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DAF XT 105: Eindeutig der richtige Laster

Fliegender Holländer: Henrie Geboers hebt ab – ganz ohne Flügel. Sein Chef musste ihm dazu nur den richtigen Laster hinstellen.

Für viele sind sie der Inbegriff des Lkw, aber in Europa sind sie quasi ausgestorben: schwere Hauber. Sicher, es gibt noch Ausnahmen wie die Mercedes-Offroader der Baureihe Zetros oder den in Kleinserie produzierten Iveco Strator, aber mit dem Aus für die Scania T-Serie und den Volvo NH 12 hat sich das Thema vor einigen Jahren auf breiter Front erledigt. In die kleine, aber feine Liste der Exoten reiht sich nun aber ein weiterer Name ein: DAF XT 105.

Eigens angefertigt für das 40-jährige Firmenjubiläum des Transportunternehmens A. Jansen BV in Son im Süden Hollands stand vor Kurzem die Jungfernfahrt auf dem Programm – und FERNFAHRER war dabei. Jansen verfügt über eine stattliche Flotte von 120 Lkw und mit nur drei Ausnahmen stammen alle von DAF. Haubenwagen haben es Firmenchef Anton Jansen schon immer angetan und entsprechend hatte er über Jahre hinweg DAF-Hauber der Serien NTT und NAT im Einsatz.

Beide Baureihen hat DAF zwar längst eingestellt, aber je einen Vertreter hat Jansen noch immer – als echter Fan kann er sich einfach nicht davon trennen. Mit einem besonders seltenen Exemplar war Jansen-Fahrer Henrie Geboers jahrelang unterwegs: Seinen NTT3300 hat es in der DAF-Historie offiziell nie gegeben. Vielmehr handelte es sich um einen NTT2800, dem Jansen später einen stärkeren Motor einpflanzte.

Im Stil amerikanischer Hauber bekam das Ausstellungsstück auch einen Sleeper verpasst

Ursprünglich hatte DAF das Fahrzeug als Blickfang für die RAI 1982 in Amsterdam gebaut. Im Stil amerikanischer Hauber bekam das Ausstellungsstück auch einen Sleeper verpasst. Das spektakuläre Teil blieb ein Unikat und wurde von Jansen als zweitem Besitzer im harten Baustelleneinsatz bewegt. Das Aus kam erst nach mehr als vier Millionen Kilometern und vier Motoren.

Henrie Geboers bedauert die Entscheidung bis heute: „Ich habe es geliebt, mit dem NTT zu arbeiten. Aber als ich eines Tages aus dem Urlaub zurückkam, hatte ein anderer Fahrer Mist gebaut. Der Motor verlor jede Menge Öl und war am Ende – es wäre eine fünfte Maschine fällig gewesen. Jansen hat das Fahrzeug zwar behalten, aber es kam nicht mehr zum Einsatz.“ Henrie wechselte auf einen XF 105, mit dem er zwar sehr zufrieden war, aber das spezielle Hauber-Feeling kam nicht mehr auf.

Ende letzten Jahres dann die große Überraschung: „Ich war zu dem Zeitpunkt zwölfeinhalb Jahre im Unternehmen und es gab eine Feier zum 40-jährigen Firmenjubiläum. Es war sehr schön, aber der eigentliche Knaller kam erst später, als der XT 105 enthüllt wurde. Damit hatte keiner gerechnet. Als leidenschaftlicher DAF- und Hauber-Fan hat Anton Jansen den Truck beim DAF-Händler De Burgh in Eindhoven bauen lassen. Der Umbau hat ganz im Geheimen stattgefunden. Außer den Leuten, die daran gearbeitet haben, hat keiner etwas davon gewusst.“

Die spektakuläre Premiere hatte für Henrie noch ein ganz besonderes Nachspiel: „Ein paar Tage später sagte mir mein Chef, dass ich den XT bekomme. Ich konnte mein Glück kaum fassen!“ Nach einigen weiteren Anpassungen in der Werkstatt ist es nun so weit: Henrie geht mit dem XT auf die erste Tour.

