Europa, Lkw, Emission Zoom

Umweltbilanz Lkw: Verbrauch runter

Brüssel will Hersteller zu sparsameren Lkw zwingen. Das bedeutet eine Chance für den Export.

Mit Effizienzstandards und CO2-Obergrenzen will die EU-Kommission of-fenbar die Umweltbilanz des Lkw verbessern. Die Vorbereitungen für einen entsprechenden Gesetzgebungsvorschlag sollen beschleunigt werden, heißt es in der Mitteilung "Eine europäische Strategie für eine emis­sions­arme Mobilität". Umweltorganisationen hatten entsprechende Schritte bereits seit Längerem gefordert, Unterstützung haben sie vor Kurzem von großen Verladern erfahren.

Lkw sind derzeit für ein Viertel der Emissionen im Straßenverkehr verantwortlich, Prognosen gehen bis 2030 von einem weiteren Anstieg um zehn Prozent aus, hält die Kommission in dem Papier fest, das der Redaktion in einer Vorabversion vorliegt. "Die EU wird Maßnahmen einleiten müssen, um die Emissionen des Schwerverkehrs aktiv zu verringern", heißt es dort. In der Diskussion waren zunächst auch Kraftstoffeffizienzstandards für Motoren.

Eile sei geboten, denn schließlich seien im Jahr 2020 verkaufte Lkw bei einer durchschnittlichen Laufzeit von elf Jahren 2030 immer noch auf den Straßen, so die Brüsseler Behörde. Sie arbeitet an zwei Vorschlägen. Der eine befasst sich mit der Zertifizierung von CO2-Emissionen und Kraft-stoffverbrauch neuer Fahrzeuge, bei dem anderen geht es darum, die Daten zu überwachen. Insgesamt soll damit die Transparenz verbessert und auch die Erhebung von Mautgebühren nach Emissionen vereinfacht werden.

Wettbewerbsfähig bleiben

Der Kommission geht es bei ihren Vorschlägen auch um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Nutzfahrzeugindustrie. Andere Länder wie die USA, China, Japan und Kanada hätten bereits Standards eingeführt. Europa könne nicht zurückstehen, zumal hiesige Hersteller zum Teil an den Programmen im Ausland beteiligt seien, argumentiert sie.

"Ich bin der Ansicht, dass wir mindestens so ehrgeizig sein sollten wie andere führende Wirtschaftsmächte", hatte der für die Erreichung der EU-Klimaziele zuständige Kommissar Maros Sefcovic bereits im Juni dieses Jahres betont. "Wenn man Lkw exportieren will, müssen sie zu den besten der Welt gehören." So wird die Strategie zur Verringerung der Verkehrsemissionen in Brüssel darüber hinaus als Chance zur Modernisierung – nicht nur für die Nutzfahrzeugbauer – gesehen.

Von niedrigeren Kosten im Warentransport durch sparsamere Fahrzeuge profitiere dann die gesamte Wirtschaft und letztlich auch der Endverbraucher, meint die Kommission. Sie hatte bereits 2014 in ihrer damaligen "Strategie zur Minderung des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen schwerer Nutzfahrzeuge" festgestellt, dass sich die Emissionen allein durch den Einsatz der neuesten Fahrzeugtechnologien um rund 35 Prozent verringern ließen.

Investitionen in neue Fahrzeuge machen sich bezahlt

Wenn die bislang teuren Extras über bindende CO2-Grenzen zum Standard werden, machen sich Investitionen in neue Fahrzeuge auch für die kleinen und mittleren Transportunternehmen nach zwei bis drei Jahren bezahlt, meint die Organisation für nachhaltigen Verkehr, Transport & Environment (T&E). „Im Gegensatz zu den Euro-Standards, die ihnen wirtschaftlich nichts gebracht haben, können sie hierbei Sprit sparen“, sagte der Lkw-Experte von T&E, William Todts.

Von einem geringeren Treibstoffverbrauch erhoffen sich auch große Verlader und Logistiker Vorteile. Sie hatten die Kommission kürzlich in einem Brief darauf hingewiesen, dass die Dieselkosten pro Lkw und Jahr um bis zu 10.000 Euro sinken könnten und der Umwelt auf das Jahr 2030 gerechnet 37 Millionen Tonnen Kohlendioxid erspart blieben. Eingefordert wurden konkrete Maßnahmen, die Brüssel jetzt offenbar einleiten will.

Effizient mit Digitalisierung

Die Kommission setzt aber unter anderem auch auf die Digitalisierung, die den Gütertransport insgesamt effizienter machen soll – wenn es beispielsweise dank verkehrsträgerübergreifender Kommunikationssysteme nahtlos von Haus zu Haus gehen kann. Hierzu wird in Brüssel an einem Masterplan gearbeitet, Intermodalität ist ein weiterer Schwerpunkt. Noch aber ist das Ganze ein Vorschlag, bei dem die Zustimmung der Mitgliedsstaaten noch aussteht.

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Datum

21. Juli 2016
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