Lkw, Transporter, China, Messe 14 Bilder Zoom
Foto: Wolfgang Tschakert

Chinas größte Autoshow

Neue Motoren braucht das Land

Die chinesischen Truckhersteller ziehen nach, das zeigt die größte Autoshow Chinas. Gefragt sind durchwegs moderne und stärkere Fernverkehrs-Lkw, die mit topaktueller Nutzfahrzeugtechnik glänzen.

Auch wenn sich die große Autoschau in Peking einen internationalen Anstrich gibt, bleibt die Ausrichtung, wie sie war. Klarer Fokus dieser Messe ist der Fahrzeugmarkt im Reich der Mitte. Mit der Versorgung des Binnenmarktes sind die Hersteller noch immer gut ausgelastet. Eine Vielzahl an Truck- und Van-Marken, nicht nur die Branchengrößen, nutzten die Gunst der Stunde. Technischer Fortschritt ist gefragt und wurde gezeigt. Der chinesische Truckmarkt, der bis heute vor allem kostengetrieben funktioniert, steht vor größeren Umwälzungen. Angesichts dramatischer Atemluftbelastung in den Ballungsgebieten soll bereits nächstes Jahr der strengere Abgasstandard "China V" gelten. Verschärfend dazu sind zeitnah strengere Kon­trollen für Lkw angekündigt, die bereits gültige Vorschriften durchsetzen sollen. Wie beispielsweise die Ausführungsbestimmungen der chinesischen Industrienorm, die für Lkw mindestens fünf Kilowatt pro Tonne Gesamtgewicht vorschreiben. Damit ist schon bald Schluss mit untermotorisierten Lkw, die sich mit geringen Motorleistungen mit völlig überladenen 55-Tonnern plagen. Als künftiges Minimum müssen es 275 kW oder rund 380 PS sein, was aber die heimische Truckindustrie und ihre Lieferanten in Nöte bringt. Das sagen jedenfalls Motorenexperten von Mercedes-Benz, die am Foton-Stand waren. Die Stuttgarter steuern für die neueste Auman-Generation ihren bewährten OM 457-Sechszylinder bei, der in China gefertigt wird. 428 PS Nennleistung als Top of the Range sind den Foton-Strategen neuerdings nicht mehr genug,460 PS sollen es schon sein. Ob es sich lohnt, dem altehrwürdigen 457er die höhere Leistung noch abzutrotzen? Zumal noch Entwicklungsleistung gefragt ist, um die nötigen Komponenten für chinesische Kraft- und Schmierstoffe fit zu machen. Foton mit Cummins-Triebwerk Wie es um die Marktchancen des OM 457 in China steht, zeigt auch ein Seitenblick auf das Foton-Flaggschiff gleich daneben. Der Actros MP3-Verschnitt tritt bereits mit ISG-Sechszylinder von Cummins aus chinesischer Fertigung an, der nach China V zertifiziert ist. Der Kunde wird mit Reihensechszylindern wahlweise im 10,5- oder 11,8-Liter-Format bedient, die für maximal 350 PS und 1.800 Newtonmeter oder für bis zu 490 PS und 2.300 Newtonmeter gut sind. Für die Befeuerung sorgt die international bekannte XPI-Hochdruckeinspritzung mit einem Common-Rail-System, die Abgasnachbehandlung wird mit einem SCR-Kat vollzogen. Vielleicht noch ein Wort zu den eindeutigen ­Actros MP3-Anklängen der "Au-Männer": Bei diesem Hochdach-Fahrerhaus soll es sich um eine Foton-Entwicklung handeln ohne Mercedes-Lizenz oder -Mitwirkung, wie Insider berichten. Und noch eine handfeste Überraschung gab ein Blick von hinten auf den Rahmen frei. Als erster Truckhersteller in China nutzt Foton das topaktuelle ZF-Getriebe Traxon, kombiniert es sowohl mit Cummins- als auch Mercedes-Maschinen. Der Konzern ZF-TRW setzt voll auf die chinesische Karte und möchte im asiatisch-pazifischen Nutzfahrzeug-Geschäft weiter wachsen. Einfache manuelle Getriebe werden bereits in China gefertigt, weitere Produkte wie das automatisierte Traxon-Getriebe werden für den chinesischen Markt appliziert. Noch in den nächsten Wochen soll der Serienanlauf eines Kupplungssystems für chinesische Kunden in Serie