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MAN Trucknology Days 2015: Supertruck ab Werk

Auf den Trucknology Days 2015 feiert bei MAN nicht nur das Jubiläums-Sondermodell Premiere, sondern auch das ZF-Getriebe Traxon.

Der Vorhang fällt, Applaus brandet auf – da steht er: der Jubiläums-Truck, das neue Fernverkehrs-Flaggschiff von MAN – der TGX D 38, benannt nach seinem 560 PS starken Motor. Mit glänzenden Front- und Seitenbügeln aus Edelstahl, mit in die Bügel integrierter LED-Beleuchtung, mit vier Halogen-Fernscheinwerfern auf dem Dachbügel und einem großen, flammenden Löwen, der auf beiden Seiten prangt, trumpft das Sondermodell auf, mit dem MAN 100 Jahre Lkw- und Busproduktion feiert. "Das ist das, was Truckers Herz braucht", lobt Frederik Jakowatz, Leiter Produktmarketing, das Werk seiner Kollegen. Für die zweiachsige Sattelzugmaschine stehen 520 oder 560 PS und eigens aufgelegte Lackfarben zur Auswahl: "Stone Grey Metallic", "D38 Red", "Steel Blue Metallic" und "Crystal White Metallic". Darauf kommt der rot-orangene Löwe feurig zur Geltung. Dura Bright Evo-Aluminiumfelgen, die durch eine spezielle Oberflächenbehandlung dauerhaft glänzen sollen, und polierte Edelstahlabdeckungen für die Radschrauben vollenden das Äußere.

Innen winkt das Infotainment-Paket "Plus", das Soundsystem, Lkw-Navi und Radio, USB-Anschluss und Bluetooth-Freisprechanlage bündelt. Multifunktions-Lederlenkrad, Standheizung, Kühlbox mit Ablagetisch und luftgefederte Sitze mit Lendenwirbelstütze, Schulteranpassung, Heizung und Armlehnen wahlweise für Ein- oder Zweimann-Besatzungen sind im 2Fahrer-Komfortpaket" enthalten. Der Supertruck ab Werk soll zur Jahresmitte auf den Markt kommen. Aufgebaut wird er im Werk München und veredelt im Truck Modification Center direkt nebenan. "Wir sind stolz und machen uns mit diesem Jubiläums-Truck selbst ein Geschenk", sagt Jakowatz – und nutzt die Gelegenheit, um Zuversicht zu verbreiten: "Wir sind überzeugt, dass es uns auch die nächsten 100 Jahre geben wird!"

Viele Jubiläen für MAN

2015 ist das Jahr der Jubiläen für MAN: Seit 100 Jahren baut das Unternehmen Lastwagen, vor 60 Jahren hat der Konzern das im Krieg zerbombte Münchner Werk, wo heute die schwere Baureihe vom Band läuft, von BMW übernommen – und seit zehn Jahren gibt es die MAN-Vorführflotte "Trucknology Road Show". Bei Letzterer gehen inzwischen jährlich 70 Fahrzeuge aus den Baureihen TGL, TGM, TGS und TGX europaweit auf Tour. Als Komplettfahrzeuge mit Aufbauten oder Aufliegern decken sie die Vielfalt der Aufgaben im Verteiler- und Fernverkehr, im Bau, im Schwertransport, in Land-, Forstwirtschaft und Kommune ab. Interessierte Kunden können die Fahrzeuge von ihrem MAN-Verkäufer für einige Tage zur Erprobung bekommen. Eingeläutet wird die Road Show von den "Trucknology Days", die im Truck Forum München und auf der nahegelegenen Teststrecke stattfinden. Dort bietet sich die einmalige Gelegenheit, die karminrote Probeflotte komplett in Aktion zu sehen, bevor die jeweiligen Fahrzeuge von den MAN-Niederlassungen gebucht werden. Entsprechend groß ist das Publikumsinteresse: 2014 kamen an zwei Tagen gut 6.000 Besucher. In diesem Jahr wurden die Trucknology Days daher auf drei Tage erweitert – mit 8.000 Besuchern aus 35 Ländern.

Zum Jubiläum hat MAN ein stolzes Programm auf die Beine gestellt: 233 Lkw stehen zur Besichtigung bereit und an die 20 Lkw aller Klassen für Probefahren. 44 Fahr­instruktoren stehen bei der Runde über die Teststrecke mit Rat und Tat zur Seite und 100 MAN-Partner, von Alcoa bis ZF Friedrichshafen, laden zum Gespräch. Sogar eine partielle Sonnenfinsternis gibt es am Freitagvormittag gratis dazu. Technisch geht es bei der diesjährigen Trucknology Road Show vor allem um die inneren Werte: die neue D38-Motorenbaureihe für den TGX mit 520, 560 und 640 PS, den TGX als Sattelzugmaschine in der besonders wirtschaftlich ausgelegten Version "Efficient Line 2", das neue Tip-Matic-2-Getriebe, den Notbremsassistenten der zweiten Generation (EBA 2), den nun verfügbaren vorausschauenden Tempomaten sowie die Motorbremse Turbo EVB für den Schwerlasteinsatz.

