MAN Mannschaftsbusse 9 Bilder Zoom

MAN: Mannschaftsbusse im Vergleich

Das Sponsoring der Erstliga-Mannschaftsbusse ist ein wichtiger Baustein der Imagekampagne von MAN. Wir schauten uns die Kontrahenten vor dem Endspiel in Berlin näher an.

In der Ära Winterkorn oder "Wiko" gab es eigentlich nur drei Top-Prioritäten im Volkswagenkonzern: perfekte Spaltmaße, gutes Einvernehmen mit dem Betriebsrat und Glück im Fußball – sei es beim hauseigenen Verein VfL Wolfsburg, der der tristen Stadt am Mittellandkanal wenigstens etwas Glamour verleiht, oder sei es die Präsenz der Konzernmarken bei den Bussen der Bundesliga. So wurde der IAA- Standrundgang bei MAN schon mal dazu genutzt, um unter Vorständen zu besprechen, welche Bundesliga- und Champions League-Vereine man noch auf die Konzernlinie bringen müsse. In dieser Liga wähnte sich Volkswagen in der Autowelt für viele Jahre ganz selbstverständlich. Passé. Die Welt drehte sich weiter. Heute kämpft der Konzern gegen die Dieselkrise und nicht mehr um die Weltherrschaft.

Nicht so bei Tochter MAN. Bei den Münchnern steht das Thema Fußball immer noch ganz oben auf der Agenda und das nicht nur durch die Bindung an den Lokalmatador und weltweit bewunderten Rekordmeister FC Bayern München. Seinen Ursprung hat die Betonung des Themas in der Zeit der VW-Übernahme, die sich seit der misslungenen feindlichen Übernahme von Scania im Jahr 2006 schrittweise vollzog.

Innovationskampagne "MAN kann"

Besonders eng verknüpft ist diese Strategie mit der von Ogilvy & Mather Advertising 2010 entwickelten Innovationskampagne "MAN kann", die heute immer noch läuft und den sperrigen Konzern für die vollständige VW-Übernahme 2011 medial aufpolieren sollte. Was liegt da näher, als ein Gewinnerthema, das beinahe jeden Deutschen bewegt, so lange zu spielen, bis es auch der Letzte begriffen hat? Nicht nur treffen hier die Borussia auf den Rekordmeister aus München – nein, auch zwei Mannschaftsbusse, die eine völlig andere Philosophie verkörpern.

Von den 23 Mannschaftsbussen des Konzerns für Teams der ersten und zweiten Liga sind die allerwenigsten ein Neoplan, so zum Beispiel der Cityliner der 1860er in München. Vielleicht reimt sich "MAN kann" nicht ausreichend auf "Neoplan". Oder man sieht die Marke intern schon als zu schwach für derlei kraftprotzende Imagepflege an. Die gute Botschaft: Gerade bei nicht ganz so massentauglichen Sportarten wie Eishockey geht der Trend gerade zu sehr exklusiv ausgebauten Skyliner-Doppeldeckern, die seit einem Jahr im Bus Modification Center (BMC) in Plauen komplettiert werden (siehe lastauto omnibus 3/2016), etwa für die Kölner Haie oder den EHC Ingolstadt. Letzterer ist ein echtes Schmuckstück, das ähnlich auch in Kortrijk zu sehen war.

100.000 Kilometer mit dem Bus in einem Jahr

Bisher wurden schon neun Busse im ehemaligen Produktionswerk in Plauen ausgestattet, so auch der MAN Lion’s Coach für den 1. FC Augsburg. Überhaupt: Der Lion’s Coach ist auf seine alten Tage noch zur Verkörperung des Bundesliga-MANschaftsbusses geworden. Daran hat die Imagekampagne und das Sponsoring einen großen Anteil. Also schauen wir uns die beiden Fahrzeuge doch schnell näher an, während sich die teuren Jungs noch im Hotel körperlich und mental auf das Pokal-Endspiel vorbereiten: die Bayern nach einer Übernachtung im Innenstadt-Teamhotel, vor dem sich schon viele Fans versammelt haben. Die Borussen sind "just in time" am Mittag angereist und logieren ungleich ruhiger in der Nähe des Grunewaldes ohne Pomp und Gloria. Fahrer Christian Schulz, oder "Schulle", wie er an Bord nur heißt, empfängt uns etwas schnodderig, wie es sich für einen Kerl aus dem Pott gehört: "Nee, zu spät kommen wir nie, wir fahren ja auch viel öfter mit dem Bus als andere Mannschaften. Das können schon mal bis zu 100.000 Kilometer im Jahr sein, wie 2015."

