ACV testet Wasserstoff-Abschleppwagen

ACV testet Wasserstoff-Abschleppwagen
Wasserstoff-Abschleppwagen im Praxistest

Ein Jahr lang soll ein Wasserstoff-Abschleppwagen im realen Pannenhilfeeinsatz beim ACV zeigen, ob die Brennstoffzelle eine Alternative zum Diesel sein kann. Die TH Köln begleitet das Projekt wissenschaftlich.

ACV Wasserstoff-Abschleppwagen startet in den Regelbetrieb
Foto: Frank Elschner

Der ACV Automobil-Club Verkehr setzt erstmals einen Wasserstoff-Abschleppwagen im regulären Pannenhilfeeinsatz ein. Das Fahrzeug wird beim Kölner ACV-Partner LS Pannenservice eingesetzt und soll zeigen, wie sich Brennstoffzellen-Technologie im Alltag eines Abschleppdienstes bewährt.

Nach Angaben des Clubs handelt es sich um den ersten Wasserstoff-Abschleppwagen eines deutschen Automobilclubs im regulären Betrieb.

Pilotprojekt soll Praxistauglichkeit von Wasserstoff prüfen

Mit dem Pilotprojekt will der ACV Erfahrungen mit alternativen Antrieben im Abschlepp- und Pannenhilfesektor sammeln. Im Fokus stehen dabei typische Einsatzbedingungen wie hohe Tageslaufleistungen, kurze Standzeiten und spontane Einsatzanforderungen.

Laut ACV werden in Deutschland jährlich mehrere Millionen Abschleppvorgänge durchgeführt. Die Branche steht damit vor der Frage, welche Antriebstechnologien künftig zur Reduzierung von Emissionen beitragen können.

Warum der ACV auf Wasserstoff setzt

Nach Einschätzung des Automobilclubs eignet sich Wasserstoff insbesondere für Fahrzeuge mit hoher Auslastung und kurzen Betankungszeiten.

Abschleppfahrzeuge legen häufig mehrere Hundert Kilometer pro Tag zurück und müssen rund um die Uhr verfügbar sein. Während batterieelektrische Lösungen perspektivisch ebenfalls eine Rolle spielen können, sieht der ACV bei den aktuellen Einsatzprofilen Vorteile bei der Brennstoffzelle.

Technische Daten des Wasserstoff-Abschleppwagens

Basis des Fahrzeugs ist ein PH2P Truck von Paul Nutzfahrzeuge auf Mercedes-Benz Atego 4x2-Fahrgestell. Verbaut ist dabei eine Toyota-Brennstoffzelle mit 80 kW Leistung sowie ein Zentralantrieb von Voith mit 200 kW Dauerleistung und 3.100 Nm Drehmoment. Das Fahrzeug verfügt zudem über ein hydraulisches Schiebeplateau von Wellmeyer Fahrzeugbau, das vier Tonnen Nutzlast auf dem Plateau stemmen kann. Insgesamt sind dabei bis zu 24 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht im Anhängerbetrieb möglich.

Der Wasserstoff wird in sechs Tanks mit insgesamt 30 Kilogramm Speicherkapazität mitgeführt.

Bis zu 450 Kilometer Reichweite

Die Reichweite des H2-Abschleppwagens gibt der ACV mit bis zu 450 Kilometern an.

Ein weiterer Vorteil der Technologie liegt in der kurzen Betankungszeit. An Wasserstoff-Tankstellen von H2 Mobility dauert das Befüllen der Tanks laut Herstellerangaben rund 15 Minuten. Anschließend kann das Fahrzeug unmittelbar wieder eingesetzt werden.

TH Köln begleitet den Praxistest wissenschaftlich

Das Pilotprojekt wird über einen Zeitraum von zwölf Monaten vom Institut für Fahrzeugtechnik der Technischen Hochschule Köln begleitet.

Die Wissenschaftler erfassen unter anderem:

  • Wasserstoffverbrauch
  • Einsatzprofile
  • Tankvorgänge
  • Fahrzeugauslastung
  • abgeschleppte Fahrzeuge

Ziel ist ein direkter Vergleich mit einem konventionellen Diesel-Abschleppwagen. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie wirtschaftlich und praxistauglich Wasserstoff-Antriebe im Abschleppgewerbe tatsächlich sind.

Wasserstoff als Option für Spezialfahrzeuge

Während sich batterieelektrische Antriebe im Verteilerverkehr zunehmend etablieren, gelten Wasserstoff-Fahrzeuge insbesondere bei schweren Nutzfahrzeugen und Spezialanwendungen weiterhin als mögliche Alternative.

Der ACV-Praxistest könnte deshalb wichtige Erkenntnisse für Abschleppunternehmen, Flottenbetreiber und Hersteller liefern, die nach emissionsärmeren Lösungen für Fahrzeuge mit hoher Verfügbarkeit suchen.