Erster Hersteller, der ZF-Getriebe Traxon verbaut

Sämtliche Neuheiten wurden auf der IAA Nutzfahrzeuge im September 2014 angekündigt, so auch der D38. Der 15,2-Liter-Reihensechszylindermotor hält nun Einzug in Fernverkehr und Schwertransport. Mit Drehmomenten von 2 .500 bis 3.000 Newtonmetern und Leistungen von 520 und 560 PS für Fernverkehrs- und Traktionsfahrzeuge sowie 640 PS für den Schwerlastverkehr ist er das Topmodell im Euro-6-Portfolio von MAN. Sprichwörtlich zu "erfahren" ist er auf den Trucknology Days unter anderem im dreiachsigen TGX 33.560, der einen Tiefbettauflieger samt mächtigem Caterpillar-Radlader zieht. Und als wäre das nicht schon spannend genug, berichtet der MAN-Fahrinstruktor von einem neuartigen Getriebe, das in der 6x4-Sattelzugmaschine steckt: dem Z F12 TX. Der Namenszusatz "TX" lässt vermuten, was später sowohl München als auch Friedrichshafen auf unsere Anfrage bestätigen: Hier feiert das Traxon-Getriebe MAN-Premiere. Ab Mitte 2015 wird es dort verfügbar sein. Damit dürfte MAN der erste Lkw-Hersteller sein, der das Getriebe verbaut. Das ist dann auch eine Aufweichung oder gar eine Abkehr von  der im Herbst 2014 vom Mutterkonzern VW verordneten Getriebekooperation mit Scania. Diese sah vor, in TGX und TGS von 2016 an "Scania-Hardware" einzusetzen. Laut Fahrzeugübersicht ist das ZF 12 TX jedenfalls noch in zwei weiteren an der Roadshow teilnehmenden Lkw verbaut, allesamt Schwerlastzugmaschinen.

Probefahrten in den neuen Modellen

Und welcher Unterschied lässt sich im Vergleich zur altgedienten AS Tronic feststellen? "Das Anfahren geht hier wesentlich weicher vonstatten. Bei einer Schaltzeit von nur noch 0,3 Sekunden", schwärmt der Instruktor. Auch die Geräuschkulisse sei um sechs Dezibel geringer. Und in der Tat – kraftvoll setzt sich der Zug in Bewegung, das Getriebe schaltet weich und zügig durch, fährt die Gänge gar nicht erst lange aus und ist bei 30 km/h und 1.100/min bereits im neunten Gang. "Hohe Gänge bei niedriger Geschwindigkeit und Drehzahl sowie konsequentes Schalten im Bereich des maximalen Drehmoments, bei 1.200 bis 1.300 /min", fasst der Ausbilder die wichtigsten Eigenschaften des Getriebes zusammen. Mehr Informationen etwa zu technischen Daten ließen sich die Verantwortlichen in München jedoch nicht entlocken.

Für die nächste Probefahrt bietet sich der TGX 18.480 Efficient Line 2 an, mit dem MAN 6,5 Prozent weniger Verbrauch verspricht. Hinter dem vertrauten Erscheinungsbild verbirgt sich allerlei Effizienztechnologie: D26-Motor, Tip-Matic-2-Getriebe mit Intarder, der vorausschauende Tempomat Efficient Cruise, mit dem MAN nun auch einen GPS-Tempomaten im Portfolio hat, ein intelligenter Nebenverbraucher in Form des Luftpressers, der automatisch abschaltet, sobald er nicht gebraucht wird, eine andere Lichtmaschine, LED-Tagfahrlicht, Alukessel, Alufelgen, Leichtlaufreifen und nicht zuletzt weniger Strömungswiderstand durch das Fehlen der Sonnenblende.

Notbremsassistenzsysteme gehören bald zur Pflichtausstattung

Außerdem steckt die zweite Generation des MAN-Notbremsassistenten, der EBA  2, im Fahrzeug. Für die Kunden ist er momentan noch eine Option, ab November 2015 gehören Spurverlassenswarner und fortschrittliche Notbremsassistenzsysteme dann zur Pflichtausstattung in erstmals zugelassenen Lkw.

Dass der Efficient Line 2 bei Tempo 85 abriegelt, stößt dem einen oder anderen Fahrer sauer auf, wie Instruktor Horst Holder berichtet. "Obwohl es praktisch keinen Unterschied macht, ob ich mit 85 oder 90 über die Autobahn fahre." Was hier einmal mehr auffällt, ist das angenehm ruhige Fahrverhalten. Keine Frage, in dieser Version hat der TGX einen hohen Reifegrad erreicht.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 05/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

23. Mai 2015
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