Fiat-Transporter, neuer Antrebsstrang 11 Bilder Zoom

Fahrbericht: Die neuen Fiat-Modellvarianten

Familienfeiern sind Pflichtveranstaltungen. Anlässe dafür gibt es reichlich: Weihnachten, Hochzeit oder auch einen runden Geburtstag. Den feiert in diesem Jahr der Fiat Ducato. Er wird 30 Jahre. Zum Fest eingeladen hat er die ganze Nutzfahrzeug-Großfamilie – wie es bei Italienern zum guten Ton gehört.

Eine gute Gelegenheit für den Doblò-Zweig, den Nachwuchs zu präsentieren. Der Bruder von Kastenwagen und Kombi kommt nun auch mit einer Pritsche daher. Sein Name: Doblò Cargo Work Up. Wie schon die beiden älteren Geschwister überzeugt der Work Up mit seinen Fahreigenschaften. Für eine gute Straßenlage sorgen Einzelradaufhängung an Vorder- und Hinterachse sowie in allen Modellen serienmäßiges ESP. Drei Motoren stehen für den Antrieb des Work Up zur Verfügung, mit 1,3, 1,6 und 2,0 Liter Hubraum. Das mittlere Aggregat gibt es zudem in zwei Leistungsstufen. Mit der 1,3-Liter-Maschine und einer Leistung von 66 kW (90 PS) ist der Work Up leicht untermotorisiert, zumindest bei voller Zuladung von einer Tonne. Dasselbe gilt für die kleinere Leistungsstufe mit 1,6 Liter Hubraum und ebenfalls 66 kW (90 PS). Gefälliger ist die 1,6-Liter-Variante mit 74 kW (100 PS), die es bei 1.500/min auf ein Drehmoment von 290 Nm bringt. Dies ist auch die kleinste Motorisierung mit einem Sechs-Gang-Getriebe.

Alle Motoren sind Common-Rail-Diesel mit Multijet-Einspritzung

Für regelmäßige Einsätze auf der Autobahn lohnt sich eine Probefahrt mit dem 99 kW (135 PS) starken 2,0-Liter-Motor mit einem Drehmoment von 320 Nm. Die Elastizität ist hier etwas besser als beim 1,6-Liter. Allerdings verbraucht der größere Motor mit 6,8 l/100 km auch 0,4 l/100 km innerorts mehr Diesel (alle Verbrauchsangaben laut Hersteller). Alle drei Motoren sind Common-Rail-Diesel mit Multijet-Einspritzung. Euro 5 gehört beim 2,0-Liter-Work-Up zur Serienausstattung. Für die anderen Modelle ist der Partikelfilter verfügbar, der die Einhaltung der Abgasnorm gewährleistet. Die Mehrkosten dafür belaufen sich laut Liste auf 750 Euro. Eine Start-Stopp-Automatik gibt es auf Wunsch ohne Aufpreis. Nicht verfügbar für den Work Up sind die beiden Multipoint-Motoren, die es für Kasten und Kombi gibt. Damit stehen weder Gas- noch Benzinantrieb zur Verfügung. Wobei die Zahl der Interessenten für eine Pritsche mit Benzin- oder Gasantrieb ohnehin klein sein dürfte.

Die Pritsche des Work Up bietet eine Ladefläche von 4,14 m2 und damit Platz für drei Europaletten. Mit einer maximalen Zuladung von 925 Kilo muss sich der Work Up vor Konkurrenten wie dem VW T5 mit Pritschenaufbau und kurzem Radstand nicht verstecken. Dafür ist die gebremste Anhängelast mit maximal einer Tonne wesentlich geringer als beim VW. Der zieht 2,2 Tonnen. Zwischen Ladefläche und Fahrgastzelle befindet sich eine Stahltrennwand mit großem Fenster. Freie Sicht nach hinten ist damit gewährleistet.

Hinzu kommt eine gute Rundumsicht durch ausreichend große Außenspiegel. Allerdings sollte der Fahrer diese vor Fahrtbeginn einstellen. Der Knopf zum Verstellen der Spiegel befindet sich nahe der A-Säule und ist während der Fahrt außer Reichweite. Die Sitze des Work Up sind bequem und bieten eine gute Seitenführung. Die Fiat-Pritsche gibt es ab 17.750 Euro mit 1,3-Liter-Aggregat und in Euro 5. Damit kostet das Fahrzeug 3.750 Euro mehr als der vergleichbare Kastenwagen. Für 19.700 Euro ist die 2,0-Liter-Maschine erhältlich. Neben der Pritsche gibt es auch ein neues Doblò-Sondermodell auf Basis des Kastenwagens – den Werkstattwagen Cargo System.

