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Foto: Karl-Heiz Augustin

DAF, Mercedes, Scania, Volvo

Vier Lkw mit 500 PS im Vergleich

Mit rund 500 PS und den größten Fahrerhäusern bieten DAF XF510, Mercedes Actros 1848, Scania S 500 und Volvo FH500 von allem etwas mehr, als es in der Regel braucht. Beim 1000-Punkte-Test werden die vier Fahrzeuge auf Herz und Nieren getestet.

Nun also gibt es eine S-Klasse auch im Lkw-Geschäft. Denn der bei den Pkw von Mercedes für die hauseigenen Luxusliner geprägte Begriff steht von Sommer 2016 an auch für die Flaggschiffe von Scania. Nach P-, G- und R- liefert Scania jetzt eine S-Klasse. So ganz zufällig ist die Bezeichnung wohl nicht entstanden. Er könnte auch Scania L (für Long Distance) oder auch Scania E (für Extra) heißen. Doch lässt sich vermuten, dass der ehemalige Daimler-Lkw-Manager und heutige Chef der Nutzfahrzeug-Sparte von VW (zu der auch Scania gehört), Andreas Renschler, bei der Namensgebung ein Wörtchen mitgeredet hat. Kurz: Er reklamiert jetzt den Stuttgarter Begriff S-Klasse für Scania.

Was suggerieren soll, dass High-End und Luxus im Lkw-Bau eine Sache seiner Schweden und eben nicht der Stuttgarter ist. So jedenfalls könnte der Name der neuen Scania-Baureihe entstanden sein. Der Begriff S-Klasse steht beim Pkw seit jeher für souveräne Motorisierung, für höchsten Fahrkomfort und puren Luxus. 90.100 Euro (plus Mehrwertsteuer) weist die aktuelle Preisliste für einen S 500 von Mercedes aus.

Test muss ohne Iveco ablaufen

Ein paar Extras zur ohnehin schon üppigen Ausstattung machen daraus auch gut 100.000 – was in etwa dem Gegenwert eines Scania S 500 verspricht. Messen lassen muss sich der Neue an der etablierten Konkurrenz von DAF, Mercedes und Volvo. Alle drei haben seit ihrer Präsentation teilweise deutlich aufgerüstet. DAF mit einem verbesserten Getriebe, einem prädiktiven Tempomaten und viel Feinarbeit, Mercedes vor allen Dingen mit einem optimierten Motor und Volvo mit einer neuen Einspritzung (endlich Common-Rail statt Pumpe-Düse-Elementen) und einem gewichtsoptimierten Chassis. Es treten also an: DAF XF510FT, Mercedes Actros 1848 LS, Scania S 500 A und Volvo FH500. Allesamt ausgerüstet mit dem jeweils größten Fahrerhaus. Und wo waren die anderen drei Marken? MAN hatte schon lange vor dem Test abgesagt ("Kein passendes Fahrzeug zur Verfügung") und Renault beklagte Terminschwierigkeiten.

Iveco hatte zwar zugesagt, machte 36 Stunden vor Testbeginn aber einen Rückzieher – mit ziemlich fadenscheiniger Begründung. Der Vergleich der alten R-Klasse mit der neuen S-Klasse zeigt beim Scania eine Menge von Verbesserungen, die teilweise auch dringend nötig waren. Die Außenspiegel flattern jetzt nicht mehr, das Bett geriet deutlich komfortabler und größer, die mickrige Kühlbox (eine wacklige Schublade) musste einem geräumigen, soliden und 40 Liter großen Gerät weichen. Farbgebung und Materialqualität legten zu. Und die S-Klasse zeigt erstmals bei Scania (vom alten Hauber mal abgesehen) einen ebenen Fahrerhausboden. Das alles reicht freilich nur, um mit der Konkurrenz gleichzuziehen, aber nicht, um ihr davonzuziehen. Denn der Volvo und der Mercedes beherrschen das Thema Fahrerhaus mindestens genauso gut wie Scania und punkten mit einem gut gemachten Arbeitsplatz und guten Betten (Volvo) sowie riesigem Fahrerhaus und hoher Verarbeitungsqualität (Mercedes).

