Coburg plant Modellregion für autonomes Fahren

Level-4-Shuttles für Oberfranken
Coburg plant Modellregion für autonome Shuttles

Autonome Shuttles könnten kleinere Orte besser anbinden und den Fahrermangel im Nahverkehr abfedern. Die Hochschule Coburg und die HUK-Coburg sehen Oberfranken als mögliche Modellregion für größere Level-4-Flotten.

Autonome Shuttles könnten kleinere Orte besser anbinden und den Fahrermangel im Nahverkehr abfedern. Hochschule Coburg und HUK-Coburg sehen Oberfranken als mögliche Modellregion für größere Level-4-Flotten.
Foto: Natalie Schalk / Hochschule Coburg

Die Hochschule Coburg und die HUK-Coburg wollen den Einsatz autonomer Fahrzeuge im ländlichen Raum voranbringen. Beide Institutionen sehen insbesondere im öffentlichen Nahverkehr Potenzial für autonom fahrende Shuttles, die kleinere Orte besser anbinden und bestehende Verkehrsangebote ergänzen könnten.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Fahrzeuge nach Automatisierungslevel 4 unter realen Bedingungen in einer ländlich geprägten Region einsetzen lassen. Oberfranken könnte nach Einschätzung der beiden Partner dafür als Modellregion dienen.

Autonome Shuttles sollen den ÖPNV ergänzen

Anders als in Großstädten sind Verkehrsangebote im ländlichen Raum häufig durch längere Strecken, geringere Fahrgastzahlen und dezentrale Siedlungsstrukturen geprägt. Autonome Shuttles könnten hier flexiblere Verbindungen ermöglichen und Lücken im öffentlichen Nahverkehr schließen.

Die Hochschule Coburg sieht mögliche Einsatzfelder vor allem bei der Anbindung kleinerer Gemeinden. Gleichzeitig könnten autonome Fahrzeuge helfen, auf den Fahrermangel im ÖPNV und die Folgen des demografischen Wandels zu reagieren.

Nach Ansicht von Hochschulpräsident Prof. Dr. Stefan Gast eignet sich Oberfranken wegen seiner Mischung aus industriellen Zentren, kleineren Städten und ländlichen Gemeinden besonders für entsprechende Feldversuche.

Hochschule erforscht autonomes Fahren seit mehreren Jahren

Die Hochschule Coburg beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit automatisierter Mobilität. Im Jahr 2021 startete sie am Lucas Cranach Campus in Kronach den Masterstudiengang „Autonomous Driving“.

Darüber hinaus untersuchte die Hochschule in verschiedenen Forschungsprojekten technische und gesellschaftliche Voraussetzungen für autonomes Fahren. Dabei geht es nicht nur um Fahrzeugtechnik, sondern auch um Akzeptanz, Nutzerbedürfnisse und die Einbindung autonomer Angebote in bestehende Verkehrssysteme.

HUK-Coburg versichert erste Level-4-Fahrzeuge

Die HUK-Coburg befasst sich vor allem mit Versicherungs- und Haftungsfragen. Nach Angaben des Unternehmens versichert sie in Deutschland bereits Fahrzeuge nach Automatisierungslevel 4, die Personen innerhalb festgelegter Betriebsgebiete befördern.

Bei Level 4 übernimmt das Fahrzeug die Fahraufgabe unter definierten Bedingungen vollständig. Ein Fahrer muss in diesen Bereichen nicht dauerhaft eingreifen können.

Für Unfallgeschädigte bleibt nach Darstellung der HUK-Coburg die Kfz-Haftpflichtversicherung der zentrale Ansprechpartner. Sie leistet unabhängig davon, ob ein menschlicher Fahrer, ein technisches System oder ein Hersteller für den Schaden verantwortlich ist. Die Klärung möglicher Regressansprüche erfolgt anschließend zwischen den beteiligten Parteien.

Sicherheit bleibt zentrale Frage

Ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge ist die Sicherheit. HUK-Coburg-Vorstand Dr. Jörg Rheinländer verweist auf Erfahrungen aus den USA, wonach autonome Fahrzeuge in bestimmten Einsatzgebieten deutlich weniger Unfälle verursachen sollen als von Menschen gesteuerte Fahrzeuge.

Solche Werte lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf alle Verkehrssituationen und Regionen übertragen. Aussagekräftige Erkenntnisse für Deutschland erfordern daher größere Flotten und einen längeren Betrieb unter unterschiedlichen Alltagsbedingungen.

Nach Ansicht Rheinländers reichen einzelne Testfahrzeuge dafür nicht aus. Nötig seien regionale Flotten mit mehreren Dutzend Fahrzeugen, die dauerhaft in den normalen Straßenverkehr eingebunden werden.

Deutschland startet weitere Modellprojekte

Autonomes Fahren erreicht in Deutschland schrittweise den öffentlichen Verkehr. In mehreren Städten und Regionen laufen oder entstehen Modellprojekte mit automatisierten Shuttlefahrzeugen.

Der Schwerpunkt verschiebt sich dabei von einzelnen technischen Demonstrationen hin zur Frage, wie autonome Fahrzeuge zuverlässig, wirtschaftlich und rechtssicher im täglichen Betrieb eingesetzt werden können.

Dazu gehören neben der Fahrzeugtechnik auch Leitstellen, digitale Infrastruktur, Genehmigungsverfahren, Versicherungslösungen und die Einbindung in den öffentlichen Nahverkehr.

Oberfranken als mögliche Testregion

Hochschule Coburg und HUK-Coburg wollen Oberfranken als Standort für größere Praxistests positionieren. Die Region vereint ländliche Räume, Mittelzentren und industrielle Standorte und bildet damit unterschiedliche Mobilitätsanforderungen ab.

Für eine Modellregion wären neben Forschungseinrichtungen und Versicherern auch Kommunen, Verkehrsunternehmen, Fahrzeughersteller und Technologieanbieter erforderlich. Ziel wäre es, autonome Mobilität nicht nur technisch zu testen, sondern ihre Auswirkungen auf Fahrgäste, Verkehrsangebote und den Betrieb im Alltag zu untersuchen.