Mit überarbeiteter Einspritzanlage ist Euro 5 erreicht

Der Ducato selbst erscheint so jung wie ehedem, von Falten keine Spur und präsentiert sich an seinem Geburtstag auch mit einigen Neuerungen. Die wichtigste: Euro 5 für alle Modelle. Mit überarbeiteter Einspritzanlage erreicht Fiat die strengere Abgasnorm bei gleichzeitiger Leistungssteigerung der Aggregate. Neben den vier Dieselmotoren soll auch wieder eine CNG-Variante des Ducato auf den Markt kommen. Laut Marc Wiechert, Produktmanager von Fiat Professional, wird es eine monovalente Erdgas-Ausführung geben. Flüssiggas (LPG) komme als Treibstoff allerdings nicht in Frage.

Den Fiat Scudo gibt es nur mit Diesel-Aggregaten

Ebenfalls bei der Feier anwesend ist ein Adoptivkind – der Scudo, seiner Herkunft nach eigentlich ein Franzose. Zwar ist er ohne seine beiden Zwillinge Peugeot Expert und Citroën Jumper gekommen, dafür hat er Neuerungen im Gepäck. Auch hier gilt: Euro 5 für alle Modelle. Den Scudo gibt es ausschließlich mit Diesel-Aggregaten. Dabei stehen zwei Hubräume zur Verfügung mit 1.560 cm3 und 1.997 cm3. Für die 2,0-Liter-Maschine gibt es zwei Leistungsstufen mit 94 kW (128 PS) und 120 kW (163 PS). Der 1,6-Liter-Motor leistet 66 kW (90 PS). Alle drei Varianten spritzen Kraftstoff mit dem überarbeiteten Multijet-System ein. So sind Einspritzdrücke von bis zu 1.800 bar möglich. Die Injektoren können pro Zyklus acht Einspritzungen leisten, was zu einer gleichmäßigen Verteilung des Gemischs im Zylinder führt und damit zu einer saubereren Verbrennung. Das wirkt sich positiv auf die Emissionen aus und verbessert die Geräuschentwicklung bei der Verbrennung. Fahrdynamisch sind die Unterschiede zwischen den drei Motoren groß. Mit dem 1,6-Liter-Aggregat ist der Scudo schwerfällig. Im Vergleich zu den größeren Motorvarianten hat er aber auch keinen Verbrauchsvorteil. Das liegt unter anderem am Turbolader, der nur bei den 2,0-Liter-Motoren eine variable Geometrie hat. Die 2,0-Liter-Motoren haben bereits bei niedrigen Drehzahlen ein gutes Ansprechverhalten. Leider laden Fahrwerk und schwergängige Lenkung des Fronttrieblers nicht zum dynamischen Fahren ein. In Kurven neigt der Scudo an der Vorderachse zum Übersteuern. Das gilt noch mehr für die große Leistungsstufe des 2,0-Liter-Aggregats.

Das Basisfahrzeug für den Scudo Modular ist das Topmodell der Panorama-Baureihe

In Zusammenarbeit mit Sortimo bietet Fiat das Sondermodell Modular an. Der Kombi hat eine hochwertige Innenausstattung mit bis zu sechs Leder-Einzelsitzen. Im Laminat-Fußboden des Modular verlaufen Aluminium-Sitzschienen, an denen auch eine Tischkonstruktion befestigt ist, die während der Fahrt nutzbar ist. Das Basisfahrzeug für den Scudo Modular ist das Topmodell der Panorama-Baureihe mit 120-kW-Aggregat. Nach Erwerb des Basisfahrzeugs erfolgt der Umbau bei Sortimo-Speedwave in Zusmarshausen. Kostenpunkt: mindestens 9.500 Euro. Damit ist der Scudo Modular samt Umbau ab 39.550 Euro zu haben. Vermutlich ist das auch ein Grund, warum Fiat den Scudo Modular als Fahrzeug für Geschäftsleute bewirbt und nicht als Transporter für eine italienische Großfamilie.

Portrait

Autor

Foto

Markus Braun

Datum

10. Februar 2012
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