MCS: E-Lkw laden während der Fahrerpause

MCS-Laden auf der IAA Transportation
E-Lkw laden in 30 bis 45 Minuten

Daimler Truck, MAN und Scania demonstrieren auf der IAA das Megawatt-Laden. In 30 bis 45 Minuten sollen E-Lkw genug Energie für die nächste Etappe aufnehmen können – doch Ladepunkte fehlen noch.

Drei Elektro-Lkw von Daimler Truck, MAN und Scania an einer Milence-Ladestation bei der MCS-Demonstration auf der IAA Transportation 2026.
Foto: Milence

30 bis 45 Minuten Pause – und der E-Lkw ist bereit für die nächste Etappe: Daimler Truck, MAN und Scania demonstrieren gemeinsam mit Milence auf der IAA Transportation 2026 das Megawatt-Laden. Die Technik ist weit, bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur klafft dagegen noch eine gewaltige Lücke.

Zieht der E-Lkw mit dem Diesel gleich?

Beim elektrischen Fernverkehr entscheidet nicht allein die Reichweite darüber, ob ein E-Lkw mit dem Diesel mithalten kann. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie viel Energie sich während einer ohnehin notwendigen Pause nachladen lässt. Wie das künftig funktionieren soll, demonstrieren Daimler Truck, MAN Truck & Bus und Scania gemeinsam mit dem Ladeinfrastruktur-Betreiber Milence auf der IAA Transportation 2026. Beim Megawatt Charging System, kurz MCS, werden Ladeleistungen möglich, die deutlich über den bisherigen CCS-Lösungen liegen. Das Ziel: Die Batterie soll während einer 30- bis 45-minütigen Fahrerpause auf bis zu 80 Prozent oder, abhängig von den jeweiligen Bedingungen, vollständig geladen werden können.

MAN fährt mit MCS schon in Serie

Ganz Zukunftsmusik ist die Technik nicht mehr. MAN verbaut MCS nach eigenen Angaben bereits seit Juli 2026 serienmäßig für Kunden, die das System frühzeitig nutzen wollen. Mit entsprechend leistungsfähiger Ladeinfrastruktur seien mit dem MAN eTGX Tagesreichweiten von mehr als 1.000 Kilometern innerhalb derselben Arbeitszeit wie mit einem Diesel-Lkw möglich, erklärt Jürgen Wagner, Senior Vice President Engineering Vehicle & External Engines bei MAN Truck & Bus. Scania nennt 1.000 Ampere und 750 kW als Ausgangspunkt für MCS. Perspektivisch sieht der Hersteller Potenzial für Ladeleistungen von mehr als drei Megawatt. Mercedes-Benz Trucks wiederum sieht MCS als nächsten Baustein für den elektrischen Fernverkehr rund um Fahrzeuge wie den eActros 600.

35.000 MCS-Ladepunkte bis 2030 benötigt

Die größere Herausforderung verlagert sich damit zunehmend vom Fahrzeug zur Infrastruktur. Nach Angaben des VDA werden bis 2030 europaweit rund 35.000 öffentlich zugängliche MCS-Schnellladepunkte benötigt. Davon ist Europa derzeit weit entfernt. EU-weit stehen laut VDA aktuell lediglich 730 Ladepunkte mit mindestens 350 kW Leistung exklusiv für schwere Nutzfahrzeuge zur Verfügung. Diese Zahl ist allerdings nicht mit 730 bestehenden MCS-Ladepunkten gleichzusetzen: Der Verband zählt hier auch leistungsfähige Lkw-Ladepunkte unterhalb des Megawatt-Standards. „Jetzt muss Europa den Ausbau der Ladeinfrastruktur entlang der wichtigen Güterverkehrskorridore beschleunigen und skalieren“, fordert Milence-Chefin Anja van Niersen.

Megawattladen löst das Zeitproblem – wenn der Strom da ist

Für Transportunternehmen liegt der entscheidende Vorteil von MCS weniger in einem möglichst spektakulären Spitzenwert als in der Integration des Ladens in den Arbeitsalltag. Kann ein Fernverkehrs-Lkw während einer ohnehin vorgeschriebenen Pause genügend Strom für die nächste Etappe aufnehmen, entstehen im Idealfall keine zusätzlichen Standzeiten allein für das Laden. Genau das demonstrieren Daimler Truck, MAN, Scania und Milence auf der IAA Transportation 2026. Damit wird zugleich sichtbar, wo der nächste Engpass beim elektrischen Fernverkehr liegt: Die Lkw können immer schneller laden. Jetzt müssen Ladeparks und Stromnetze mit diesem Tempo Schritt halten.

In Kürze: die Key Facts

  • Technologie: Megawatt Charging System (MCS)
  • Vorführung: IAA Transportation 2026
  • Beteiligte Hersteller: Daimler Truck, MAN Truck & Bus und Scania
  • Ladeinfrastrukturpartner: Milence
  • Ziel: Schnellladen von batterieelektrischen Lkw im Fernverkehr
  • Ladezeit: 30 bis 45 Minuten
  • Ladezustand: laut Pressemitteilung bis zu 80 Prozent oder abhängig von den Bedingungen vollständig
  • MCS-Potenzial: perspektivisch mehr als 3 MW
  • Bedarf bis 2030: laut VDA rund 35.000 öffentlich zugängliche MCS-Ladepunkte in Europa
  • Aktueller Bestand: laut VDA 730 Lkw-Ladepunkte mit mindestens 350 kW in der EU
  • Wichtig: Die 730 bestehenden Ladepunkte sind nicht mit 730 MCS-Ladepunkten gleichzusetzen
  • Zentrale Herausforderung: Ausbau von Ladeinfrastruktur und Stromnetzen