Gartner elektrifiziert seinen Fuhrpark im größeren Stil. Der österreichische Logistiker bestellt 40 schwere Elektro-Lkw und baut am Hauptsitz die Ladeinfrastruktur aus. Bemerkenswert ist die Wahl der Fahrzeuge: Neben 20 MAN eTGX ordert Gartner gleich 20 eTopas 600 des chinesischen Newcomers Superpanther. Die ersten Fahrzeuge sollen ab Januar 2027 ausgeliefert und anschließend schrittweise in das europäische Transportnetz integriert werden. Gerade die zweite Hälfte des Auftrags macht die Bestellung bemerkenswert. Denn während MAN zu den etablierten europäischen Lkw-Herstellern gehört, ist SuperPanther ein chinesischer Nutzfahrzeug-Newcomer, der sich gerade erst im europäischen Markt etabliert.
Jeder zweite neue E-Lkw kommt von Superpanther
Superpanther ist zwar noch ein vergleichsweise junger Name im europäischen Straßengüterverkehr. Der eTopas 600 ist inzwischen jedoch mehr als ein Messeversprechen. Ende Juli 2026 startete bei Steyr Automotive, einem österreichischen Auftragsfertiger für Nutzfahrzeuge, die Serienproduktion des Elektro-Lkw. Die ersten Fahrzeuge wurden damals unter anderem an DHL, Gress, Temmel und Lontex übergeben. Mit Gartner kommt nun ein deutlich größerer Einzelauftrag hinzu: 20 Fahrzeuge auf einen Schlag. Das ist vor allem deshalb interessant, weil Gartner kein kleiner Testkunde ist. Das 1918 gegründete Familienunternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 4.000 Mitarbeiter, erzielt etwa 785 Millionen Euro Jahresumsatz und betreibt rund 2.400 Zugmaschinen sowie mehr als 3.600 Auflieger. Für einen Newcomer wie Superpanther bedeutet ein Auftrag eines solchen Flottenbetreibers folglich einen wichtigen Schritt in den regulären europäischen Transportbetrieb.
Chinesische Technik, Endmontage in Steyr
Ganz so einfach wie „chinesischer Lkw gegen MAN“ ist die Geschichte allerdings nicht. Superpanther verfolgt für Europa bewusst eine lokale Fertigungsstrategie. Der eTopas 600 wird beim österreichischen Nutzfahrzeughersteller Steyr Automotive in Steyr montiert – ausgerechnet also in jenem Werk, in dem früher unter anderem MAN TGL und TGM gebaut wurden. Dabei handelt es sich um eine SKD-Fertigung (Semi Knocked Down). Vormontierte Baugruppen werden in Österreich zum Fahrzeug zusammengefügt. Zentrale Systeme wie E-Achse, Hochvolt-Leistungselektronik und Thermomanagement liefert Superpanther. Weitere Komponenten stammen von europäischen Zulieferern. Steyr Automotive übernimmt Endmontage, Inbetriebnahme und Qualitätsabnahme.
Superpanther will mit 600 Kilometer Reichweite punkten
Technisch zielt der eTopas 600 direkt auf den europäischen Fernverkehr. Die 4x2-Sattelzugmaschine verfügt über eine 621-kWh-LFP-Batterie von CATL. Die elektrische Achse mit zwei Motoren leistet 394 kW dauerhaft und bis zu 692 kW in der Spitze. Superpanther nennt je nach Angaben und Einsatzbedingungen Reichweiten im Bereich von rund 560 bis 600 Kilometern. Geladen werden kann über CCS2. Eine Besonderheit ist das gleichzeitige Laden über zwei Anschlüsse. Superpanther meldete bei Tests damit Ladeleistungen von knapp 650 kW und eine Ladezeit von weniger als 38 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Dabei handelt es sich allerdings um Herstellerangaben. Zur IAA Transportation 2026 trat Superpanther bereits wesentlich selbstbewusster auf, als bei seinen ersten europäischen Auftritten. Bis Ende 2027 will das Unternehmen nach eigenen Angaben mit 1.000 Fahrzeugen in Europa vertreten sein. Der Gartner-Auftrag könnte für diese Ambitionen entsprechend wichtig werden.