Wertung Fahrerhaus geht knapp an Actros

Auch der DAF, der Dienstälteste im Quartett, mischt munter mit. Das Super Spacecab gerät äußerst voluminös und überzeugt mit einer praxisgerechten, schnörkellosen Einrichtung. Es ist ein insgesamt erstaunlich hohes und fast einheitliches Niveau, das alle vier Fahrerhäuser bieten. Die Unterschiede sind – vom Stauraumvolumen abgesehen – sehr gering, aber doch zu finden. Mal glänzt der DAF mit sehr dichten Vorhängen und äußert praxisgerechten Stauräumen, mal patzt er wie beim Frontaufstieg oder der Lenkradverstellung. Der Mercedes zeigt – mit kleinem Vorsprung – die beste Verarbeitung und die sympathischsten Materialien. Er schwächelt aber ein wenig, wenn es um den Einstieg ins hohe Fahrerhaus oder die hoch oben "schwebenden" Außenstaufächer geht. So ähnlich sieht es bei Volvo und Scania auch aus – mal kleine Schwächen wie das knapp geschnittene FH-Fahrerhaus oder deutliche Stärken wie die enorme Lenkradverstellung der beiden Schweden.

Die Wertung Fahrerhaus geht ganz knapp an den Actros, der die hier gewonnenen Punkte aber beim Fahren schnell wieder verspielt. Denn Fahrkomfort und teilweise das Fahrverhalten sind nicht unbedingt seine Stärken. Anders gesagt: Zumindest das Fahrverhalten war es einmal, das aber können die beiden Schweden mittlerweile etwas besser. Zwei Dinge schränken den Fahrkomfort des Actros ein. Da ist zum einen die Vorderachse (vermutlich aber die vordere Fahrerhauslagerung), die Unruhe und unnötige Härte vermittelt. Und da sind die Innengeräusche auf deutlich höherem Niveau als beim Wettbewerb. Hinzu kommt ein im Vergleich doch brummiger Motor. Vorbildlich leise geht es im Scania zu, der bei Tempo 85 nur gut 61 dB(A) (Mercedes 64,5) auf das Trommelfell schickt.

Scania-Automatik tanzt aus der Reihe

Aber auch DAF und Volvo verhalten sich vorbildlich leise. Einzig die hohen Windgeräusche bei offener Dachluke stören auf Dauer. Als Meister beim Fahrverhalten entpuppt sich einmal mehr der Scania, der stoisch geradeaus läuft, Lenkbewegungen exakt umsetzt und insgesamt ein äußerst sicheres Fahrgefühl vermittelt. Ähnlich gut zeigen sich Volvo und DAF. Der Actros vermittelt ein etwas indifferentes Fahrgefühl, was wohl auch an der Seitenneigung der hoch montierten Gigaspace-Kabine liegt. Längst Standard im Fernverkehrs-Lkw und damit ebenfalls in diesem Testquartett sind automatisierte Getriebe und heute auch GPS-Tempomatsysteme. Gerade diese beiden Komponenten spielen eine ganz große Rolle, wenn es um einfache Bedienung, wirtschaftliche Drehzahlen und guten Verbrauch geht. DAF setzt nach wie vor auf die AS-Tronic von ZF.

Die Nachfolgegeneration, Traxon genannt, kann zwar manches besser, doch die AS-Tronic macht ihre Sache im DAF ganz gut. Sie hat immer den richtigen Gang parat, sie schaltet (in den oberen Gängen) sehr fix und trotzdem elegant, verfügt über die nötigen Zusatzfunktionen und ist dazu leichter. Noch etwas besser kann all dies das I-Shift genannte Volvo-Getriebe, das zudem auch in Kombination mit einer Doppelkupplung zu bekommen ist. Die Qualitäten der Mercedes-Automatik Powershift 3 unterscheiden sich an einigen Stellen deutlich von I-Shift. Manchmal geht es etwas ruppig beim Schalten zu und beim Anfahren reagiert die Elektronik nur arg verzögert auf Gaspedalbewegungen, was in mancher Situation richtig störend ist. Ansonsten versteht sich Powershift bestens mit den Motorkräften und lässt den 12,8 Liter großen OM471LA zumeist mit niedrigsten Drehzahlen arbeiten. Mit ihrer Synchronisierung des Hauptgetriebes (die anderen Getriebe kommen ohne Synchronisierung aus) tanzt die Scania-Automatik etwas aus der Reihe. Auch arbeitet das GRS905 genannte Zwölfganggetriebe (plus zwei Crawler) neuerdings mit einer Getriebebremse an der Vorgelegewelle.

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9. Dezember 2016
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