gehen. Dongfeng mit Abgasklasse China IV Auch Dongfeng, Chinas größter Truckhersteller, zeigte sein Topmodell mit Cummins-Maschine, die Alternative dazu wäre ein D11-Sechszylinder des schwedischen Partners Volvo. Der in China gefertigte 13-Liter-Sechszylinder vom Typ ISZ480 erfüllt bislang nur das China-IV-Abgasreglement, bietet aber 480 PS und 2.330 Newtonmeter Drehmoment. Die Dongfeng-Sattelzugmaschine vom Typ KX DFH4 zählt zu den neuesten Produkten am Markt, EBS-Bremssystem und Scheibenbremsen zählen hier noch zur Sonderausstattung. Wie hoch die Messlatte in China hängt, konnte man wohl am besten am Hyundai-Stand sehen. Die schweren XCient-Typen gelten als State of the Art, sie sind bestechend präzise gefertigt, der Start der chinesischen Joint-Venture-Fertigung ist für 2017 vorgesehen. Ihre heutige Attraktivität beziehen sie durch das breite Angebot an Motorleistungen. Das Spitzenprodukt für den Fernverkehr wird von einem koreanischen 12,7-Liter-Sechszylinder befeuert, der 520 PS und ein maximales Drehmoment von 2.500 Newtonmetern auf die Welle wuchtet. Das koreanische Flaggschiff ist mit einem AS-Tronic-Getriebe aus Friedrichshafen bestückt, das muss nicht so bleiben. Hyundai mit eigenem Getrieben Denn der koreanische Riese fertigt in seiner Powertrain-Division Dymos eigene Achsen und Getriebe, seit drei Jahren auch eigene Truckgetriebe. Ein eigenes automatisiertes 16-Gang-Getriebe wird bereits in China gefertigt, ebenso ein Sechsgang-Lastschaltgetriebe mit integriertem E-Motor, das für bis zu 1.274 Newtonmeter Eingangsmoment gut sein soll. Die Marktchancen für Omnibus-Hybridantriebe sehen die Koreaner durchaus positiv, Chinas Stadtbusse werden noch überwiegend konventionell angetrieben. Hyundai möchte hier auch bei den Antriebsachsen mitmischen. Seit 2013 gibt es eine eigene Stadtbus-Portalachse, die jetzt auch chinesischen Omnibusherstellern angeboten wird. Mit gutem Erfolg, der Omnibus-Gigant Yutong soll bereits bei Hyundai kaufen. Iveco mit Mit Joint Venture Große Aufmerksamkeit genoss der Auftritt des italo-chinesischem Joint Ventures SAIC-Iveco Hongyan. Die Trucks am Stand trugen ­Iveco-Optik und Iveco-Technology-Branding. Stolz wurden auch die Motoren von FPT ­(Fiat Powertrain) präsentiert. Bei den schweren Motoren setzt der Hersteller auf neueste, zukunftssichere Cursor-Motoren, die per Downgrading den China-V-Standard erfüllen. Weniger spannend dagegen das Van-Exponat in der Pkw-­Halle, die Daily-Studie konnte man bereits 2014 in Hannover bewundern. Elektroantriebe noch ausbaufähig Das Thema E-Mobilität wurde eher versteckt als präsentiert. Elektroantriebe sah man nur bei den kleinen Verteiler-Lkw, dort aber bei jedem Anbieter. Omnipräsent waren Isuzu-Komponenten, die Fahrerhäuser, auch Antriebsstränge. Die Zero-Emission-Transportlösungen sind  denkbar einfach. Batterie und E-Motor ersetzen Verbrenner und Getriebe, leistungsschwächere E-Modelle werden mit Getriebe auf Trab gebracht. Foton setzt auf einen 100 Kilowatt starken Elektromotor, der mit 1.000 Newtonmeter ohne Getriebe auskommt. Anders der Dreitonner von JAC, der mit maximal 50 kW und 220 Newtonmetern auskommen muss und doch 80 km/h schnell sein soll, hier müssen weitere Übersetzungen helfen. Bei den Dieselmotoren für schwere Nutzfahrzeuge arbeitet der Vollsortimenter JAC aus der südchinesischen ­Metropole Hefei mit dem US-amerikanischen Hersteller Navistar zusammen. Was nur Insider wissen: Auch der Omnibushersteller Ankai gehört zum JAC-Konzern. 

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9. Juni 2016
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