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Riskmanagement: Mehr Durchblick für weniger Schäden

Mal ist es ein abgerissener Spiegel, mal ein verbeultes Seitenteil am Auflieger oder ein beschädigter Einstieg – als Fuhrparkleiter weiß man nie so genau, welcher Schaden in welcher Höhe als nächstes die Bilanz verhagelt.

Allerdings gibt es laut Riskmanager Ralph Feldbauer klare Hinweise, welche Fahrer das höchste Unfallrisiko tragen.

Wichtig ist die Schadenshäufigkeit

"Vergessen Sie die Schadensquote. Wichtig ist die Schadenshäufigkeit als Indikator schlechthin", sagte der Unternehmensberater im Rahmen des Symposiums "Riskmanagement für Transport und Logistik" von trans aktuell vor Prokuristen, Spediteuren und Flottenmanagern in Stuttgart Wie oft Schäden entstehen, sei veränderbar. Dafür seien Transparenz und Systematik nötig.

Die Teilnehmer brachten ihre ganz individuellen Profile und Fälle mit ins Symposium und jeder konnte bei der Vorstellung von Beispielen und Lösungsansätzen von den Erfahrungen der anderen sowie der Referenten profitieren. Zwei Beispiele: Wie gehe ich auf meine multinationalen Fahrer richtig zu? Und wie kann ich meine holprige Schadensabwicklung professionalisieren? Zunächst führte Feldbauer die Teilnehmer in das Thema Flottenversicherung ein. Letztlich könnten Fuhrparkchefs ihre Versicherungskosten nur senken, indem sie die Schadensaufwendungen reduzieren, machte er deutlich.

Einzelankündigungen liegen zwischen 8 und 14 Prozent

Da die Versicherungen auf diesem Gebiet zuletzt mehr auszahlten als einnahmen, werden sie ihre Beiträge sehr deutlich nach oben anpassen. Einzelankündigungen liegen zwischen 8 und 14 Prozent, und dies teils noch ohne Berücksichtigung flottenindividuell schlechterer Schadensverläufe, prognostizierte Feldbauer. "Machen Sie Ihre Schäden und Kosten transparent", riet er den Teilnehmern. Kostencontrolling pro Quartal, eine übersichtliche Schadensbilanz und die Frage, welche Kosten ich auf meinen Versicherer übertrage ("Nehme ich etwa Glasschäden raus?") gehörten dazu.

Manager müssen mit mindestens 1.000 Euro rechnen

Im Durchschnitt müssten die Manager pro Schadensfall mit indirekten, eigenen Kosten von mindestens 1.000 Euro rechnen, Großschäden ausgenommen. "Schäden passieren nicht einfach, sie werden verursacht", sagte Feldbauer – von den Mitarbeitern, der Technik oder der Organisation in einem Betrieb. Und so gebe es auch immer probate Mittel und Wege aus Erfahrungswerten, diese zu verhindern. Mit der Zahl der Kleinschäden sinken dann nicht nur die Betriebskosten (Verbrauch, Verschleiß), sondern auch das Risiko für einen kapitalen Großschaden. "40 Zentimeter weiter rechts hätte es nicht nur den Spiegel, sondern den Radfahrer erwischt", warnt Feldbauer, was von Teilnehmern bestätigt wurde. Außerdem steigt die Kundenzufriedenheit ("Der Kunde will nicht warten"). In ihr Riskmanagement müssten die Fuhrparkleiter ein wenig Geld, vor allem aber Zeit, Gedanken und interne Organisation stecken.

Nur in sechs Prozent der Fälle ist ein technischer Defekt schuld

Wer nach Unfallursachen sucht, befragt immer erst seinen Fahrer. "Eigentlich erklärt mir dieser klar das Defizit und die Lösung. Dann wird der Fall leider abgelegt", sagt der Münchner Allianz-Riskmanager Peter Fischer. Für das Erfassen und Clustern von Schäden lohne es sich mitunter, dem Fuhrparkchef eine 520-Euro-Kraft zu bewilligen. Nur in sechs Prozent der Fälle sei ein technischer Defekt schuld, in den restlichen 94 Prozent hat ein Mitarbeiter sich falsch verhalten, lautet seine Bilanz. Dabei gelte es, hinter die Fassade zu blicken: Mancher Rangierfehler entsteht durch Termindruck, Auffahrunfälle durch Ablenkung, Vorfahrtsverletzungen durch Unachtsamkeit wegen privater Probleme. Auch ein interner (Teilzeit-)Riskmanager lohnt sich laut Feldbauer: "Wer die Unfälle klar analysiert und die Prozesse anpasst, betreibt die beste Prävention«, das könne einer allein im laufenden Geschäft kaum stemmen.

