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Truck Race-Europameisterschaft 2016: Jochen Hahn feiert vierten Titel

Eine spannende Saison findet den verdienten Champion: Jochen Hahn wird zum vierten Mal Truck Race-Europameister und entdeckt seine italienische Seele. Nächstes Jahr fährt der Altensteiger auf Iveco.

Am Ende war es weitaus weniger dramatisch, als es hätte sein können: Das Finale der European Truck Racing Championship 2016 auf dem Circuit Bugatti in Le Mans war kein aufregender Thriller, sondern eine Kurzgeschichte mit einem erwartbaren Ende. Schon nach dem ersten von vier Championshiprennen stand Jochen Hahn als neuer Europameister fest. Er löst den zweimaligen Champion Norbert Kiss ab, der sich mit dem Mercedes Renntruck achtbar schlug und in der kommenden Saison mit der Startnummer xx antreten darf. Schon nach dem Zeittraining zeichnete sich die schnelle Lösung ab – da konnte sich Hahns direkter Rivale Adam Lacko nur einen Startplatz in der zweiten Reihe sichern. Nachdem die Ergebnislisten von Zeittraining und Rennen 1 auf den drei ersten Plätzen identisch waren, musste sich Lacko geschlagen geben, Hahns Vorsprung war nach seinem Sieg größer als die erforderlichen 40+1 Punkte.

Rennen mit Knalleffekt

Aufregend wurde es dagegen, als niemand mehr so richtig mit der großen Action rechnete. Das zweite Samstagsrennen brauchte drei Anläufe, ehe sich die dann noch verbliebenen Starter aufmachten, um die 11-Runden-Distanz auf der berühmten Rennstrecke zu absolvieren. Zuvor hatte Anthony Janiec (man muss leider sagen: wieder einmal) „aufgeräumt“ und zunächst Sascha Lenz abgeschossen. Ellen Lohr versuchte zwar noch, dem kreiselnden orangen MAN des Plaidters auszuweichen, was aber nicht gelang. Die beiden Renntrucks mussten aus dem Kiesbett unmittelbar vor Zielgeraden ins Paddock abgeschleppt werden, Verursacher Janiec konnte weiterfahren. Beim zweiten Anlauf war es dann Adam Lacko, der nicht in die Gänge kam, als die Ampel von Rot auf Grün umsprang. Was wiederum Shane Brereton derart überraschte, dass er vermutlich einen Tick zu heftig bremste, dadurch einmal quer über die Piste schoss und als Folge einer Kettenreaktion Frankie Vojtisek und Erwin Kleinnagelvoort heftig in die Boxenmauer krachten.

Beim dritten Start standen dann noch acht Renntrucks in der Aufstellung, der Rest war zumindest vorübergehend unbrauchbar. Nach dem Rennen wurde Janiec von den Kommissaren disqualifiziert und für den Sonntag gesperrt. Weil sein Team gegen die Entscheidung Protest einlegte und in die nächsthöhere Instanz gehen will, stand der gelbe MAN des Lion-Teams am Sonntag dann doch wieder auf der Piste. Allerdings bekam Janiec in den drei fraglichen Läufen keine Punkte gutgeschrieben.

100. Sieg für Hahn

Wenigsten die beiden Sonntagsrennen gingen dann ohne nennenswerte Sachschäden über die Bühne, wenn man einmal vom Motor in Norbert Kiss Mercedes absieht, der sich im ersten Rennen mit viel Qualm in den Motorenhimmel verabschiedete. Bitter für Kiss: Er hatte zuvor den Start gegen Adam Lacko gewonnen und führte das Feld zum Zeitpunkt seines Ausfalls an. Lacko wiederum war vom frisch gebackenen Champion Hahn überholt worden, der nach Kiss’ Ausfall einen vergleichsweise entspannten Sieg heimfahren konnte – es war der 100. Triumph in seiner Karriere.
 
Am Sonntagnachmittag gelang dem WoW-Duo noch ein schöner Schlussakkord. Zunächst führte Ellen Lohr vom Start weg das Feld neun Runden lang an, ehe Steffi Halm an Lohr vorbei zog und sich an die Spitze setzte. Die Verfolger der beiden Damen wollten wohl vor der Winterpause noch einen guten Eindruck hinterlassen und verzichteten auf Attacken mit der Brechstange, so dass es am Ende beim Ergebnis mit Seltenheitswert blieb: Zwei Frauen on Top of the Podium, das gibt es im Motorsport vermutlich auch nur im Truckrace.

Hahn setzt künftig auf Iveco

Jochen Hahn gab unmittelbar nach dem Ende der Veranstaltung in Le Mans auch offiziell bekannt, was hinter den Kulissen schon längere Zeit als Gerücht kursierte: Er wird in der kommenden Saison die Pferde wechseln und künftig Iveco fahren. Hahns Crew wird gemeinsam mit dem Team Schwabentruck zwei neue Renntrucks auf Iveco-Basis bauen, mit denen der Vierfach-Champion und Altmeister Gerd Körber die komplette EM bestreiten werden. MAN verliert damit zum zweiten Mal in Folge einen aktuellen Europameister, nachdem Norbert Kiss, der 2015 auf MAN den Titel gewann, in dieser Saison auf einen Actros Renntruck gewechselt war.

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whitecrossmedia

Datum

12. Oktober 2016
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