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Mulitmodale Verkehrsachsen: Die Kosten der Korridore

Bis 2030 soll ein Kernnetz aus neun multimodalen Verkehrsachsen Europa umspannen. trans aktuell zeigt am Rhein-Alpen-Korridor auf, welche Herausforderungen es dabei gibt.

Sechs der geplanten neun multimodalen Verkehrskorridore führen durch Deutschland. Dazu gehört auch die am meisten befahrene Güter­verkehrsstrecke Europas, der Rhein-Alpen-Korridor. Er verbindet die wichtigsten Wirtschaftszentren und Ballungsräume mit mehr als 70 Millionen Einwohnern und ist aufgrund vieler bereits getätigter Inves­titionen einer der fortschrittlichsten Kernnetzkorridore.

145 Projekte bis 2030

Nachdem die EU-Kommission im Rahmen einer multimodalen Transportmarktstudie die Verkehrssituation für das Jahr 2030 prognostiziert und den Kapazitätsbedarf untersucht hatte, kristallisierten sich 145 Projekte heraus. Die Gesamtkosten der Investitionen belaufen sich auf rund 47,7 Milliarden Euro. Der Rhein-Alpen-Korridor verbindet die Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen über die Schweiz mit Genua und den wichtigsten Wirtschaftszentren Westeuropas, ebenso liefert er Verbindungen zu den wichtigsten Ost-West-Achsen.

Wirtschaftswachstum fördern

Übergeordnetes Ziel der Investitionen ist es, das Wirtschaftswachstum zu fördern, die Beschäftigung zu erhöhen und die Entwicklung zu einem  nachhaltigen multimodalen Verkehrsnetzwerk zu fördern. Die meisten Vorhaben befinden sich in Italien (57), Deutschland (31) und den Niederlanden (22). Der größte Kostenanteil liegt mit 17 Milliarden Euro in Deutschland, gefolgt von Italien mit 14,4 Milliarden Euro. Die meisten Vorhaben (74) sollen bis 2020 abgeschlossen sein.

Sicherheit und Lärmverminderung berücksichtigen

Bei einer zunächst erstellten Bestandsaufnahme zeigte sich, dass die Bahnen nicht schlecht dastehen. Auf mehr als 92 Prozent der Strecke sind für Güterzüge eine Mindestgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern und eine Achslast von 22,5 Tonnen gewährleistet. Auf 87 Prozent des Korridors können 740 Meter lange Züge fahren.
Was das Schienenverkehrs-Managementsystem ERTMS angeht, sieht es schon nicht mehr so gut aus. Nur 12,3 Prozent der Strecke sind damit ausgestattet. Während die Infrastruktur weitgehend der TEN-T-Anforderungen entspricht, "müssen Sicherheit und die Lärmverminderung in künftigen Projekten mehr berücksichtigt werden", heißt es. Auch gibt es mehrere Abschnitte, wo die Nachfrage das Kapazitätsangebot übersteigt.
Die Straßeninfrastruktur erfüllt fast vollständig die TEN-T-Anforderungen. Zwei Drittel der größeren Straßen sind mit Mautsystemen ausgestattet, aber es gibt Stauschwerpunkte in diversen Ballungsgebieten entlang der Autobahnen und zu wenig Lkw-Parkplätze. Für Schiene-Straße-Terminals wurden Engpässe bei der Umschlagkapazität von Terminals und Binnenhäfen erkannt. In mehreren Regionen solle es Maßnahmen zu ihrer Behebung geben, heißt es in der Untersuchung.

Bei den Wasserstraßen sind in Deutschland an verschiedenen Abschnitten von Rhein, Neckar und Mosel Vertiefungen nötig, auch müssten Höhenbeschränkungen durch Brücken aufgehoben werden. Bei den acht Seehäfen gibt es der Untersuchung zufolge Engpässe bei der Erreichbarkeit. Ein wichtiges Thema seien ferner Kapazitätsprobleme wie auch stabilere Hinterlandverbindungen.