Die Lenkung fühlt sich genauso an wie bei dem alten NTT

Auffällig und gewöhnungsbedürftig ist zunächst einmal der nach hinten versetzte Einstieg. Ansonsten ist das große Super Space Cab vertraut, alles ist auf den ersten Blick wie immer. Auch der Motortunnel ist trotz der langen Schnauze noch vorhanden. Henrie weiß das zu schätzen: „Ich bin nicht sehr groß, um an die oberen Staufächer zu kommen, ist der Tunnel gerade recht. Zudem ist da noch ein praktischer Nutzen: Darunter sitzt jetzt der Tank mit Hydrauliköl für den Kippauflieger. Somit bleibt mehr Bauraum am Chassis für einen großen Dieseltank. Bei Dreiachszugmaschinen hat man ja sonst häufig Platzprobleme am Rahmen.“

Auf der Jungfernfahrt geht es mit Rohmaterial für die Betonherstellung von Helmond im Süden nach Amsterdam. Immer wieder verrenken sich neugierige Fahrer beim Anblick des XT ungläubig den Hals. Einige reagieren blitzschnell und schießen ein „Beweisfoto“ mit dem Handy. Auch im Betonwerk von Jansen in Amsterdam bestaunt die komplette Belegschaft ausgiebig das neueste Fuhrparkmitglied. Wieder klicken die Auslöser der Handykameras und ein sehr stolzer Henrie Geboers beantwortet geduldig alle Fragen.

Aber ganz ohne Termindruck geht es auch beim schmucken Hauber nicht: Also abladen und die nächste Ladeadresse checken. Wieder genießt Henrie jeden Kilometer auf Autobahn und Landstraße. „Der Truck fährt sich wirklich super. Ob du es glaubst oder nicht, die Lenkung fühlt sich genauso an wie bei meinem alten NTT! Natürlich ist das Fahrverhalten im Neuen insgesamt weicher, das Handling angenehmer und in der Kabine gibt es viel mehr Platz und Komfort.

Außerdem ist der XT luftgefiltert, das ist ebenfalls ein großer Vorteil. Ich würde sogar sagen, dass der XT noch komfortabler ist als mein XF. Durch die nach hinten verlagerte Sitzposition spürt man die Vorderachse viel weniger.“ Die Fahrt führt südlich nach Valkenburg. Für Henrie nichts Neues: „Dort wird Schlamm aufbereitet und ich transportiere die Rückstände zurück nach Helmond. Die werden anschließend recycelt und dienen wieder als Rohmaterial für den Straßenbau und die Betonindustrie.“

Sogar die Anzugträger aus der Chefetage kommen auf einen Abstecher vorbei

Auch an der neuen Ladestelle reißt das Interesse am neuen Hauber nicht ab. Sogar die Anzugträger aus der Chefetage unterbrechen ihr Meeting und kommen auf einen Abstecher vorbei. Henrie freut sich sichtlich über so viel Aufmerksamkeit, aber die Arbeit macht sich nicht von allein. Er schwingt sich in einen Radlader und legt los. „Ich lade lieber selbst, bevor mir irgendjemand einen Kratzer reinfährt. Ich bin stolz auf Truck und Trailer und will beides so sauber halten, wie es irgendwie geht.“

Zurück auf die Straße geht es im sechsachsigen Kipperzug mit rund 50 Tonnen Gesamtgewicht. Dabei verschafft sich der 462 PS starke Paccar MX-Motor im XT deutlich mehr Gehör als im normalen XF. Insbesondere das Turbopfeifen tönt gewaltig in die Kabine. Für Henrie ist das freilich relativ, er ist voll in seinem Element: „Der alte NTT war viel lauter. Im Vergleich dazu ist der XT regelrecht leise. Der Klang des Motors ist Musik in meinen Ohren.“

Beim Blick nach vorn fällt auf, dass kein rausragender Frontspiegel die Optik stört. „Wir haben ein Greensight- System von Groeneveld eingebaut, mit LED-Monitor und Kameras im Frontgrill und unter dem rechten Außenspiegel. Das funktioniert sehr gut und warnt im Zweifelsfall auch akustisch.“ Den Status „einzigartig“ wird Henries Hauber aber bald verlieren: Jansen hat noch einen zweiten XT in Auftrag gegeben. Der Umbau basiert auf einem XF 105.460 6x4 mit 5.250 Millimeter Radstand, Luftfederung, Neun-Tonnen-Vorderachse und ZF-ASTronic.

Für die nach hinten versetzte Super Space Cab hat De Burgh eine neue Stahlfederung entwickelt. Das Chassis des XF bleibt unangetastet, was unter anderem bedeutet, dass der Frontunterfahrschutz erhalten bleibt. Wo vorne beim XF die Kabine ansetzt, ist beim XT die Haube gelagert. Das Gesamtbild wirkt so vertraut, als käme es aus der Designabteilung von DAF selbst.

Dabei wurden nicht nur die Haube, sondern auch die komplette Frontpartie, die Schweller und die Kotflügel bei De Burgh entworfen. Mit der Länge kommt Jansen mit den kurzen Kippaufliegern gut zurecht. Ein deutlicher Tribut wird gegenüber dem XF aber beim Gewicht fällig: Der XT 6x4 bringt mit Super Space Cab und Nebenantrieb für den Kippsattel stolze 9.440 Kilogramm auf die Waage.

Autor

,

Foto

Iep van der Meer

Datum

17. Juli 2012
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