Die Insolvenz der Warenhauskette Galeria zieht weitere Kreise. Jetzt hat es auch die Logistik erwischt: Die Fiege-Gesellschaft, die das Galeria-Zentrallager in Unna betreibt, hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Wie der WDR berichtet, müssen damit rund 1.250 Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze bangen. Dabei hatten beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit erst Anfang 2025 ausgebaut. Auslöser ist die erneute Insolvenz des Warenhauskonzerns Anfang Oktober 2026. Für den Standort in Unna ist das besonders problematisch: Das Logistikzentrum arbeitet bislang ausschließlich für Galeria. Wie es mit dem einzigen Auftraggeber weitergeht, ist jedoch offen.
Fiege will Standort in Unna erhalten
Ganz stillstehen soll der Betrieb vorerst nicht. Nach Angaben einer Fiege-Sprecherin gegenüber dem WDR haben sich der Logistikdienstleister und Galeria auf eine Fortsetzungsvereinbarung bis zum Jahresende verständigt. Damit ist die weitere Zusammenarbeit zunächst bis zum 31. Dezember 2026 geregelt. Was danach geschieht, ist allerdings unklar. Fiege bemüht sich deshalb um neue Kunden für den Standort. Ziel sei es, das Logistikzentrum in Unna zu erhalten. Die Beschäftigten wurden laut WDR bereits am Dienstag über die Situation informiert. Ihre Löhne und Gehälter werden vorerst über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Wichtig dabei: Der Insolvenzantrag betrifft die Betreibergesellschaft des Lagers in Unna, nicht die gesamte Fiege-Gruppe. Der Logistikdienstleister beschäftigt in Deutschland mehr als 10.000 Menschen an rund 70 Standorten.
Erst 2025 wurde die Partnerschaft ausgebaut
Besonders bitter ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der langjährigen Zusammenarbeit. Noch im Januar 2025 hatten Fiege und Galeria angekündigt, ihre Partnerschaft zu intensivieren. Damals übernahm Fiege nach eigenen Angaben die gesamte Logistik für Galeria aus dem Zentrallager in Unna. Dazu gehörten auch die Transporte in die Warenhäuser. Außerdem sollten das Lagerverwaltungssystem modernisiert und die Anbindung an weitere IT-Systeme verbessert werden. Die bisherigen Strukturen des gemeinsamen Logistikunternehmens wurden dafür in ein klassisches Dienstleistungsmodell überführt. Fiege und Galeria wollten damit die nach mehreren Insolvenzen bereits stark konsolidierte Logistik effizienter aufstellen. Der Umbau sollte die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit bilden. Nun steht ausgerechnet der zentrale Logistikstandort erneut vor einer ungewissen Zukunft.
Eine Partnerschaft mit langer Krisengeschichte
Die Verbindung zwischen Fiege und Galeria reicht deutlich weiter zurück. Bereits 2019 berichtete eurotransport über die geplante Neuordnung der Warenhauslogistik und die Ablösung externer Dienstleister. 2020 meldeten die Unternehmen ein gemeinsames Logistikunternehmen an. Fiege sollte daran 51 Prozent halten, Galeria Karstadt Kaufhof die übrigen 49 Prozent. Doch die Zusammenarbeit wurde wiederholt von den finanziellen Schwierigkeiten des Warenhauskonzerns überschattet. Als Galeria im Januar 2024 erneut Insolvenz anmeldete, war auch das damalige Logistik-Joint-Venture X-Log betroffen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten nach damaligen Angaben rund 1.500 Beschäftigte in der Galeria-Logistik. Die Restrukturierung war bereits weit fortgeschritten. Ziel war es, die zuvor auf mehrere Standorte verteilten Logistikaktivitäten zunehmend in Unna zu konzentrieren. Mit der Neuordnung Anfang 2025 sollte schließlich eine stabilere Grundlage geschaffen werden. Dass die nächste Galeria-Insolvenz nun auch die Betreibergesellschaft in Unna erfasst, zeigt, wie eng die wirtschaftlichen Schicksale der beiden Partner an diesem Standort weiterhin miteinander verbunden sind.
Wie geht es nach dem Jahresende weiter?
Entscheidend dürfte nun sein, welche Perspektive Galeria selbst erhält und ob es Fiege gelingt, weitere Kunden für das Logistikzentrum zu gewinnen. Die vereinbarte Fortführung bis Jahresende verschafft den Beteiligten zunächst Zeit. Eine langfristige Absicherung des Standorts ist damit jedoch nicht verbunden. Für die 1.250 Beschäftigten bleibt deshalb vorerst die wichtigste Frage unbeantwortet: Hat die Galeria-Logistik in Unna auch ohne ihren bisherigen alleinigen Auftraggeber eine Zukunft?
In Kürze: die Key Facts
- Betroffenes Unternehmen: Die Fiege-Betreibergesellschaft des Galeria-Zentrallagers in Unna.
- Insolvenzverfahren: Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.
- Ursache: Wirtschaftliche Folgen der erneuten Galeria-Insolvenz Anfang Oktober 2026.
- Beschäftigte: Rund 1.250 Arbeitsplätze am Standort Unna sind gefährdet.
- Standort: Unna, Nordrhein-Westfalen.
- Auftraggeber: Das Logistikzentrum arbeitet bislang ausschließlich für Galeria.
- Versorgung: Über Unna wird die Logistik für die verbliebenen 83 Galeria-Warenhäuser abgewickelt.
- Fortsetzungsvereinbarung: Die Zusammenarbeit mit Galeria ist zunächst bis zum 31. Dezember 2026 geregelt.
- Zukunft des Standorts: Fiege sucht neue Kunden und will das Logistikzentrum erhalten.
- Beschäftigte: Löhne und Gehälter werden vorerst durch Insolvenzgeld abgesichert.
- Partnerschaft: Fiege und Galeria gründeten 2020 ein Logistik-Joint-Venture.
- Neuordnung 2025: Fiege übernahm die Logistik aus Unna einschließlich der Filialtransporte auf Basis eines Dienstleistungsmodells.
- Fiege-Gruppe: Die Insolvenz betrifft die Gesellschaft am Standort Unna, nicht den gesamten Logistikkonzern.








