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Kögel: Aufs Gas gekommen

Kögel will dabei helfen, CO2-arme Erdgasfahrzeuge in der Transportpraxis attraktiver zu machen. Der CNG-Trailer birgt zusätzliche Tanks, so dass die Reichweite eines Erdgasfahrzeugs deutlich wächst. Und ein neuer Kühler soll Kunden mit verbesserter Innenausstattung und günstigem Eigengewicht locken.

CO2 einsparen, heißt das erklärte Ziel der Fahrzeughersteller. Für die Trailerindustrie bedeutete das bislang vor allem, die Aerodynamik des Lastzugs zu verbessern. Schließlich gibt’s am Anhänger keinen Motor, der sich effizienter betreiben ließe. Kögel verfolgt nun noch einen anderen Ansatz. Der Fahrzeugbauer will den Einsatz von Erdgas-getriebenen Sattelzugmaschinen attraktiver machen. Bis dato war unter anderem die begrenzte Reichweite von maximal 300 Kilometern ein Hemmschuh für den Einsatz der CO2-armen Antriebsart.

Reichweite bis auf 900 Kilometer erweitert

Kögel hat nun gemeinsam mit Entwicklungspartner EES einen Auflieger entwickelt, der dabei hilft, die Reichweite deutlich zu erhöhen – nämlich bis auf 900 Kilometer. Dazu haben die Burtenbacher anstelle eines Palettenkastens eine Aufnahme für sechs Gasflaschen unter dem Auflieger installiert, die insgesamt 1.100 Liter fassen. Von dort führt eine Rohrleitung entlang des Längsträgers zur Zugmaschine – am IAA-Exponat ein Mercedes Econic 1826 NGT. Neben den herkömmlichen Anschlüssen für Luft und EBS wird hier noch ein genormter Stecker zur Zugmaschine gesteckt, über den anschließend das Erdgas (CNG) aus dem zusätzlichen Reservoir zum Motor fließt.

Genormter Stecker

Der Stecker ist genormt und entspricht laut dem Technischen Leiter von EES, Bernd Rupp, dem NG2-Standard. Kögel baut in diesem Fall nicht nur den Trailer, ein konventioneller Curtainsider, sondern zusätzlich auch Tragrahmen einschließlich Anschluss an der Zugmaschine hinter der Kabine an. Das System soll nicht nur zum Niederflur-Lkw Econic passen, sondern auch zu den Erdgasmodellen von Iveco und Scania. Noch liegt die ebenfalls normierte Rohrleitung außen am Längsträger und damit in einem Bereich, den ein wenig feinfühliger Staplerfahrer womöglich erreichen kann. Jedoch soll die Rohrleitung bald auf die Innenseite des Rahmens in den Kabelbaum verlegt werden. Dafür sind allerdings bestimmte normierte Befestigungen erforderlich, die noch nicht lieferbar sind, es laut Rupp aber bald sein sollen.

Ein interessanter Ansatz, der allerdings eine Tankstelle voraussetzt, die über eine Erdgaszapfsäule verfügt mit entsprechender starker Pumpe. Dann sollen Zugmaschine und Auflieger in etwa 15 Minuten befüllt sein. Getankt wird über die Anschlüsse am Trailer, über diese lassen sich auch die Flaschen am Lkw auffüllen. Die vollen Behälter am Auflieger wiegen dann einschließlich Traggestell laut Rupp 525 Kilo. Solche Tankanlagen sind aber noch rar gesät. An leistungsschwächeren Ausführungen kann die Prozedur schon mal 25 Minuten dauern.

Kögel baut auch Chassis in Eigenregie

Ganz nah an der Transportpraxis ist der neue Kühler von Kögel. Die Burtenbacher haben Nägel mit Köpfen gemacht, den bisherigen Zulieferer eingekauft und bauen nun nicht mehr nur das Chassis, sondern auch den Aufbau vollständig in Eigenregie. Eine eigene Paneelfertigung aufzubauen, sei wenig praktikabel, da das schäumen der Isolierpaneele einschließlich Stahldeckschicht, bei Kögel Pur-Ferro genannt, einiges Know-how voraussetzt. Dabei werden die einzelnen Blechdeckschichten miteinander durch innenliegende Spangen verclincht und durch ein Unterdruckverfahren wir der flüssig eingeleitete Schaum blasenfrei aufgezogen. Mit dem Zukauf hat Kögel den schnelleren Weg gewählt.

Fahrgestell durch ein Teilchassis ersetzt

Das allein macht den neuen Kühlkoffer noch nicht aus. Inzwischen haben die Burtenbacher das Fahrgestell durch ein Teilchassis ersetzt. Das spart nicht nur Gewicht, es ermöglicht auch, die nutzbare Innenhöhe um zwei Zentimeter zu erhöhen auf 2.670 Millimeter. Weitere Merkmale: eine vollverschweißte Bodenwanne mit einem Leiselaufboden aus Alu, sowie vielfältige optionale Innenausstattungen. Standard ist ein einfacher Schlauch zur Kaltluftführung sowie aufgenietete Stahlprofile an der Stirn für die Luftführung. Für gleichmäßigere Kaltluftverteilung sorgt die Climatex-Ausstattung unter anderem aus drei unterschiedlich langen Schläuchen.

