IAA Transportation 2026: Neue Impulse für die Mobilität
trans aktuell: Frau Müller, bei den Lkw war der Diesel die letzten 100 Jahre Standard. Welche Antriebe bestimmen nach Ihrer Ansicht die Zukunft des Straßengüterverkehrs?Hildegard Müller: Der Diesel war ein Standard, der uns Wachstum und Wohlstand gebracht hat. Die Nutzfahrzeugindustrie steht für innovative Technologie, sie sichert die Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig kommt ihr eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur klimaneutralen und digitalen Mobilität der Zukunft zu. Um die Elemente Wachstum und Klimaschutz zu vereinen, ist es entscheidend, technologieoffen zu sein. Ganz konkret heißt das: Je nach Einsatzprofil werden sich vor allem batterieelektrische Antriebe, aber auch Wasserstoff – sowohl in der Brennstoffzelle als auch im Verbrennungsmotor – sowie erneuerbare Kraftstoffe ergänzen. Unsere Unternehmen entwickeln Lösungen für alle Technologien und investieren in Innovationen. Damit die zum Erfolg führen, braucht es politisch mehr Geschwindigkeit und Entschlossenheit vor allem beim Ausbau der Infrastruktur – sowohl bei Ladepunkten als auch bei Wasserstofftankstellen. Ebenso bleibt eine zügige Überarbeitung der CO₂-Flottenregulierung für leichte und schwere Nutzfahrzeuge entscheidend.
Genau darum geht es: Knapp 30 Prozent der CO₂-Emissionen auf Europas Straßen entfallen auf den Schwerlastverkehr. Das zeigt, welch großes Potenzial ein klimafreundlicher Straßengüterverkehr der Zukunft hat. Um dieses Potenzial vollständig auszuschöpfen, müssen alle Technologien berücksichtigt werden, die einen wirksamen Beitrag zur Reduzierung der CO₂-Emissionen leisten können. Wie im Pkw-Bereich gilt, dass die Elektromobilität weit überwiegend die Zukunft darstellen wird. Aber genauso gilt auch: Verschiedene Technologien können diesen Weg ergänzen. All diese Ansätze werden von unseren Unternehmen auf der IAA Transportation im September gezeigt. Damit demonstrieren wir aufs Neue, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben.

Sichert die Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft: Der Nutzfahrzeugindustrie kommt laut VDA-Präsidentin Hildegard Müller eine wichtige Aufgabe zu.
Während sich die Batterietechnologie im Regionalverkehr und bei vorhersehbaren Fernverkehrseinsätzen durchzusetzen beginnt, kann Wasserstoff seine Stärken in Bereichen ausspielen, in denen maximale Flexibilität, hohe Nutzlasten und schnelle Umschlagzeiten gefragt sind. Langfristig wird der Markterfolg der verschiedenen Technologien in erster Linie von ihren Gesamtbetriebskosten bestimmt. Entscheidende Faktoren sind also nicht nur die Anschaffungskosten der Fahrzeuge, sondern vor allem die jeweiligen Energiekosten und die Verfügbarkeit der Infrastruktur. Gerade mit Blick auf den Wasserstoff gilt: Die nächste Phase des Wasserstoffhochlaufs entscheidet sich nicht mehr im Labor, sondern am Markt. Es braucht jetzt Instrumente, die Investitionen tatsächlich auslösen. Dazu zählen Garantien und Risikoabsicherungen, die Wasserstoffprojekte finanzierbar machen."
Die deutsche Automobilindustrie positioniert sich erfolgreich im internationalen Wettbewerb: Bereits heute sind batterieelektrische Lkw mit Reichweiten von bis zu über 500 Kilometern verfügbar und erste Wasserstofffahrzeuge erreichen 700 – bis 800 Kilometer Reichweite. Zudem investieren Hersteller und Zulieferer große Summen in die Transformation: in den Jahren von 2026 bis 2030 etwa 320 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Wichtig im Umgang mit Wettbewerben ist, dass auf beiden Seiten faire Wettbewerbsbedingungen gelten müssen. Hier ist zuletzt ein Ungleichgewicht entstanden. Umso wichtiger ist es, dass Deutschland, Europa und China kontinuierlich im Gespräch bleiben und gemeinsam daran arbeiten, bestehende Herausforderungen zu beseitigen.
