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Foto: Jacek Bilski

Daimler-Vorstand Bernhard im Gespräch

Daimler mit neuen digitalen Angeboten

Der Fahrzeugbauer Daimler baut seine Angebote für das neue digitale Zeitalter massiv aus. Mit den zusätzlichen Services, die er auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vorstellen wird, will er Transport- und Logistikdienstleistern zu deutlichen Wettbewerbs- und Effizienzvorteilen verhelfen.

Daimler-Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Bernhard hält es für unabdingbar, dass die Hersteller auf diesem Gebiet tätig werden. "Wenn nicht wir es machen, werden wir Dritte erleben, die sich zwischen die Hersteller und Logistiker stellen", erklärt er im Redaktionsgespräch mit lastauto omnibus und trans aktuell. Grundsätzlich hat der 56-Jährige mit diesem Wettlauf der Systeme kein Problem. "Er hat sein Gutes, weil er das Geschäft beflügelt", sagt er.

Bernhard spricht von einem Datenschatz, den Spediteure nutzen können

Im Gegensatz zu reinen IT- oder Telematikdienstleistern habe Daimler Zugriff auf alle relevanten Lkw-Daten. Bernhard spricht von einem Datenschatz, den er für Flottenbetreiber, aber zum Beispiel auch für Verlader nutzbar machen möchte. Mit einem Blick könnten diese erkennen, wo der Lkw stecke, wann er ankomme, wie viel Restlenkzeit dem Fahrer bleibe und vieles mehr. "Wenn unsere Kunden mit diesen Echtzeitdaten arbeiten können, bringt sie das in eine ganz andere Position", so die Überzeugung von Bernhard. Dank einer Internet-Verbindung ins Fahrerhaus sind diese Daten jederzeit von Disponenten oder Werkstätten einsehbar.

Truck Data Center: Bosch produziert für Daimler Box für digitale Services

Möglich macht es eine DIN-A5- große dort verbaute Box, die laut Bernhard alle relevanten Daten am Can-Bus des Lkw abgreift und mit allen Betriebssystemen kommunizieren kann. Daimler bezeichnet das Kästchen als Truck Data Center. "Es wird ab 2017 bei allen mittleren und schweren Lkw verbaut", kündigt Bernhard an. Daimler hat die Box selbst entwickelt und bei Bosch zur Produktion in Auftrag gegeben. Bernhard spricht von einigen Hunderttausend Einheiten, die dort exklusiv für Daimler gefertigt werden.

Box ist Basis für vorausschauenden Pannendienst Uptime

Die Box ist zugleich die Basis für den vorbeugenden Pannendienst Uptime, den der Fahrzeugbauer Mitte Juni in Stuttgart vorgestellt hatte. Uptime überprüft jederzeit den Status der Fahrzeugsysteme – messe quasi den Puls des Lkw, wie es Daimler-Mann Bernhard ausdrückt. Bei Auffälligkeiten meldet sich das Fahrzeug selbstständig beim Server des Mercedes-Benz-Service. "Wir sehen sofort, wenn etwas aus dem Ruder läuft", erläutert der Nutzfahrzeugvorstand.

Anhand eines Ampelsystems könnten die Service-Mitarbeiter den Fuhrparkleitern melden, ob sich der Werkstattbesuch noch aufschieben lässt, ein Boxenstopp auf der weiteren Route eingeplant werden sollte oder ein sofortiges Vorfahren dort notwendig ist. Im dritten Fall sei Daimler in der Lage, das fehlende Ersatzteil dorthin zu schicken und Werkstattkapazitäten frei zu schlagen. Ziel dieser Angebote ist es, den Lkw-Ausfall zu vermeiden beziehungsweise die Ausfallzeiten zu reduzieren und planbar zu halten.
Eine erhöhte Lkw-Verfügbarkeit bedeutet nach Daimler-Auffassung bares Geld. Bei einem Feldtest mit 1.400 Lkw in 16 Flotten in Deutschland, Großbritannien, Österreich und Polen hat Daimler das System zwei Jahre lang getestet. Bernhard zieht eine positive Bilanz, die Erwartungen der Unternehmer hätten sich mehr als erfüllt.

Neuer Fleetboard-Store mit App-Angeboten für Dritte

Weitere Impulse in Richtung Digitalisierung setzt der Konzern auf der IAA mit seinem neuen Fleetboard-Store. Jeder Interessent könne seinen Kunden auf dieser Plattform entsprechende Apps zur Erleichterung der täglichen Transportaufgaben an die Hand geben. Ein Kipperhersteller könne etwa Hilfestellung geben, wie der Schüttkegel richtig positioniert wird – aber auch Asphalt- oder Kühlerhersteller könnten auf dieser Plattform tätig werden. Schon zur IAA stünden im Store 14 Apps von unterschiedlichsten Anbietern parat.

Vergleichbar ist das Ganze mit iTunes von Apple – nur, dass es um Angebote rund um Transport und Logistik geht. "Wir spielen auf diesem Feld schon sehr lange", berichtet Bernhard. Fleetboard war vor 15 Jahren an den Start gegangen. Nun sei es Zeit, die nächste Stufe zu zünden.

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Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

1. September 2016
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