Das Spiel heute ist das 57. Spiel für die Dortmunder 2016. Die weitesten Strecken für den Fahrer, der den Job seit 2004 ausübt, waren dabei Istanbul und Donezk: "Wir fahren heute 75 Minuten vor Spielbeginn los, keiner der Spieler will schließlich zu früh im Stadion sein. Mir ist es sehr wichtig, vor dem Match alles in der Taktung zu halten." Der Bus selbst ist zwar mit viel Platz und Beinauflagen an jedem der 32 Vis-à-vis-Ledersitze mit exklusivem BVB-Kopflatz fein ausstaffiert, aber bei Luxusthemen wie Heckküche, Soundanlage oder LED-Sternenhimmel setzen die Dortmunder ganz bewusst auf Understatement. "Die Spieler und deren Bewegungsfreiheit stehen ganz klar im Vordergrund, alles andere brauchen wir nicht." Wer sitzt denn wo, drängt es die Besucher im Bus zu wissen? "Genau wie auf dem Spielfeld und in der Kabine ergibt sich auch eine natürliche Hierarchie der Sitzordnung. Da wird schon um die besten Sitze der Platzhirsche gekämpft", plaudert Schulle aus dem Nähkästchen. "Der Mannschaftsbus ist einfach ein extremer Mythos für die Fans. Wenn der vor dem Hotel steht, bekommen wir in kürzester Zeit Tausende Likes in den Sozialen Medien", begeistert sich Carsten Cramer, beim BVB für Marketing und auch das Sponsoring von MAN zuständig und der persönliche Gegenentwurf zu Schulle. "Der Bus hat für die Öffentlichkeit einen ähnlichen Stellenwert wie die Kabine, und es gibt einfach keine bessere Werbung für uns, als das Vereinslogo gewissermaßen einmal um die Welt zu tragen. Die Kabine wird auf die Straße verlagert und so zu einem Stück Heimat on Tour für die Spieler, egal wo man gerade ist."

Der Rekordmeister fährt auch mal mit Polizeischutz

Dieses rollende Heimatgefühl soll auch den Kickern vom FC Bayern an Bord ihres Mannschaftsbusses geboten werden, nur auf ganz andere Art und Weise. Insgesamt etwas weniger Platz für den Einzelnen, dafür eine große Heckküche für die gesunde Mahlzeit, von der Ernährungsberaterin kreiert und von Stammfahrerin Sandra König zubereitet, sowie eine Miniküche gegenüber dem Einstieg, die kleine Snacks und Softdrinks für die rund 20 Spieler im Bus bereithält. Dazu ein blinkender Sternenhimmel, Zusatzklimatisierung im Heck sowie fette Soundbars vor den Seitenscheiben. WLAN in LTE-Speed ist in beiden Bussen Pflicht, nicht Kür. Aber auch das gute analoge FCB-Kartenspiel ziert jeden der Tische im Bus. Mancher Besucher denkt sofort an Devotionalien für die Familie, beherrscht sich aber dann doch noch.Heute begrüßt uns nicht die charismatische, junge Stammfahrerin an Bord, deren Vater schon den Rekordmeister chauffierte, sondern Michael Auerbach, der zusammen mit seinem Kollegen Armin die restlichen Fahrten für die Bundesliga abdeckt. "Wir fahren im Jahr rund 60.000 Kilometer, im Grunde genommen geht es um alle Strecken unter 300 Kilometer Entfernung." Der Rekordmeister fährt heute mal mit Polizeischutz, das ist durchaus nicht immer so. "Das kommt stets auf die Verkehrs- und die Sicherheitslage an. Da ist man auch schon mal grenzwertig unterwegs, aber wie die Kollegen von der Polizei immer wieder sagen: 'Ihr seid doch ein Vorbild für die Öffentlichkeit.'"

