027 Millimeter).

15 Druckvorgänge für den FERNFAHRER-Zug

Sechs Arbeitsstunden später ist die Druckmaschine justiert. Beim nächsten Druckvorgang wiederholt sich die ganze Prozedur. Ein zu bedruckender Kühlkoffer muss dadurch unter Umständen bis zu fünf verschiedene Druckvorgänge (vier Seiten und das Dach) über sich ergehen lassen. Bei anderen Bauteilen ist es ähnlich.

Für den FERNFAHRER-Zug waren es insgesamt 15 einzelne Druckvorgänge. Während der Bedruckung muss jedes Bauteil einzeln in die Vorrichtung gesteckt und wieder herausgenommen werden. Ist es dort fest verankert, zieht ein Schieber die überflüssige Farbe von den dahinterliegenden Druckklischees ab. Silikon-Stempel nehmen nun die in den Vertiefungen verbliebene Farbe auf und übertragen sie auf das unter ihnen liegende Modellbauteil. Die einzelnen Farben Blau, Rot, Gelb und Schwarz (eventuell auch noch Silber oder Gold als Sonderfarben) werden so nacheinander im Tampondruckverfahren aufgebracht.

Modell wird in Heimarbeit zusammengesetzt

An einem bestimmten Tag X sind schließlich alle Bauteile für das Modell produziert,  lackiert, bedruckt und veredelt. Das Zusammensetzen des Modells geschieht nicht mehr in der Firma, sondern in Heimarbeit. Sobald  die Zugmaschinen und Auflieger fertig montiert sind, kehren sie zu Herpa zurück. Dort durchlaufen sie eine abschließende Qualitätskontrolle. Erst dann gehen die kleinen Wunderwerke gut verpackt auf die Reise zu den Händlern und Auftraggebern.

Bevor der "Bretagne-Express" beim Sammler in der Vitrine landet, ist ein letztes Mal Heimarbeit angesagt: beim Anbringen der Spiegel. Wie bei allen H0-Modellen liegen sie separat in der Packung, um beim Transport nicht beschädigt zu werden. So hat am Ende jeder etwas zu diesem Meisterwerk  beigetragen – vom Hersteller des Originals über Herpa bis hin zum Kunden.

Autor

Foto

Otto Miedl

Datum

14. April 2014
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