E-Commerce: IT-Probleme bremsen den B2B-Handel

E-Commerce-Studie 2026 von GWS
B2B-Handel kämpft mit IT-Problemen

E-Commerce soll Kunden binden und Prozesse vereinfachen. Doch im B2B-Handel kämpfen viele Unternehmen mit fehlender Skalierbarkeit und der ERP-Anbindung. Eine neue Studie zeigt, wo es hakt.

KI-generiertes Symbolbild: Ein Mitarbeiter sitzt in einem Logistikzentrum vor zwei Monitoren. Während ein Bildschirm einen Onlineshop zeigt, erscheint auf dem zweiten eine Fehlermeldung zur ERP-Schnittstelle. Im Hintergrund sind Förderbänder, Pakete und Lagerregale zu sehen.
Foto: ETM/KI-generiert via OpenAI

Online verkaufen ist das eine, die Systeme dahinter zum Laufen zu bringen das andere. Eine neue Studie zeigt, wo Unternehmen beim E-Commerce an ihre Grenzen stoßen. Besonders im B2B-Handel bereiten Skalierbarkeit und die Anbindung an bestehende Warenwirtschaftssysteme Probleme.

Das eigentliche Ziel: Kundenbindung stärken

Der digitale Handel soll Kunden enger an Unternehmen binden und Geschäftsprozesse vereinfachen. Doch zwischen Onlineshop und Warenwirtschaft hakt es offenbar häufiger als gewünscht. Das zeigt die Studie „E-Commerce 2026“, die von den Fachmedien CIO, CSO und Computerwoche mit dem Studienpartner GWS erstellt wurde. Für die Untersuchung wurden 106 Unternehmen aus Handel, Produktion und Dienstleistung befragt. Das wichtigste Motiv für neue E-Commerce-Initiativen ist demnach die Kundenbindung: 56 Prozent der Befragten wollen damit bestehende Kundenbeziehungen auf- oder ausbauen. Eine Umsatzsteigerung nennen dagegen nur 37 Prozent. Weitere 34 Prozent setzen auf optimierte Prozesse.

Im B2B-Handel hakt es an den Schnittstellen

Die größten Schwierigkeiten liegen in der technischen Umsetzung. 31 Prozent der befragten Unternehmen nennen die Komplexität der Systeme als Herausforderung. Dahinter folgen IT-Sicherheitsprobleme mit 22 Prozent und mangelnde Skalierbarkeit mit 21 Prozent. Besonders interessant ist der Blick auf den B2B-Handel. Dort sehen 32 Prozent der Befragten die fehlende Skalierbarkeit als Problem. Weitere 29 Prozent kämpfen mit der Integration ihrer E-Commerce-Lösung in bestehende ERP-Systeme. Gerade im Geschäft zwischen Unternehmen reicht ein funktionierender Onlineshop allein nicht aus. Bestellungen müssen mit Warenbeständen, kundenspezifischen Preisen, Rechnungsstellung und weiteren Geschäftsprozessen verknüpft werden. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die eingesetzte Software. In der Gesamtstichprobe bewerten 43 Prozent eine Echtzeitintegration mit dem ERP-System als sehr oder essenziell wichtig. Für 44 Prozent gilt dies auch für standardisierte Verfahren zum Datenaustausch, etwa EDI, OCI oder Punchout.

Standard-Software reicht häufig nicht

Die Untersuchung zeigt außerdem, dass E-Commerce-Lösungen selten unverändert eingesetzt werden können. 87 Prozent der befragten Unternehmen sehen Anpassungsbedarf. Bei 37 Prozent sind umfangreichere branchenspezifische Anpassungen erforderlich. Weitere 24 Prozent benötigen ein höheres Maß an individuellem Customizing oder eine maßgeschneiderte Lösung. Besonders ausgeprägt ist dieser Bedarf in der Produktion: Dort nennen 54 Prozent einen höheren branchenspezifischen Anpassungsbedarf. Bei den allgemeinen Anforderungen an E-Commerce-Plattformen stehen Flexibilität und Skalierbarkeit mit 48 Prozent an erster Stelle. Dahinter folgen technische Leistungsfähigkeit mit 41 Prozent und Benutzerfreundlichkeit mit 36 Prozent.

Viele planen E-Commerce erst noch

Wie unterschiedlich weit Unternehmen bei der Digitalisierung ihres Handelsgeschäfts sind, zeigt ein weiterer Befund: Zwar nutzen oder planen 84 Prozent der Befragten eine E-Commerce-Lösung. Tatsächlich im Einsatz ist eine solche Software bislang aber erst bei 37 Prozent. Dabei bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Im B2C-Handel nutzen bereits 60 Prozent eine entsprechende Lösung, im B2B-Handel sind es 50 Prozent. In der Produktion liegt der Anteil dagegen bei lediglich 15 Prozent. Unternehmen, die bereits eine E-Commerce-Lösung einsetzen, bewerten diese überwiegend positiv: 85 Prozent der befragten Anwender sind zufrieden oder sehr zufrieden.

Zur Studie

Die Onlinebefragung fand vom 28. November bis 13. Dezember 2025 statt. Teilgenommen haben 106 Unternehmen aus der DACH-Region. Aufgrund der begrenzten Stichprobe sind die Ergebnisse als Stimmungsbild und nicht als repräsentative Bestandsaufnahme der gesamten Wirtschaft zu verstehen.

In Kürze: die Key Facts

  • Studie: „E-Commerce 2026“, herausgegeben von CIO, CSO und Computerwoche mit Studienpartner GWS.
  • Stichprobe: 106 Unternehmen aus Handel, Produktion und Dienstleistung in der DACH-Region.
  • Erhebungszeitraum: 28. November bis 13. Dezember 2025.
  • Wichtigstes Ziel: 56 Prozent nennen die Kundenbindung als Treiber für E-Commerce-Initiativen.
  • Umsatzsteigerung: Für 37 Prozent ein wesentliches Motiv.
  • Größte technische Hürden: Komplexität (31 Prozent), IT-Sicherheit (22 Prozent) und fehlende Skalierbarkeit (21 Prozent).
  • Probleme im B2B-Handel: 32 Prozent nennen mangelnde Skalierbarkeit, 29 Prozent die ERP-Integration.
  • ERP-Echtzeitintegration: Für 43 Prozent aller Befragten sehr oder essenziell wichtig.
  • Datenaustausch: 44 Prozent bewerten Standards wie EDI, OCI und Punchout als sehr oder essenziell wichtig.
  • Anpassungsbedarf: 87 Prozent benötigen Änderungen an ihrer E-Commerce-Lösung.
  • Produktion: 54 Prozent nennen einen höheren branchenspezifischen Anpassungsbedarf.
  • Aktuelle Nutzung: 37 Prozent setzen bereits eine E-Commerce-Lösung ein; insgesamt 84 Prozent nutzen oder planen eine.
  • Branchenvergleich: B2C-Handel 60 Prozent, B2B-Handel 50 Prozent und Produktion 15 Prozent mit bereits eingesetzter E-Commerce-Lösung.
  • Zufriedenheit: 85 Prozent der befragten Anwender sind mit ihrer eingesetzten Lösung zufrieden oder sehr zufrieden.