Wabco liefert Zurrleisten, Doppelstockbalken und anderes

Hinzu kommen Zurrleisten, Doppelstockbalken, unterschiedliche Anfahrschutzpuffer und elektronische Anfahrhilfen aus dem Hause Wabco. Auch Trennwände sind zu haben. Welches Kühlaggregat zum Einsatz kommt, bestimmt der Kunde. Zur Wahl stehen die Marken Thermo-King und Carrier. Der Koffer lässt sich als Tiefkühler, Frischdienst- und Trockenkoffer – hier mit Vollchassis – beziehungsweise mit den ATP-Zertifizierungen FRC und FNA bestellen. Die Ausführungen unterscheiden sich vor allem durch die Seitenwandstärken ab. Auch eine Ausführung in Blumenbreite ist zu haben. Ein Fleischhang-Fahrzeug ist noch nicht im Programm, auch ein einachsiger Citysattel und eine Ausführung mit Tür in der Seitenwand wie in der Schweiz oft gefordert sind derzeit laut Uhl nicht geplant. In der Mache ist dagegen ein Modell mit PIEK-Zertifikat für eine besonders leise Anlieferung nahe Wohngebieten etwa mit gekapseltem Kühlaggregat.
Das Ausstellungsfahrzeug kommt zudem mit einer Ausrüstung für den kombinierten Verkehr, also etwa mit Greiferkanten. Die Bahn-Kodifizierung soll laut Produktmanager Uhl bald folgen.

Derzeit sind im Halsbereich noch Quertraversen aus Stahl in den Boden eingelassen. Bis zur IAA sollen Holztraversen in Verbund mit einem Leichtbauboden das Gewicht weiter reduzieren. Der gezeigte bahnverladbare Kühler samt Kühlaggregat steht laut Uhl mit 8.800 Kilo auf der Waage, wobei die KV-Ausstattung etwa 400 Kilo ausmachen soll. Der leichtere Halsbereich soll dann noch mal 200 Kilo abspecken. Ein Eigengewicht ab 7.390 Kilo soll möglich sein.

Long-Plex als Containerchassis mit Heckausschub

Trotzdem, dass die Lang-Lkw-Versuche nicht wirklich Zulauf erfahren, hat Kögel den Long-Plex weiterentwickelt – ein Containerchassis mit Heckausschub, dass sich vom herkömmlichen zulässigen Maß von 13,65 Meter auf 14,5 Meter ausziehen lässt, um zwei BDF-Brücken (C745) zu schultern. Möglich ist zudem, zwei C715-Behälter oder zwei 20-Fuß-Container zu schultern. Ohne den Heckauszug zu nutzen und im Rahmen der gültigen Längenmaße zu fahren, lassen sich ein 20- oder ein 40-Fuß-Container aufladen. Im Vergleich mit ähnlichen Gooseneck-Chassis fährt der Long-Plex mit ebenem Hals und extrem hoch bauenden Längsträgern (Eigengewicht ab 5.350 Kilo) auf Rädern der Dimension 355/55 R 19,5 vor. Daher schultert er auch nur Behälter mit Standardinnenhöhe und nicht mit Megaformat, also drei Meter im Licht.

Auch so lässt sich CO2 sparen. Denn ein Sattelzug lässt sich wegen des geringeren Abstands zwischen den Behältern und der damit einhergehenden besseren Aerodynamik deutlich sparsamer bewegen als die bisher dafür eingesetzten Gliederzüge. Damit hat Kögel bei aller Begeisterung für den CNG-Trailer auch die Aerodynamik nicht aus den Augen verloren.   

Weiter IAA-Exponate

Der Mega P55 bietet drei Meter lichte Innenhöhe bei exakt vier Meter Außenhöhe – eine Lowliner-Zugmaschine mit 910 Millimeter Aufsattelhöhe und flacher Sattelkupplung vorausgesetzt. Üblicherweise verfügen Megas über einen 90 Millimeter hohen Halsbereich, was zu einer Gesamthöhe von etwas mehr als vier Meter führt. Das kann bei strengen Ordnungshütern zu einem deftigen Strafzettel führen. Der P55 dagegen verfügt nur über einen 55 Millimeter hohen Hals. Für Stabilität sorgen hier starke Quertraversen aus Stahl. Im Inneren fehlt an vielen Bereichen der Holzboden, es kommen Stahlbleche etwa im Bereich der Radkästen zum Einsatz. Dennoch soll er 50 Kilo leichter bauen als der herkömmliche Mega, dafür verlangt Kögel laut Produktmanager Thomas Uhl einen Aufpreis von drei bis vier Prozent.

Unbedingt am Messestand ausprobieren gilt für den Curtainsider mit Hybridschnellverschluss. Der Mechanismus, der sich sowohl pneumatisch wie auch konventionell bedienen lässt, erlaubt ein besonders schnelles und komfortables Öffnen und Schließen der Plane. Kögel hat den Mechanismus im Vergleich mit Wettbewerbsprodukten augenscheinlich besonders solide ausgeführt und im Anfahrbereich des Staplers geschützt verbaut. Kann aber auf drei Paar Schieberungen nicht verzichten, sondern nur auf die Einstecklatten. Hinzu kommt ein Curtainsider mit Zollverschluss aber ohne Bordwände in nutzlastoptimierter Light-Ausführung. Und Bauunternehmer können wieder Kögel-Kipper kaufen. Vor einem Jahr starteten die Burtenbacher mit einer 24 Kubikmeter Stahlrundmulde. Nun stellt ihr der Fahrzeugbauer die 27-Kubikmetervariante zur Seite. Besonderes Kennzeichen: die geschraubte Verbindung der unterschiedlichen Wände. Das erlaubt laut Uhr, die unterschiedlichen Wandstärken zu kombinieren – angepasst an den jeweiligen Einsatz.

Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

Autor

Foto

Koegel

Datum

27. Juni 2012
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