MAN bekommt die andere Hälfte des Auftrags
Gartner setzt allerdings bewusst nicht alles auf den chinesisch-österreichischen Newcomer. Die andere Hälfte der Bestellung entfällt auf MAN Truck & Bus, den deutschen Nutzfahrzeughersteller aus München. Gartner ordert dort 20 MAN eTGX. Zu den konkreten Batterievarianten, Reichweiten und Ausstattungen der bestellten Fahrzeuge macht das Unternehmen in seiner Mitteilung allerdings keine Angaben. Damit entsteht dennoch innerhalb einer Flotte ein interessanter Vergleich: Ein etablierter europäischer Hersteller trifft auf einen neuen Wettbewerber mit chinesischer Technik und europäischer Endmontage. Ob Gartner die beiden Fahrzeugtypen später auf vergleichbaren Strecken einsetzen und deren Betriebskosten, Verbrauch oder Verfügbarkeit systematisch miteinander vergleicht, wird die Zukunft zeigen.
Zwölf DC-Ladestationen entstehen in Lambach
Mit den Fahrzeugen allein ist es nicht getan. Parallel zur Bestellung investiert Gartner deshalb am Hauptsitz im oberösterreichischen Lambach in die eigene Ladeinfrastruktur. Dort entstehen derzeit zwölf DC-Ladestationen für elektrische Sattelzugmaschinen. Angaben zur jeweiligen Ladeleistung, zur gesamten Anschlussleistung oder zu einem möglichen Lastmanagement macht Gartner bislang nicht. Die Infrastruktur soll aber den Betrieb der neuen Elektro-Lkw vom eigenen Standort aus ermöglichen. Geschäftsführer Christian Gartner ordnet die Elektrifizierung dabei als langfristigen Bestandteil der Unternehmensentwicklung ein. Für das mehr als 100 Jahre alte Familienunternehmen gehe es darum, neue Antriebstechnologien in den Fuhrpark zu integrieren, die sich bei Zuverlässigkeit, Effizienz und Praxistauglichkeit im täglichen Transportbetrieb bewähren.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: Gartner
- Sitz: Lambach, Österreich
- Bestellung: 40 vollelektrische Sattelzugmaschinen
- Superpanther: 20 eTopas 600
- MAN: 20 eTGX
- Auslieferung: ab Januar 2027
- Einsatzgebiet: europäisches Transportnetz von Gartner
- Ladeinfrastruktur: zwölf neue DC-Ladestationen am Gartner-Hauptsitz in Lambach
- Gartner-Flotte: rund 2.400 Zugmaschinen und mehr als 3.600 Auflieger
- Gartner-Mitarbeiter: rund 4.000
- Gartner-Umsatz: rund 785 Millionen Euro jährlich
- Superpanther: chinesischer Elektro-Lkw-Hersteller und Newcomer auf dem europäischen Markt
- Produktion eTopas 600: SKD-Endmontage bei Steyr Automotive in Österreich
- Serienstart in Steyr: 27. Juli 2026
- Fertigung: vormontierte Baugruppen werden in Steyr integriert; zentrale Antriebssysteme kommen von Superpanther, weitere Komponenten von europäischen Zulieferern
- Batterie eTopas 600: 621 kWh LFP von CATL
- Antrieb eTopas 600: Dualmotor-E-Achse mit 394 kW Dauerleistung und bis zu 692 kW Spitzenleistung
- Reichweite eTopas 600: je nach Herstellerangabe und Einsatzbedingungen rund 560 bis 600 Kilometer
- Besonderheit: gleich große Bestellung bei etabliertem Hersteller MAN und chinesischem Newcomer Superpanther







