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Foto: Barum

Marktübersicht

Reifen aus der zweiten Reihe

Bei Speditionen zählt jeder Cent, der gespart werden kann. Vor allem bei Reifen ist das Einsparpotenzial hoch, auch wenn die Reifenkosten pro Jahr nur etwa zwei bis drei Prozent der Gesamtkosten ausmachen.

Die großen Reifenhersteller bemerken ein Umdenken bei den Kunden: "Continental nimmt einen fortschreitenden Wandel im Markt der Nutzfahrzeugreifen wahr, bei dem immer mehr Kunden bei der Wahl der passenden Reifen nicht mehr die gleichen Kriterien ansetzen, wie Premiumkunden das bisher getan haben", sagt Daniel Gainza, Leiter Marketing Lkw-Reifen EMEA bei Continental. Zudem überschwemmen seit einigen Jahren chinesische Billigreifen den Markt und machen den etablierten Premiumherstellern das Leben schwer. Eine Alternative sind Zweitmarkenreifen.

Zweitmarken vs. Premiumreifen

Wer sich für einen günstigeren Zweitmarkenreifen entscheidet, tut dies laut Continental meist, weil er direkt beim Kauf eine Ersparnis erzielen möchte und der ganze Lebenszyklus eines Premiumreifens möglicherweise gar keine Rolle spielt. Etwa wenn bereits feststeht, dass das Fahrzeug in wenigen Monaten verkauft wird, oder dass die Reifen beim harten Baustelleneinsatz ohnehin schnell verschleißen oder das Risiko für Einfahrschäden sehr hoch ist. "Für einen Premiumreifen entscheiden sich vor allem Transportunternehmen, die nach der besten Lösung über den gesamten Lebenszyklus eines Reifens hinweg suchen", erklärt Daniel Gainza. "Unterm Strich", sagt Michael Locher von Good­year Dunlop, "ist der Premiumreifen meistens am günstigsten, wenn man die Nutzungs­dauer, Laufleistung und den Kraftstoffverbrauch mit in Betracht zieht." Bei Good­year Dunlop stellt man fest, dass große Speditionen im Fernverkehr eher mit Premiumreifen fahren, wohingegen kleine Flotten oder Selbstfahrer eher zur Zweitmarke greifen. "Zum Teil verwenden Transportunternehmen je nach Fahrzeugprofil und Einsatzbereich auch einen Mix aus ­Premium- und Zweitmarkenprodukten", sagt Catherine Foeller von Michelin.

Die Continental-Zweitmarken

Fast alle Premiumhersteller haben sogar mehrere Marken im Programm. So seien etwa die Continental-Zweitmarken Barum, Semperit und Matador aus der Historie gewachsen und mit ­einer jeweils spezifischen Markenpolitik und Positionierung entwickelt worden. Auch wird nicht jede Reifenmarke von Continental in allen euro­päischen Ländern vertrieben. Ähnlich sieht es bei Goodyear Dunlop aus: Die Zweitmarke Fulda verkauft sich traditionell in Deutschland besonders gut, Reifen der Marke Sava sind dagegen in Polen sehr beliebt.

Konkrete Absatzzahlen für Zweitmarkenreifen nennt keiner der Premiumhersteller, Continental verweist jedoch auf die Daten der ETRMA (European Tire & Rubber Manufacturers Asso­ciation), nach denen im Jahr 2015 rund zwei Drittel des Absatzes auf Premiumreifen und ein Drittel auf Non-Premium-Reifen entfiel, bei einem Gesamtvolumen von 11,2 Millionen Lkw-Reifen. Allerdings können zwischen den betrachteten Märkten enorme Unterschiede bestehen.

Chinareifen als Alternative

Laut Michelin gibt es über die Zweitmarken hinaus eine Nachfrage nach Produkten, bei denen der Preis das entscheidende Kaufkriterium ist. Hier kommen wieder die eingangs erwähnten Reifen aus chinesischer Produktion ins Spiel. Laut Michelin wirkt sich deren Nachfrage in erster Linie auf den Verkauf bestimmter runderneuerter Reifen aus – der Kunde greift also häufiger zum neuen Billigreifen als zum runderneuerten Premiumprodukt. Die gleiche Erfahrung macht man bei Continental. So berichtet Daniel Gainzer: "Wir nehmen an, dass Billigreifen aus China stärker gefragt sind, wenn der Kostendruck in der Transportwirtschaft besonders hoch ist, was wiederum Auswirkungen auf das Segment der Non-Premium-Reifen und auch der runderneuerten Reifen hat. Dabei stehen die Importreifen qualitativ und preislich vor allem im Wettbewerb mit kaltrunderneuerten Lkw-Reifen."

Goodyear beobachtet, dass manche Kunden Reifen aus China zumindest einmal ausprobieren, wieder kaufen oder auch zu europäischen Marken zurückkehren. "Die Märkte verändern sich laufend und somit auch das Angebot", sagt Michael Locher von Good­year und fügt an: "Gleichzeitig versuchen wir aber auch, unsere Kunden aufzuklären und zu informieren, dass das billigste Produkt nicht ­immer das günstigste sein muss."

Unterschied zwischen Budget und Premium

Wie unterscheiden sich nun die günstigeren Reifen von ihren teureren Pendants? Natürlich setzen die Hersteller die neuesten Technolo­gien und Materialien vorrangig für ihre Premium­reifen ein. "Aber auch unsere anderen Marken werden an den gleichen Produktionsorten nach den gleichen Qualitätsstandards gefertigt", teilt Goodyear Dunlop mit. Michelin wird konkreter: "Die Unterschiede zwischen Premium- und Zweitmarkenprodukten hängen mit unterschiedlichen Entscheidungen bei der Reifenentwicklung zusammen und betreffen die Gummimischungen, die Drähte, die Reifenarchitektur oder das Profil." Auch seien die Lastenhefte bei der Entwicklung von Premiumreifen viel anspruchsvoller und die Ausgewogenheit zwischen allen Leistungseigenschaften soll ein höheres Niveau aufweisen.

In Sachen Qualität und Sicherheit würden hingegen auch bei Zweitmarken keine Abstriche gemacht. Wobei solche Aussagen freilich mit Vorsicht zu betrachten sind. Erste Hinweise dazu geben die Reifenlabelwerte der jeweiligen Produkte. Wobei sich beispielsweise die Werte der Antriebsachsreifen in der Kategorie Rollwiderstand oft in den Kategorien D bis F bewegen. A- und B-Einstufungen finden sich hier wesentlich seltener als für Premiumreifen. Auch die Wintereignung ist seltener gegeben. Es überwiegen Antriebsachsreifen mit M+S-Kennung, vielfach gibt es keine Reifen für Lenk- und Trailerachse mit M+S-Kennung oder herstellerspezifischen Ausweisungen für Wintereignung. Ebenso selten ist die Auszeichnung mit dem 3-Peak-Mountain-Snowflake-Symbol (3PMSF). Sie stellt im Budget­segment die Ausnahme dar. Den direkten Vergleich in einer Gesamtübersicht erschweren die Vielzahl von Baureihen und abweichende Angaben je nach Reifengröße.

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6. Juni 2016
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