Effizienteres Depotladen ohne Netzumbau E-Lkw

Netzanschluss für E-Lkw testen
Dynamische Ladepläne für Depots

Mit dem Projekt Netzlabor erprobt Netze BW, wie zusätzliche Leistung noch vor dem Netzausbau für die Industrie nutzbar wird – auch ohne vollständigen Netzausbau.

Logistik Schmitt Fahrzeug
Foto: Logistik Schmitt

Viele Logistikunternehmen wagen mittlerweile den Schritt und setzen auf batterieelektrische Lkw. Doch der Hochlauf der Elektro-Lkw stockt vielerorts nicht an den Fahrzeugen, sondern am Stromanschluss. Neue Logistikdepots benötigen enorme Energiemengen – doch der Netzausbau dauert oft Jahre. Ein neues Projekt aus der Netze BW will genau dieses Problem lösen.

Laden, wenn das Netz es hergibt

Im Projekt „Netzlabor“ testet Netze BW, wie sich E-Lkw auch ohne sofortigen Netzausbau schneller integrieren lassen. Die Idee: Fahrzeuge laden nicht einfach immer, sondern gezielt dann, wenn im Stromnetz gerade Kapazitäten frei sind.

Das Prinzip nennt sich netzorientiertes Laden – und könnte zum Schlüssel für die Elektrifizierung großer Flotten werden.

40 E-Lkw im Praxistest

Gemeinsam mit Logistik Schmitt aus Bietigheim bei Karlsruhe und der Spedition Stickel aus Nagold wird der Ansatz bereits im Alltag erprobt. Mehr als 40 Elektro-Lkw laden dort bereits an über 20 Schnellladepunkten an vier Depotstandorten.

Bis Ende 2026 soll getestet werden, wie gut sich Ladeprozesse an die tatsächliche Netzsituation anpassen lassen und erste Erkenntnisse gezogen werden.

Warum das für die Branche entscheidend ist

E-Lkw benötigen deutlich mehr Leistung als Pkw. Gerade in Depots entstehen hohe Lastspitzen – ein Problem für viele Stromnetze. Ohne neue Lösungen drohen lange Wartezeiten beim Netzanschluss.

Genau hier setzt das Projekt an: Statt sofort neue Leitungen zu bauen, sollen vorhandene Kapazitäten intelligenter genutzt werden. Dr. Martin Konermann, technischer Geschäftsführer der Netze BW, betont: „Der Hochlauf der E-Lkw hat begonnen – und wir rechnen in den nächsten Jahren mit starkem Wachstum. Deshalb legen wir jetzt einen Schwerpunkt darauf, die Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge optimal in das Verteilnetz einzubinden.“

Im Netzlabor E-Lkw werden dazu bereits dynamische Ladefahrpläne entwickelt. Das heißt: Der Netzbetreiber stellt Informationen zur Netzsituation bereit und das Energiemanagement am Standort übersetzt diese Vorgaben in konkrete Ladepläne für die Fahrzeuge.

Mehr Tempo für die Energiewende

Wenn das Konzept funktioniert, könnten Logistikunternehmen ihre Flotten schneller elektrifizieren – und gleichzeitig das Stromnetz stabil halten.

Die Botschaft ist klar: Nicht nur mehr Strom, sondern auch smarteres Laden entscheidet darüber, wie schnell E-Lkw im Alltag ankommen. Das Projekt läuft nach aktuellem Stand bis Dezember 2026.