eActros fährt bei Andreas Schmid im Regelbetrieb

Andreas Schmid elektrifiziert Fernverkehr
eActros 600 erreicht den Regelbetrieb

Mit zwei eActros 600 auf einer fast 800 Kilometer langen Nachtlinie will die Andreas Schmid Group zeigen, dass batterieelektrischer Fernverkehr wirtschaftlich funktionieren kann – und ordert weitere E-Lkw.

Pilotphase beendet: Der E-Lkw eActros 600 geht bei Andreas Schmid Logistik in den Regelbetrieb.
Foto: Andreas Schmid Group

Der batterieelektrische Fernverkehr verlässt nach Ansicht der Andreas Schmid Group die Testphase. Der Logistikdienstleister aus Gersthofen setzt zwei Mercedes-Benz eActros 600 bereits im wirtschaftlichen Regelbetrieb auf einer knapp 800 Kilometer langen Nachtlinie ein. Fünf weitere Elektro-Lkw sollen noch in diesem Jahr folgen. Für die Branche ist das eine wichtige Entwicklung. Denn während bislang vor allem technische Machbarkeit und Reichweite im Mittelpunkt standen, rückt nun zunehmend die Wirtschaftlichkeit batterieelektrischer Fernverkehre in den Fokus.

Fast 800 Kilometer im täglichen Fernverkehr

Eingesetzt werden die beiden eActros 600 auf der Nachtlinie zwischen Gersthofen bei Augsburg und Neuenstein in Hessen. Mit knapp 800 Kilometern zählt die Relation zu den längsten regelmäßigen Verbindungen innerhalb des Unternehmens. Gerade solche planbaren Fernverkehrsrelationen gelten als geeignete Einsatzprofile für Elektro-Lkw. Feste Fahrzeiten, definierte Ladefenster und wiederkehrende Touren erleichtern die Integration der Fahrzeuge in den täglichen Betrieb. Nach Angaben der Andreas Schmid Group zeigt sich dort inzwischen, dass batterieelektrische Transporte nicht nur technisch funktionieren, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden können.

Wirtschaftlichkeit wird zum entscheidenden Faktor

„Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob E-Lkw technisch funktionieren. Die entscheidende Frage ist, wo sie zuverlässig und wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden können“, sagt Vorstand Thomas Schledorn. Damit beschreibt er einen Wandel, der derzeit viele Speditionen beschäftigt. Während die ersten Elektro-Lkw vor allem Demonstrationsprojekte waren, müssen Investitionen inzwischen belastbare Geschäftsmodelle liefern. Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen: planbare Touren, verfügbare Ladeinfrastruktur, Energiekosten, Fahrzeugauslastung und politische Rahmenbedingungen.

Mautbefreiung verbessert den Business Case

Ein wesentlicher Baustein bleibt die verlängerte Mautbefreiung für emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge in Deutschland. Sie gilt derzeit bis zum 30. Juni 2031. Für Unternehmen wie die Andreas Schmid Group verbessert sie die Wirtschaftlichkeit batterieelektrischer Fahrzeuge erheblich. Die eingesparten Mautkosten können einen Teil der höheren Anschaffungskosten kompensieren und verkürzen die Amortisationszeit. „Wir können als Mittelständler nicht in Symbolik investieren, sondern benötigen Lösungen, die im operativen Alltag funktionieren“, betont Schledorn.

Weitere E-Lkw bereits eingeplant

Die Elektrifizierung der Flotte soll nun schrittweise weitergehen. Fünf zusätzliche Elektro-Lkw sind bereits im Investitionsplan für das laufende Jahr vorgesehen. Parallel verfolgt die Unternehmensgruppe ihre Nachhaltigkeitsstrategie auch an anderer Stelle. Dazu gehören Photovoltaikanlagen an den Standorten, der Einsatz des alternativen Kraftstoffs HVO100 sowie digitale Systeme zur Erfassung von Emissionen. 2026 wurde die Andreas Schmid Group zudem als eines der ersten Logistikunternehmen im Regierungsbezirk Schwaben nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert.

Signal für die gesamte Logistikbranche

Für die Logistikbranche liefert das Projekt vor allem eine wichtige Erkenntnis: Wirtschaftlicher Elektro-Fernverkehr scheint dort möglich zu werden, wo Touren klar planbar sind und Ladeprozesse in bestehende Betriebsabläufe integriert werden können. Ob sich dieses Modell flächendeckend übertragen lässt, hängt allerdings weiterhin vom Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, stabilen Strompreisen und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen ab. Die Erfahrungen der Andreas Schmid Group dürften deshalb auch von anderen Speditionen aufmerksam verfolgt werden.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Andreas Schmid Group
  • Fahrzeuge: zwei Mercedes-Benz eActros 600
  • Weitere Investitionen: fünf zusätzliche E-Lkw noch im Jahr 2026 geplant
  • Einsatzgebiet: Fernverkehr
  • Strecke: Gersthofen – Neuenstein (Hessen)
  • Distanz: knapp 800 Kilometer
  • Besonderheit: wirtschaftlicher Regelbetrieb statt Pilotprojekt
  • Wirtschaftlicher Faktor: Mautbefreiung bis 30. Juni 2031
  • Weitere Nachhaltigkeitsmaßnahmen: HVO100, Photovoltaik, Emissionsmanagement
  • Umweltmanagement: EMAS-Zertifizierung 2026
  • Kernaussage: Planbare Fernverkehrsrelationen machen batterieelektrische Lkw zunehmend wirtschaftlich.