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Porträt Katherina Reiche: Mit Sicherheit glücklich

Eigentlich wollte sie in die Forschung gehen. Doch Katherina Reiche zog es in die Politik. Seit einem Jahr ist die CDU-Abgeordnete Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium.

Im Jahr 1997 hat sie ihren Abschluss in der Tasche. Diplom-Chemikerin mit Auszeichnung! Die Eltern freuen sich mit ihr und sind überzeugt, dass sie als Chemikerin ähnlich erfolgreich sein wird wie die Mutter. Stattdessen entscheidet sich Katherina Reiche für eine Karriere in der Politik. Schon ein Jahr nach ihrem Abschluss zieht sie als CDU-Abgeordnete in den Bundestag ein. Die vielversprechende Karriere als Forscherin, die sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Potsdam begonnen hatte, ist erst einmal unterbrochen.

Überrascht sind nicht nur Reiches Eltern, sondern auch sie selbst. Die Forschung hat ihr große Freude bereitet. Andererseits wittert die junge Politikerin, die seit 1992 in der Jungen Union und seit 1996 in der CDU ist, die große Chance: "Ein Wahlkreis war nicht besetzt, und ich wollte diese Gelegenheit beim Schopfe packen." Gesagt, getan. Schon hatte sie das Ticket nach Berlin in der Tasche.

Breites Aufgabenspektrum

Bereut habe sie die Entscheidung, in die Politik zu wechseln, nicht, sagt Reiche im Gespräch mit trans aktuell. Sie kenne kaum eine Tätigkeit, die mit einem breiteren Aufgabenspektrum verbunden ist. Ob Rentenbescheide, Stammzellen-Forschung, Sicherheit auf Schulwegen oder Verkehrsprojekte – mit all diesen Themen wird sie bei ihren Bürger-Sprechstunden im Wahlkreis 61, der die Regionen Potsdam, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming umfasst, konfrontiert.

Was Sicherheit und Verkehr angeht, kann Reiche seit einem Jahr nicht nur deutlich fundierter antworten, sondern auch wichtige Impulse setzen. Denn seitdem ist sie als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), für den Bereich Verkehrssicherheit zuständig.

Der Bereich habe sie gereizt – und war ihr ja auch nicht völlig fremd. "Damit kommt man als Mutter häufiger in Berührung", erklärt die Brandenburgerin. Das beginnt beim Appell an ihre drei Kinder, beim Radfahren doch bitte schön einen Helm zu tragen, und findet seine Fortsetzung am ersten Schultag, wenn  Deutsche Verkehrswacht und Dekra Mützen und Leuchtreflektoren austeilen. Gleichwohl gilt im Privaten dasselbe wie in der Politik – nicht jedes Vorhaben ist konsensfähig. "Eine 15-jährige Teenagerin findet Radfahren mit Helm doch eher uncool", berichtet die Politikerin und schmunzelt.

Schwache Verkehrsteilnehmer im Fokus

Die Arbeit mit Kindern, zum Beispiel bei der Verkehrserziehung, macht Reiche auch im Beruf großen Spaß. "Kinder sind sehr aufmerksame Zuhörer, sie wollen ja unbedingt etwas lernen", erzählt die 41-Jährige mit einem Leuchten in den Augen. Ihrer Sicherheit will sich die Staatssekretärin künftig noch stärker widmen. Ihr Augenmerk gilt aber auch den anderen ungeschützten Verkehrsteilnehmern, darunter den Radfahrern.

Dankbar ist die CDU-Abgeordnete, dass ihr Haus bei den entsprechenden Sicherheitskampagnen stets verlässliche Partner hat –  seien es der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), die Deutsche Verkehrswacht, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und aktuell die Eistanzshow "Holiday on Ice" mit der ehemaligen Eiskunstläuferin Tanja Szewczenko. Letztere unterstützen Reiche bei der gemeinsamen Kampagne "Runter vom Gas2 ihres Hauses mit dem DVR.

