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Lieferkette könnte reißen

Logistikbranche befürchtet Brexit-Chaos

Foto: Matthias Rathmann

Die Logistikbranche in Großbritannien befürchtet ein Brexit-Chaos an den Grenzen und die verspätete Einführung einer neuen Software.

Die britische Transportbranche macht sich immer größere Sorgen angesichts eines Brexits ohne Vertrag und hat Vize-Premierminister Michael Gove dringend um ein Gespräch gebeten. Man habe einen Einblick in den aktuellen Stand der Vorbereitungen der Regierung und des Landes, der erhebliche Lücken aufweise. „Wenn man diese Probleme nicht angeht, werden der Handel und die Lieferkette, von der wir alle so sehr abhängen, unterbrochen“, schreiben elf Verbände in einem gemeinsamen Brief an Gove, der im Kabinett für die No Deal-Planungen der Regierung zuständig ist. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderen die Road Haulage Association und Logistics UK, aber auch führende Transportunternehmen.

Enorme Herausforderung an den Grenzen

Sie fordern die Regierung auf, ihre Sorgen ernst zu nehmen und während des Gesprächs gut zuzuhören, „damit wir der Regierung gemeinsam helfen können, diese enorme Herausforderung mit so wenig Unterbrechungen wie möglich zu bewältigen“. Ziel sei schließlich eine funktionierende und effektive Grenze, die ab dem 1. Januar den Fluss des Güterstroms ermögliche. Als problematisch sehen die Verbände die Themenkreise staatliche Hilfen für Zollagenten, IT-Systeme und Grenzinfrastruktur.

Neue Lieferkette muss aufgebaut werden

Dem Brief waren zunehmend hitzige Treffen mit der Grenzmanagement-Abteilung der Regierung vorausgegangen, bei denen grundlegende Wissenslücken zur Komplexität von Verzollungen offenbar geworden waren. Bestehende Datensätze müssten noch mit Zollerklärungen in Übereinstimmung gebracht werden, was normalerweise Monate dauere. Nach 50 Jahren völlig freien Handels mit der EU gelte es, eine neue Lieferkette zu konstruieren, aber niemand erkenne die Größe dieser Aufgabe, verlautete aus Expertenkreisen. Insgesamt muss sich die Branche wohl auf zehn neue IT-Systeme einstellen.

Software Smart Freight verspätet und zu komplex

Dabei geht es auch um eine neue Software mit dem Namen Smart Freight, die von jedem exportierenden Unternehmen genutzt werden muss, aber immer noch nicht fertig gestellt sei. So fehle die Zeit für Tests mit der App und die Schulung der Mitarbeiter, kritisiert Logistics UK. Außerdem müssten Kunden und andere Vertragspartner eingebunden werden. „Tests im November sind viel zu spät für tausende Unternehmen und zehntausende Ansprechpartner, aus denen unsere komplexe Lieferkette besteht.“ Sie fänden dann außerdem zum Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts statt, wenn die Logistikindustrie übers Jahr gesehen am meisten zu tun habe. „Das ist der schlimmste Zeitpunkt für die Einführung neuer Arbeitspraktiken“, betont der Verband.

Weitere Verhandlungen zum Brexit mit der EU

Gebraucht würden weniger und integrierte Systeme, fordert Logistics UK. Andernfalls sei die Branche zum Scheitern verurteilt - „was wir nicht verdienen“. Währenddessen sind die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den Briten nahezu zum Stillstand gekommen, weil die von der Insel verlangten Freiheiten von der EU als „Rosinenpickerei“ nicht akzeptiert werden. In dieser Woche folgt eine weitere Gesprächsrunde.

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