Borna 560S mit China-Wurzeln: Ein Scania-Klon für den Iran

Borna 560S mit China-Wurzeln
Ein Scania-Klon für den Iran

Mit dem Borna 560S tritt dieser Tage ein chinesischer Scania-Klon unter neuem Namen an – und das ausgerechnet im Kriegsland Iran. Was es mit dem Truck auf sich hat.

Borna Khodro 560S 2026
Foto: Borna Khodro

Der Iran beherrscht seit Monaten die Schlagzeilen, befindet sich mitten im On-Off-Krieg mit den USA und Israel. Wer deswegen aber glaubt, dass sich das Land im wirtschaftlichen Stillstand befindet, irrt. Ausgerechnet in diesen Tagen feiert im Iran nämlich ein neuer Lkw seine Premiere, der europäischen Branchenkennern erstaunlich vertraut vorkommen dürfte: der Borna 560S.

Der Borna 560S, ein umgelabelter Scania? Nicht wirklich.

Der Borna 560S, ist das etwa ein umgelabelter Scania? Ein Versuch der Schweden, unter Umgehung der Sanktionen Fuß zu fassen im Iran? Weit gefehlt. Er dürfte dem Scania-Management vielmehr ein Dorn im Auge sein, handelt es sich bei ihm doch um eine recht dreiste Kopie aus China, die im Iran unter einem neuen Namen vertrieben wird. Der Borna 560S ist nämlich ein nur leicht retuschierter Huashen HS7 des chinesischen Lkw-Bauers Dongfeng mit Sitz in Wuhan. Ein Lkw also, für dessen Entwicklung sich die Chinesen stark von Scania "inspiriert" haben lassen, der aber technisch ein völlig eigenständiges Produkt ist. Seinen Weg in den Iran findet dieser Scania-Klon jetzt über das neue iranische Unternehmen Borna Khodro, das der 4x2-Sattelzugmaschine dafür auch noch die von Scania "inspirierte" Modellbezeichnung 560S verpasst.

Cummins-Motor, ZF-Getriebe: Technik auf Höhe der Zeit

Aus europäischer Sicht wirkt dieses Vorgehen recht plump. Kaum einer würde sich da wundern, wenn die Technik unter der modernen Hülle schon auf den ersten Blick die reinste Vollkatastrophe wäre. So einfach aber stellt sich die Sache nicht dar. Im Gegenteil: Das Datenblatt lässt aufhorchen. Der Borna 560S nämlich wird von einem Reihensechszylinder von Cummins angetrieben, den die Amerikaner in China produzieren. Das 13,5-Liter-Triebwerk bringt es auf stattliche 560 PS, das maximale Drehmoment wird mit 2.650 Newtonmetern beziffert. Die Kraftübertragung übernimmt wiederum das weltweit bekannte, automatisierte ZF Traxon 12-Gang-Getriebe. Dank seiner modernen Abgasbox mit Adblue-Einspritzung erfüllt der Borna 560S damit sogar die Euro 5 EEV Abgasnorm, ein Knaller für Nicht-Iran-Kenner.

Topausstattung und Assistenzsysteme an Bord

Weitere Details gefällig? Wie wäre es damit: Die 4x2-Sattelzugmaschine mit einem Radstand von 3,8 Metern und luftgefederter Hinterachse soll leer nur 7,1 Tonnen auf die Waage bringen und gut sein für Gesamtzuggewichte bis 44 Tonnen. In Sachen Komfortausstattung führen die Iraner für das vollluftgefederte Hochdach-Fahrerhaus mit ebenem Boden unter anderem eine elektrische Parkbremse auf, den Motorstart mittels Starttaste, einen Fahrersitz mit Sitzheizung und Sitzlüftung, ein digitales Kombiinstrument und einen 12-Zoll-Touchscreen sowie die integrierte Standklima und Standheizung. In Sachen Sicherheit gibt’s wiederum LED-Scheinwerfer, eine 360-Grad-Kamera samt Nachtsichtfunktion, eine Dashcam, ein automatisches Notbremssystem und einen Spurhalteassistenten.

Der Iran: Ein Lkw-Markt der Gegensätze

Allein beim Blick in den wieder bis ins Detail von Scania kopierten Innenraum wird klar: So ganz kann der Borna 560S in Sachen Qualitätsanmutung dann doch nicht mit seinem schwedischen Vorbild mithalten. Die Kunststoffe wirken grobschlächtiger, das Ledergestühl schaut speckig aus. Aus Sicht iranischer Lkw-Fahrer aber dürfte das zu verschmerzen sein. Sie schließlich sind auch heute noch häufig mit im Iran produzierten Mercedes-Kurzhaubern aus dem Hause Khodro Diesel unterwegs. Mit nur in Details modernisierten Oldtimern also, die im weitgehend isolierten Iran auch im Jahre 2026 noch als Neuwagen auf die Straßen entlassen werden.