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Assistenzsysteme: Daimler adaptiert Seitenwindassistent

Transporter beziehungsweise deren Aufbauten bieten viel Angriffsfläche. Daher adaptierte Daimler den Seitenwindassistenten für Sprinter & Co., basierend auf dem ESP.

Zwei Sprinter passieren die Seitenwindanlage auf der Daimler-Versuchsstrecke in Stuttgart-Untertürkheim. Die 16 Gebläse simulieren heftige Windböen, die Testfahrer müssen sie ohne Lenkbewegungen mit 100 km/h passieren. Nach 16 Metern wird die Abweichung vom Kurs gemessen. Der weiße, im Rahmen der Modellpflege noch getarnte Transporter hält der Leistung der Turbinen tapfer stand. Der rote Sprinter der bisherigen Bauart hingegen wird vom Seitenwind um gut eine Fahrspur versetzt – das hätte im fließenden Verkehr böse ausgehen können. Eindrucksvoll präsentierte die Vans-Sparte von Mercedes mit dieser Vorführung im Jahr 2013 die neuen Assistenzsysteme für sein Transporterprogramm, darunter Abstandswarn-, Spurhalte- und Totwinkelassistent sowie jenen elektronischen Helfer, der den weißen Sprinter gegen die mächtigen Turbinen hat bestehen lassen.

Der Seitenwindassistent war damit erstmals in einen Transporter integriert und Mercedes sicherte sich mit diesem Bündel an Assistenzsystemen inklusive Weltpremiere auch bei den leichten Nutzfahrzeugen den ersten Platz in puncto Sicherheit.

Assistent kompensiert die Einflüsse von Seitenwind

Der Seitenwindassistent baut auf das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) auf, das Mercedes ab 2002 serienmäßig für seine Transporter eingeführt hat. Er ist ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h aktiv und kompensiert die Einflüsse von Seitenwind auf das Fahrzeug im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten nahezu vollständig. Gegenlenken ist bei plötzlichen Böen nicht mehr erforderlich, was den Fahrer deutlich entlastet. Der Assistent erkennt über die Sensoren für Gierrate und Querbeschleunigung des ESP die auf das Fahrzeug einwirkenden Kräfte. Er bremst daraufhin gezielt einzelne Räder auf der dem Wind zugewandten Seite ab.

Dies hat einen Lenkeffekt entgegen der Windrichtung zur Folge und wirkt einem möglichen Abdriften des Fahrzeugs nach links oder rechts entgegen. Das von Mercedes-Benz selbst gesteckte Ziel lautet: Sogar heftige Böen sollen maximal zu einem seitlichen Versatz von 50 Zentimetern führen. Die Sensoren des ESP erkennen sowohl konstanten als auch anwachsenden Seitenwind sowie plötzliche Böen in der jeweiligen Stärke und registrieren zusätzlich den Anströmwinkel. In die Reaktion des Assistenten gehen ebenfalls Fahrzeuggeschwindigkeit, Beladungszustand und Beladungslage sowie das Lenkverhalten des Fahrers ein. Eine entsprechende Leuchtanzeige im Armaturenbrett informiert den Fahrer über jeden Eingriff des Assistenten. Steuert der Fahrer manuell gegen, tritt das Assistenzsystem automatisch zurück.

Wesentlicher Beitrag zur Straßenverkehrssicherheit

Grund für die Entwicklung des Seitenwindassistenten war die Tatsache, dass vor allem große Fahrzeuge mit Hochdach und langem Radstand dem Seitenwind eine große Angriffsfläche bieten. Deshalb müssen die Fahrer dieser Transporter bei böigem Wind, auf Brücken oder beim Herausfahren aus dem Windschatten eines Lkw auf plötzlichen Seitenwind und Gegenlenkmanöver vorbereitet sein. Hier trägt der Seitenwindassistent wesentlich zur Sicherheit im Straßenverkehr bei – vor allem wenn am Steuer unerfahrene Personen sitzen, zum Beispiel bei Mietfahrzeugen und Wohnmobilen.

Das System wird individuell auf das einzelne Baumuster und seine Seitenfläche, auf den Schwerpunkt und die Aufbauart abgestimmt. Daher hat es auch noch etwa ein Jahr länger gedauert, bis das erste Sprinter-basierte Wohnmobil mit Seitenwindassistent auf den Markt kam: der Hymer ML-T. Angesichts von gut 20 Quadratmeter seitlicher Angriffsfläche, die ein durchschnittliches Wohnmobil bietet, lohnt sich der Seitenwindassistent hier besonders.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

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Daimler

Datum

17. März 2017
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