Als Kampagnen-Botschafterin macht Szewczenko auf die Gefahren von Eis und Glätte im Straßenverkehr aufmerksam. Die Rolle ist der früheren Sportlerin, die nach ihrem Karriereende in Fernsehserien weitere Bekanntheit erlangte, wie auf den Leib geschnitten. Entsprechend groß ist Reiches Hoffnung, dass die Kampagne Früchte trägt und Kraftfahrer durch angepasstes Fahren keine eiskalte Überraschung erleben.

Assistenzsysteme können gute Dienste leisten

Geschulte und vorsichtige Fahrer sind das eine, die Technik das andere. Auch Assistenzsysteme können gute Dienste leisten, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Um so größer ist Reiches Interesse an Systemen wie dem Abbiegeassistenten oder an dem autonom fahrenden Future Truck 2025, den der Fahrzeugbauer Daimler im Sommer erst live in Magdeburg und später statisch auf der IAA vorgestellt hatte. Reiche war bei der Präsentation dabei – und durfte diese hautnah im Fahrerhaus miterleben. "Ich war geneigt, ins Lenkrad zu greifen, als sich der Fahrer weggedreht hat", berichtet sie. Doch nach kurzem Zögern sei sie von der Technik überzeugt gewesen. Bis solche Fahrzeuge aber auch im echten Verkehrsfluss mitschwimmen können, werden wohl noch Jahre vergehen. Die Staatssekretärin wagt hierzu auch keine Prognose.

Magdeburg, Hannover – die Mission Sicherheit, aber auch ihre Arbeit als Abgeordnete führen die Brandenburgerin durch die ganze Republik und auch durch die Welt. An Reisetätigkeit war Reiche aber schon gewöhnt. In der vorherigen Legislaturperiode – damals in einer schwarz-gelben Koalition – war sie ebenfalls als Staatssekretärin tätig, jedoch im Bundesumweltministerium unter Norbert Röttgen und Peter Altmaier. Die relevanten Fachkonferenzen fanden weltweit statt – in Durban wie in Doha oder in Cancún.

Von dem Wissen und den Kontakten aus dieser Zeit können Reiche selbst, aber auch das Ministerium nur profitieren. Ohnehin ist Reiche überzeugt, dass an einer verstärkten Zusammenarbeit der Ressorts, etwa mit Blick auf den Klimaschutz, kein Weg vorbeiführt. "Das gilt auch beim Thema Elektromobilität, wo wir ebenfalls an einem Strang ziehen."

Freizeit gehört der Familie

Dass Katherina Reiche viel unterwegs ist, bekommt zwangsläufig auch die Familie zu spüren. Als Ehefrau und Mutter versucht sie trotzdem, so viel Zeit wie möglich mit ihren Lieben zu verbringen. "Wenn ich Freizeit habe, gehört die definitiv der Familie", betont die Politikerin. "Die Kinder sollen auch etwas von mir haben. Die Zeit mit meinen Kindern ist mir wichtig."

Umgekehrt will auch Reiche die Familie nicht nur auf Fotos an der Wand in ihrem Büro wahrnehmen. Gemeinsame Aktivitäten in den freien Stunden sind ihr wichtig. "Dann geht’s zum Klavierspiel, zum Hochsprung-Wettbewerb oder ich stelle mich zur Freude meines Sohnes ins Fußballtor." 

Sie selbst hat Spaß am Laufsport, aber auch am Verreisen. Anders als viele Dienstreisen müsse die Urlaubsreise jedoch nicht mit langen Wegen verbunden sein. "Wir verbringen viel Freizeit in der Heimat. Brandenburg und Deutschland sind so vielseitig, dass man hierzulande jede Menge entdecken und erkunden kann."

Doch auch dann kann Reiche die Politikerin nicht ausblenden. So gilt es auch im privaten Umfeld mitunter, Mehrheiten zu suchen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Etwa dann, wenn der Nachwuchs mal wieder ermuntert werden soll, beim Radeln einen Helm aufzusetzen. Was dieser freilich uncool findet.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Bastian Eller

Datum

13. Januar 2015
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