In zehn Jahren habe es Auerbach nur einmal nicht geschafft, dem Stau zum Flughafen ein Schnäppchen zu schlagen. Natürlich gibt es nicht nur diesen einen Bus für die Mannschaft, wie man jetzt vermuten könnte. Es gibt Doubletten, also identische Ersatzbusse, sowie Minibusse für die Begleitcrew. Auch die vielen anderen Abteilungen des FCB wollen befördert werden, mit weniger luxuriösen Modellen. Die kleine Flotte wird von Autobus Oberbayern betreut, teilweise auch schon vor den Spielen mit allem nötigen Equipment beladen. Eine Beschreibung des Spielverlaufes des prestigeträchtigen Endspiels in Berlin verbietet sich hier aufgrund des begrenzten Platzes und der mangelnden Fachkompetenz des Autors. Nach Verlängerung und Elfmeterschießen endete ein vielfach als mittelmäßig kommentiertes Spiel dann zugunsten der Bayern, die ein weiteres Double damit klarmachten. Riesenfreude bei den Roten, Trauer und Enttäuschung für die Borussen und ihre extrem präsenten Fans. Wenigstens können sich die Spieler in ihre "zweite Heimat" zurückziehen, um ihre Wunden zu lecken, während die wummernden Soundbars im FCB-Bus die Scheiben wohl an den Rand des Berstens gebracht haben.

Breiten-Sponsoring

Zwölf "MANschaftsbusse" in der ersten Bundesliga und noch mal elf in der zweiten – da kann man schon neidisch werden als Bushersteller. Fünf dieser Bundesliga-Vereine (FCB, BVB, FCA, VfL Wolfsburg sowie Borussia Mönchengladbach) haben ihren Bus aber nicht einfach selbst oder über einen Busbetreiber angeschafft, sondern integrieren diesen in einem Sponsoring-Engagement mit MAN Truck & Bus. "Wir wollten 2010 mit der 'MAN kann'-Kampagne ganz bewusst mit positiven, neuen Themen nach außen gehen und den Mythos Mannschaftsbus inszenieren", erläutert Hartmut Sander, einer der geistigen Vater des größten und wohl auch erfolgreichsten Sponsoring-Programms von MAN. "Dabei wollten wir eine intelligente, kreative Aktivierung der Zielgruppen erreichen mit einer ganz neuen Perspektive – nämlich den Blick durch die geöffnete Bustür ins Allerheiligste." Die Busse werden im Rahmen eines umfassendes Sponsorings mit Bandenwerbung, Viral-Spots wie dem "Brückenschuss" und anderen Werbemaßnahmen meistens als sogenannte Bartering oder Sachleistung den Vereinen direkt zur Verfügung gestellt. "Das finanzielle Gesamtengagement hält sich für einen Konzern dabei in relativ engen Grenzen, meist bewegen wir uns in der mittleren bis unteren Sponsorenkategorie", erteilt Sander Vermutungen von horrenden Ablösesummen eine Absage. "Besonders wichtig ist uns eine gesamtheitliche Kommunikation über alle Kanäle, auch im Internet oder Facebook", erläutert Sander weiter. Zum Endspiel nach Berlin wurden so neben einem MAN-Mitarbeiterteam und Lesern von "Sport Bild" ("Fahren wie die Stars") auch Kunden der MAN Trucker’s World eingeladen und mit gebrandeten MAN-TGX-Zugmaschinen in Berlin begleitet. Das Engagement zeigt Wirkung. So ist Carsten Cramer vom BVB überzeugt: "Wie MAN das Thema MANschaftsbusse heute spielt, das hat eine ganz andere Bedeutung bekommen." Und auf das Spiel kommt es eben an im Fußball.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 08/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Thorsten Wagner

Datum

9. August 2016
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