Gesamtwachstum von etwa 40 Prozent aller Verkehrsträger

Derzeit hat die Schiene beim grenzüberschreitenden Verkehr einen Anteil von zwölf Prozent, die Straße liegt bei 34 Prozent, die Binnenwasserstraße bei 54 Prozent. Das grenzüberschreitende Frachtvolumen wird auf 371,9 Millionen Tonnen geschätzt (2010). Bis 2030 wird ein Wachstum von 1,7 Prozent jährlich über alle Verkehrsträger erwartet, also ein Gesamtwachstum von etwa 40 Prozent für alle drei Verkehrsträger.
"Der starke Anstieg der Schiene wird durch niedrigere Transportzeiten und -kosten begründet", heißt es. Auf der anderen Seite werde die Straße teurer und zeitintensiver, was zu einer weiteren Verlagerung auf die Schiene führe. Die Binnenschifffahrt werde sich weiterhin auf dem mehr oder weniger gleichen Niveau bewegen.

Mehrheit der Projekte betrifft die Schiene

Insgesamt sind sogar 175 Projekte auf dem Kernnetz des Rhein-Alpen-Korridors identifiziert worden. 30 Maßnahmen betreffen aber die Schweiz und wurden daher außen vor gelassen. Von den übrigen 145 Projekten betrifft die Mehrheit die Schiene (60), gefolgt von der Binnenschifffahrt (28), den Seehäfen (19) und der Straße (15). Binnenhäfen (9), Lufttransport (7) und Schiene-Straße-Terminals (7) haben nur einen kleinen Anteil. 86 Projekte mit Gesamtkosten von 34,3 Milliarden Euro müssten laut Papier für die Überbrückung von fehlenden Verbindungen, Beseitigung von Engpässen, Verbesserung der Interoperabilität und vor allem der grenzüberschreitenden Abschnitte realisiert werden.
Alles könnte aber am Geld scheitern. Die für die Finanzierung der transeuropäischen Netze vorgesehene Connecting Europe Facility könnte über den von der EU-Kommission geplanten Europäischen Fonds für Strategische Investitionen wohl auch fremd genutzt werden – zum Nachteil des Verkehrs.




Diese Achsen führen durch Deutschland

Ein Team externer Sachverständiger hat neun Studien erstellt, für jeden Korridor eine. Auf dieser Basis sollen die Korridor-Koordinatoren im Frühjahr Arbeitspläne für das Parlament, den Rat und die Kommission für das Kernnetz vorlegen. Die von den EU-Staaten genehmigten Projekt sollen auch über das EU-Verkehrsbudget "Connecting Europe" gefördert werden. Sechs der neun Korridore gehen durch Deutschland:

Der Nord-Ostsee-Korridor soll Städte wie Frankfurt (Oder), Berlin und Hannover und Köln mit Finnland im Norden und den niederländischen Häfen im Westen verbinden.
Der Korridor Orient-östliches Mittelmeer verbindet Rostock, Bremen, Hannover, Magdeburg, Berlin und Dresden mit den Ländern am Schwarzen Meer und am Mittelmeer.
Hamburg, Bremen, Hannover und München werden über den Skandinavien-Mittelmeer-Korridor von Finnland bis Italien verbunden.
Der Rhein-Alpen-Korridor verknüpft wichtige Ballungsräume in der Rhein-Ruhr- und Rhein-Main-Neckar-Region mit den Häfen Rotterdam und Antwerpen und Norditalien. Dazu gehört auch der Rhein als Wasserstraße.
Mannheim wird durch den Atlantik-Korridor an wichtige französische, spanische und portugiesische Städte angebunden.
Der Rhein-Donau-Korridor verbindet Straßburg und Frankfurt mit Wien, Bratislava,
Budapest und dem Schwarzen Meer.

Autor

Foto

Andreas Techel

Datum

12. März 2015
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