Die Politik muss ihre Hausaufgaben am Standort machen: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist immer weniger gegeben. Es braucht weniger Bürokratie, niedrigere Energiekosten, international vergleichbare Steuern und Abgaben – um nur einige Punkte zu benennen. All diese Themen müssen nun konsequent angegangen werden. Dennoch freuen wir uns, auf der IAA Transportation erneut viele internationale Aussteller zu begrüßen und die Erfolge der Transformation deutscher und internationaler Unternehmen deutlich zu machen: Aktuell liegt der Anteil ausländischer Aussteller bei 70 Prozent. Das unterstreicht einmal mehr: Die IAA Transportation ist die internationale Leitveranstaltung der Nutzfahrzeugindustrie.
Die Logistikunternehmen und Speditionen stehen vor wichtigen strategischen Entscheidungen. Die IAA Transportation bietet ihnen die ideale Plattform, um sich mit Anbietern innovativer Lösungen auszutauschen und neue Impulse zu gewinnen. Das Conference-Programm mit über 100 Programmpunkten liefert zudem Orientierung durch Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, viele Keynotes aus der Praxis etwa zur Ladeinfrastruktur ergänzen das Programm. Denn klar ist: Ohne leistungsfähige Logistik gibt es keine wettbewerbsfähige Industrie. Gleichzeitig stehen Speditionen und Logistikunternehmen durch steigende Energie- und Personalkosten, wachsende Regulierung, hohe Investitionen in klimaneutrale Antriebe, Probleme beim Aufbau der Ladeinfrastruktur mit den begleitenden Stromnetzen und den internationalen Wettbewerb unter großem Druck. Diese Herausforderungen greifen wir auf und nutzen die IAA Transportation auch, um die Politik zu weiterem Handeln aufzufordern."
Vernetzte und autonome Fahrzeuge, Software-defined Vehicles und KI-gestützte Logistiklösungen sind aktuell große Transformationsthemen der Nutzfahrzeugbranche. Die Industrie wird auf der IAA Transportation ihre Fortschritte und Innovationen rund um das Software-defined Vehicle präsentieren. Und da ist wirklich viel passiert, da sind unsere Unternehmen sehr gut aufgestellt. Für die Industrie gilt grundsätzlich: Die Wettbewerbsfähigkeit von Nutzfahrzeugen wird zunehmend auch durch ihre Softwarefähigkeiten bestimmt. Dies ermöglicht etwa Flottenbetreibern und Logistikdienstleistern eine optimale Anbindung ihrer Systeme an die Möglichkeiten eines Lkw. Entscheiden wird künftig sein, wie Fahrzeugtechnik und Software intelligent zusammenspielen, um Transportprozesse sicherer, nachhaltiger und wirtschaftlicher zu gestalten."
Künstliche Intelligenz durchdringt die Automobilindustrie in nahezu allen Bereichen. Sowohl entlang der Wertschöpfungskette als auch bei der Entwicklung neuer Fahrzeuggenerationen sind moderne IT-Infrastrukturen heute unverzichtbar. Die Entwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen wird etwa schneller, da KI virtuelle Fahrzeugentwicklungen und digitale Zwillinge ermöglicht, die wiederum Entwicklungs- und Testzyklen deutlich verkürzen.In der Produktion ermöglicht KI unter anderem die vorausschauende Wartung von Anlagen sowie automatisierte Qualitätskontrollen. Kurzum: Die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie treiben die digitale Transformation auf Unternehmens- und Produktebene mit intelligenten digitalen Plattformen, hochwertigen Datensätzen und künstlicher Intelligenz konsequent voran."
Das Motto der IAA Transportation steht für das Versprechen unserer Branche: Die Logistik liefert, denn rund 80 Prozent aller Waren in Deutschland werden auf der Straße transportiert. 'We Deliver' steht zugleich für die Entschlossenheit und Innovationskraft der Unternehmen, die mit ihren Produkten den klimafreundlichen Transport der Zukunft gestalten: Wir wollen Klimaneutralität durch Innovation, Digitalisierung und intelligente Partnerschaften vorantreiben. Um dies erfolgreich in die Praxis umzusetzen, braucht es nun aber auch entschlossenes Handeln aus Berlin und Brüssel: Die öffentliche Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge muss ausgebaut, das Depotladen durch schnellere Genehmigungsverfahren erleichtert und leistungsfähige Stromnetze für die Elektrifizierung geschaffen werden. Zudem sind niedrigere Strompreise und leistungsfähige Stromnetze unbedingt notwendig, um die E-Mobilität attraktiver zu machen. Die richtigen Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit die Transformation gelingt und Wettbewerbsfähigkeit sowie Klimaschutz gestärkt werden. Nur ein Modell, das Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz verbindet, wird international Nachahmer finden.





