Tempo – das ist es, was zählt in einem Pannen- oder Reparaturfall. So schnell wie möglich soll das benötigte Ersatzteil am eigenen Fahrzeug ankommen und seine Aufgaben übernehmen. Tempo: Das bedeutet für die Mitarbeiter des MAN Logistic Center Salzgitter aber auch, dass sie Aufträge innerhalb von Minuten abhaken müssen, um Kunden überall in Europa möglichst schnell wieder mobil zu machen. Im Zweischichtbetrieb – und für besonders eilige Aufträge mit einer "24/7-Feuerwehr" – managen in der Logistik-Herzkammer dafür 700 Mitarbeiter einen der kleinteiligsten Jobs in der großen MAN-Welt.
Aus über 400.000 Ersatzteilposten, gut die Hälfte davon sind ständig auf Lager, "picken" die Mitarbeiter per Sprachsteuerung über die Headsets bis zu zwanzig verschiedene Positionen aus den Lagerstätten. Abgeglichen wird über Scanner oder Sachnummer und weiter geht die Ersatzteilroute – bis zu 20.000 Kommissionierungen. Dabei ist Tempo entscheidend: Etwa dreißig Minuten nach Auftragseingang kann das gewünschte Teil schon auslieferbereit sein und auch spätabends noch auf eine Nachtsprungtour gehen. Fallweise holen Werkstätten oder Betriebe besondere Dringteile auch persönlich in Salzgitter ab. Auch die älteren MAN-Modelle werden in Salzgitter nicht vergessen. Etliche Teile für Lkw, Busse und Traktoren werden bis zu 35 Jahre auf Lager gehalten.
50.000 Quadratmeter Fläche – ein Gigant
Bei der Konzeption der 2025 im vierten Bauabschnitt vollendeten Zentrallagerhalle wurde auf maximale Rangierfreudigkeit ohne störende Seitenwände geachtet. So ist eine 50.000 Quadratmeter große, hindernisfreie Hallenfläche möglich geworden, auf der der Teileumschlag vom Blinkerrelais bis zum Rohbaufahrerhaus möglichst schnell und störungsfrei bewerkstelligt werden kann.
Automatisierung hat in der mit 400 auf 575 Meter gigantischen Lagerhalle auch seinen Platz: Bei der Spurführung der Entnahmestapler im Hochregallager hilft der Computer mit, ansonsten würde in dem höchstbetriebsamen Umschlagplatz schnell ein Durcheinander herrschen. Um die Ausfallsicherheit so groß wie möglich zu halten, ist dazu viel menschliches Know-How gefragt: So muss der Lagerist nach dem Entnahmeauftrag vom Leitstand mit dem Hochregallader manuell zur Entnahmestelle steuern.
Oftmals in luftiger Höhe entnimmt der Mitarbeiter den Artikel, scannt die Entnahme ein und fährt zum nächsten Posten. Nur bei bei schweren Großteilen kommt Maschinenkraft zur Entnahme zum Einsatz. Aus der scheinbar unendlichen Vielzahl von Lagerstellen entnommen, wird der Auftrag zur Packstation befördert. Einzelkunden bekommen ihr angefragtes Teil per Paket, die größeren Posten gehen per Box an die Werkstätten oder Regionallager. Nach dem Packen werden die Versandstücke in der Truck Packing Area bereits auf einer ladeflächenidentischen Vorstaufläche zusammengestellt, um den Lkw in Trockenübung bereits zu beladen.
So vollzieht sich Beladung und Abfertigung der Lastzüge – vorzugsweise Volumenfahrzeuge – in der kritischen Versandspitzenzeit am Abend innerhalb weniger Minuten. Fast alle Lieferungen erreichen im Nachtsprung ihren Bestimmungsort in ganz Europa. Für die Versorgung der Regionallager und der vier europäischen Parts Distribution Center gibt es einen eigenen Fahrplan mit festen Liefertouren. Ein KEP-Bereich ist für die Zustellung von kleineren Versandstücken direkt zum Kunden vorgesehen.
Eine eigene Packabteilung übernimmt die fachgerechte Verpackung von Luft- und Seefracht, die per Container nach Übersee auf die Reise geht. "Von hier aus versorgen wir die Welt!", ist Salzgitter-Standortleiter Gerd Rubin zu Recht zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Vor einer Teileminimierung durch den Trend zum E-Truck hat der MAN-Manager keine Sorge: "Die E-Lkw werden für alle immer wichtiger." So will man zusammen mit E.ON am Standort Salzgitter in Kürze auch Hochleistungsladestellen errichten. Damit die E-Teile ihre Reise zum Kunden möglichst sauber antreten.