Viele Faktoren bestimmen das Verhalten des Fahrers

Wie ein Fahrer sich verhält, bestimmen viele Faktoren. "Wer als Fahrer morgens schon weiß, dass er ein totes Rennen gegen seinen Fahrplan fährt, ist frustriert", sagt Reinhard Anger, Leiter des Bereichs Riskmanagement-Flotten der Allianz. Im System Fuhrpark bestimmten Zielkonflikte die Arbeit. Der Geschäftsführer wolle die Einnahmen steigern, der Fuhrparkleiter die Kosten senken, der Disponent schnell liefern und der Fahrer soll alle Ziele bündeln. Wie soll das funktionieren, fragte Fischer. "Der Fahrer soll schnell, günstig, gesetzeskonform, flexibel, spritsparend, unfallfrei und pünktlich fahren", so Fischer. Eine eierlegende Wollmilchsau.

Krankheiten rücken in den Fokus

Mit steigendem Alter des Fahrers rücken Krankheiten wie Diabetes, Herzschwäche, Sehstörungen zudem in den Blick. Dabei müssen Fuhrparkchefs die richtige Balance zwischen Fürsorgepflicht und Wahrung der Privatsphäre finden.

Gute Gesprächsführung und angenehme Betriebsatmosphäre

Eine gute Gesprächsführung und eine angenehme Betriebsatmosphäre seien wichtig, so die Referenten. Gespräche nach Krankheit könnte etwa auch die Personalabteilung führen, sagte eine Teilnehmerin. Dabei verstärkt der Fahrermangel den Druck auf die Unternehmen, pfleglich mit ihren Mitarbeitern umzugehen. Zugleich werden Fahrer weiterbeschäftigt, die bei genauer Betrachtung für den Job ungeeignet und fürs Unternehmen riskant sind, ergab eine Nachfrage unter den Teilnehmern. "Wenn ein externer Berater auf Augenhöhe die Gespräche mit Mehrfachverursachern führt, können die Fahrer mal Dampf ablassen. Ein Rollenwechsel kann Fahrern außerdem die Unternehmenszwänge vor Augen führen", sagt Ausbilder Gert Dehler vom Büro Dehler & Partner.

Wer selbst ausbildet, hat zugleich mehr Spielraum. Dabei schlug ein Fuhrparkleiter vor, den Fahrern Visitenkarten mitzugeben. "Das stärkt das Selbstvertrauen und sorgt bei Unfällen für eine schnellere Abwicklung", ist seine Erfahrung.


Fahrer richtig betreuen

  • Wertschätzender Umgang mit den Fahrern
  • Regelmäßige Fahrerbesprechungen und -schulungen. Zu klären: Erreichtes, Aktuelles, Auffälligkeiten, Höhepunkte, Ziele, Unfallsituation, Sicherheitsaspekte, Fahrer zu Entscheidern für ihre Sicherheit machen
  • Regelmäßige Mitarbeitergespräche: Entwicklung, Zielerreichung, persönliche Probleme
  • Unfallanalyse-Gespräche: tatsächliche Unfallursache/-hintergründe herausfinden, Vermeidungsstrategien entwickeln, Fahrer mit Folgekosten konfrontieren
  • Informationsaustausch fördern: schwarzes Brett, Mitarbeiterstammtische, Sommerfest oder andere Aktivitäten
  • Für Fahrersicherheit und Gesundheit sorgen




Effektive Maßnahmen

  • Lohnerhöhung durch Prämie: Die Meinungen gingen hier weit auseinander. Lieber besser entlohnen, sinnvoll, aber nur in kurzem Abstand, wirkt nur bei ohnehin einsichtigen Fahrern, lauteten die Kommentare
  • Neueste Technik (Telematik, Standklimaanlage): Ansporn für den Fahrer, ausgeruhter Fahrer
  • Spiegeleinstellplatz: besseres Sichtfeld, geringer Aufwand, aber wenig Akzeptanz bei Fahrern zu Beginn
  • Fahrerschulungen: machen Sinn, nie pauschal sondern immer nur nach individuellen Bedürfnissen
  • Rankings (Sprit sparen, Unfallzahlen): funktioniert nicht immer, Akzeptanz bei Fahrern dauert lange. 

Was Flottenbetreiber konkret tun können, um Unfällen einen Riegel vorzuschieben und damit ihre Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, erläutern Experten bei vier Seminaren der Fachzeitschrift trans aktuell und einem anschließenden Symposium.

Portrait

Autor

Foto

Augustin, Rathmann

Datum

30. Juli 2013
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