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Foto: Thorsten Wagner

Mercedes-Benz Citaro LE

Medenbach Traffic fährt Grün

Das mittelhessische Traditionsunternehmen Medenbach Traffic nutzte ein neues Linienbündel, um eine kleine Flotte von Mercedes Citaro LE zu beschaffen und ihnen einen neuen Betriebshof zu bauen. Wir fragen nach einem Jahr nach den Erfahrungen.

Auf dem roten Teppich ist die Welt noch in Ordnung. Wer darüber flaniert, freut sich über
Oscars, Orden oder Omnibusse, schwenkt Trophäen, Blumen oder überdimensionierte Schlüssel vor den Kameras. So passiert das auch immer wieder im schicken Auslieferungszentrum von Mercedes-Benz Omnibusse, direkt am Stammwerk Mannheim.
Dort nahm auch Peter Medenbach, Geschäftsführer der Medenbach GmbH, Ende 2014 den 3.000sten Citaro in Euro-6-Abgasnorm in Empfang – stellvertretend für insgesamt 25 neue Fahrzeuge für das mittelhessische Unternehmen.

Der Marktführer im Segment war einfach am schnellsten mit der neuen Motorentechnik auf der Straße, und das mit einer gänzlich neuen Motorenfamilie. Aber wie sagt der Engländer? "The proof is in the pudding" und der wird erst auf der schnöden Straße aus­gelöffelt – Grund genug, uns die Praxistauglichkeit der neuen Busse für Mittelhessen in auffälligem Grün in einer kleinen Serie etwas näher anzuschauen.

Auch die Low-Entry-Variante­ Citaro LE ist erneuert

Von den 2015 verkauften 1.807 Mercedes-Großbussen ­entfielen 1.298 Einheiten auf den ­neuen ­Citaro. Etwas im ­Windschatten seiner Niederflurbrüder ist gleich­zeitig auch die Low-Entry-Variante­ Citaro LE erneuert worden. Immerhin 287 von diesen elegantesten LEs auf dem Markt rollten im vergangenen Jahr vom roten Teppich auf die Straße. Damit folgen sie einem seit Jahren anhaltenden Trend zur Kombination aus fahrgastfreund­lichem Niederflurabteil und robuster Großserien-Antriebstechnik.

Dabei liegt die Betonung auf robust. Viel preiswerter als sein Niederflur-Pendant ist der Wagen nicht ge­worden – ein Citaro ist eben immer Premium. So paradox es auch klingen mag: Den billigeren Wagen in der Klasse bietet Konzernschwester Setra mit dem 400er LE business an.

Robustheit des Antriebsstrangs ist besser

Horst Schäfer, Werkstattmeister bei Medenbach Traffic, erläuert den Grund für die Wahl des Modells in Überlandversion: "Zum einen hatten wir bereits sehr gute Er­fahrungen mit Modellen dieser Baureihe in Euro 5 gemacht, zum anderen ist die Zugänglichkeit und die Robustheit des Antriebsstrangs gegenüber der Niederflurvariante einfach besser." Statt aufwendiger Portal­achsen ist eine einfache Hypoid­achse verbaut mit reichlich Luft unter dem angehobenen Boden des Hinterwagens, der sehr gerne von den Passagieren mit ­längerem Aufenthalt genutzt wird. Die Stehhöhe ist auch hier noch gut ausreichend, der Geräuscheindruck ist subjektiv leiser als im Niederflurwagen, es gibt einfach mehr dämmenden Raum unter dem Boden.

Aber auch im Vorderwagen können sich die maximal 90 Passagiere wohlfühlen. 42 von ihnen nehmen auf hochfesten Überlandsitzen des Typs Inter Star Eco Platz, die von den Fahrgästen "besonders positiv aufgenommen" würden, berichtet Geschäftsführer Peter Medenbach. Ein wenig aufpassen heißt es beim Besteigen der Podeste – über
1,80 Meter Größe könnte man mit den handschmeichelnd oval ausgeformten Haltestangen kollidieren.

Vier Kameras sorgen für Sicherheit

Für Sicherheit an Bord sorgt die Überwachung durch vier Kameras, mit Vandalismus gibt es kaum Probleme. Auch der Fahrerarbeitsplatz ist einfach zu bedienen, wenn man sich an die hinten angeschlagene Kabinentür gewöhnt hat (das Unternehmen hat auf deren elektromagnetische Verriegelung verzichtet). Der neue Armaturenträger ist vom Feinsten, das Multifunktionslenkrad ist für einen Linienbus etwas zu überfrachtet. "Die Schalter braucht man nicht wirklich, aber sie stören auch nicht", sagt Horst Schäfer. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es auch den Schalter nicht, mit dem der Fahrer die regelmäßige Regeneration des Partikelfilters manuell unterbinden kann, was zu gelegentlichen Fehlfunktionen führt. Also heißt es: Fahrer schulen!

Gleicher Verbrauch wie Euro-5-Busse

Und das auch beim Thema Verbrauch, an den Daimler mit seinem Record Run ja große Erwartungen geweckt hatte: "Die Zwischenbilanz fällt nach dem ersten Jahr nicht schlecht aus", sagt Peter Medenbach, "aber wir hatten uns doch etwas mehr ­erwartet mit der Umstellung auf Euro 6. Wir haben in etwa den gleichen Verbrauch wie mit den Euro-5-Bussen, auch wenn die Topografie der neuen Linien etwas ­anspruchsvoller ist." Insgesamt können die Werte von um die 33 Liter trotzdem als gut gelten. Der größere
Motor mit 260 kW, zweistufiger Turboaufladung und Power-Boost-System wäre in Verbindung mit der lieferbaren längeren Achse womöglich doch die bessere Wahl. Es zeigt sich wieder, wie wichtig die individuelle Antriebsstrangkonfiguration ist, und dass sich ein stärkerer Motor fast immer rechnet. Laut Daimler gehe der Trend bei Euro 6 ohnehin zur längeren Achse. "Wir haben mit allen Fahrern ein Eco-Training von Omni-Plus gemacht, bei dem Verbesserungspotenziale bis zu zehn Prozent Diesel aufgezeigt wurden", sagt Medenbach.

Große Probleme seien bisher ausgeblieben. Kleinigkeiten wie herunterfallende Innenspiegel, schleifende Schutzbleche oder häufig ausfallende Halogenbirnen sind eher kleine Sünden. Teilweise ruckelnde Getriebe und die aufwendige Reparatur der Ölwanne bei mehreren Fahrzeugen gleicher Laufleistung sind da schon ärgerlicher. "Die Unterstützung unseres Mercedes-Partners kann man jedoch nur hervorragend nennen, unser Betrieb wird nie beeinträchtigt", sagt Medenbach.

Zuverlässigkeit und Wartungskosten sind löblich

Und da wären noch die anderen bekannten Eigenschaften des Citaro wie zum Beispiel das ­"perfekte Handling", das Werkstattmitarbeiter Andreas Kutschy hervorhebt. Zuverlässigkeit und Wartungs­kosten seien ebenfalls sehr zu loben, sagt Peter Medenbach. Das sollte reichen, um auf den roten Teppich zurückzurollen.




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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

15. März 2016
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