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Iveco Bus Standort in Tschechien: Tradition hat Zukunft

Iveco Bus verleibte sich so namhafte Marken wie Berliet, Chausson, Renault und Magirus-Deutz ein. Basis des Erfolgs heute sind aber vor allem die tschechischen Wurzeln.

Zum Geburtstag haben die Italiener für den wohl wichtigsten Standort ihrer Bussparte ein Geschenk ausgepackt: ein eigenes Bus Design Center! Im tschechischen Vysoké Mýto will Iveco den Omnibus im wahrsten Sinne des Wortes erlebbar machen. Alles, was Kunden bei der Ausstattung des Crossway festlegen können, ist hier zum Greifen nahe. Unterschiedliche Stoffe, Sitze und Boden- sowie Wandbeläge können genauso wie Lackmuster nach Gusto für einen ersten Eindruck zusammengestellt werden. Auch Probesitzen ist dort möglich. Da das Gebäude über zwei Etagen reicht, gibt es genügend Platz, mehrere Sitzreihen entsprechend der gewünschten Sitzabstände darzustellen. Und selbstverständlich legen die beratenden Designer auch noch den passenden Bodenbelag, den sich der Kunde ausgesucht hat, in das begehbare Innenraummodell. Ein kleines Display im Sitzrücken zeigt an, wie viele Sitzplätze mit dem vorgegebenen Abstand in Abhängigkeit von der gewählten Fahrzeuglänge verfügbar sind.

Neben virtuellem Erleben mit Hilfe von dreidimensionalen Computer-Animationen setzt man bei Iveco auch auf Traditionelles. Mit dieser Philosophie kann der Standort in Tschechien mittlerweile auf 120 Jahre Erfahrung zurückblicken. Was unter Josef Sodomka mit einer Stellmacherei und Kutschen begann, ist heute auf einer Fläche von mehr als 225.000 Quadratmetern einer der größten Nutzfahrzeug-Produktionskomplexe in Mittel- und Osteuropa – und für Iveco der wichtigste Bus-Produktionsstandort in Europa.

Wichtiger Arbeitgeber in der Tschechischen Republik

Der italienische Konzern ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Tschechischen Republik. In Vysoké Mýto beschäftigt Iveco Bus mehr als 3.000 Mitarbeiter. Rechnet man die zuliefernden Betriebe in der Region mit, dann kommen noch weitere 1.700 Arbeiter dazu. Und es sollen nach Ansicht von Pierre Lahutte, Präsident der Marke Iveco, noch mehr werden: "Wir sind sehr stolz darauf, dass wir heute in der Lage sind, mit dem 120. Geburtstag auch noch ein kontinuierliches Wachstum zu feiern." 2014 seien in Vysoké Mýto 3.288 Omnibusse produziert worden. 94 Prozent der Fahrzeuge davon seien exportiert worden.

Der größte Markt für den Bestseller namens Crossway ist aber laut Lahutte nach wie vor Frankreich. Zum Jubiläum wurde dann auch der 120.000. an diesem Standort gefertigte Omnibus an einen Unternehmer aus Frankreich übergeben. Veränderungen bahnen sich womöglich an. Deutschland holt laut Lahutte immer mehr auf. Hier seien es vor allem die Großbestellungen, die ins Gewicht fallen würden. Platz drei belegt der Benelux-Raum, auch hier sei der Crossway mehr denn je gefragt, sagt Lahutte. Der Erfolg beruhe auf ständigen Investitionen, erklärte Lahutte. Besonders auf die kathodische Tauchlackierung ist man bei Iveco stolz. Doch nicht nur das: Wer die Fertigung vor Jahren schon einmal gesehen hat, dem fallen die vielen neuen computergesteuerten Arbeitsplätze auf. Und Sylvain Blaise macht als Bus-Chef von Iveco keinen Hehl daraus, dass so die Produktivität erhöht wurde, weil die Fertigung nun flexibler reagieren könne.

Crossway Baureihe im Mittelpunkt des Jubiläums

Wer mit dem Standort in Tschechien nur die verschiedenen Crossway-Modelle in Verbindung bringt, der irrt. Der Urbanway wird zusätzlich zu Frankreich in Vysoké Mýto gefertigt. Und neben Omnibussen laufen auch Komponenten für andere Iveco-Fahrzeuge vom Band – vom einzelnen Bauteil bis zum Kabelbaum ist vieles möglich. Die größte Produktivität hat neben den Omnibussen aber die Abteilung der Fahrgastsitze. Waren es vor fünf Jahren 110.812 Fahrgastsitze, so sprang deren Anzahl im vergangenen Jahr auf 168.012. Auch das ist zweifelsohne eine Leistung, die Iveco feiern kann. Im Mittelpunkt des Jubiläums stand aber die Crossway-Baureihe, die europaweit in ihrem Segment führend ist.

Seit der Hersteller die Baureihe 2006 vorgestellt hat, konnte Iveco nach eigenen Angaben über 24.000 Fahrzeuge absetzen. Mittlerweile hat auch der Wettbewerb dieses Marktsegment für sich entdeckt, doch Iveco ist schon wieder einen Schritt vorausgeeilt. Kein anderer Hersteller kann in einem Überlandbus-Bereich mit fast 13  Metern auf zwei Achsen 63 Sitzplätze anbieten. Für den Antrieb stehen zwei Motoren bereit, die wahlweise mit einer Leistung von 235 kW (320 PS, Tector 7) oder 265 kW und 294 kW (360 PS und 400 PS, Cursor 9) erhältlich sind. Dabei soll es aber nicht bleiben. Iveco hat einen Crossway mit Erdgasmotor angekündigt. Hierfür wird man auf den 7,8-Liter-Cursor-8 mit 213 kW (290 PS) zurückgreifen. Und weil alle Beteiligten bei der Geburtstagsfeier so guter Stimmung waren, gab es erste Informationen, dass die Baureihe weiteren Zuwachs erfahren werde. Ein Dreiachser sei schon in der Vorbereitung. Laut nachgedacht hätte man aber bisher nur über einen Hochdecker auf Crossway-Basis.

Was klein begann, wuchs mit politischer Unterstützung

Mit einem solchen Fahrzeug würde sich Iveco aber selbst Konkurrenz machen, denn in diesem Bereich ist man mit dem Magelys schon im Geschäft. Und der wird in Frankreich gebaut, in einem Werk, dass zwar nicht an die Zahlen des tschechischen Standorts herankommt, aber auch Wurzeln in der Vergangenheit des Busbaus hat. Die aerodynamischen Isobloc-Omnibusse von Joseph Besset wurden hier gefertigt. Um auf die Tradition des Bausbaus bei Iveco hinzuweisen, haben die Verantwortlichen auf dem tschechischen Werksparkplatz eine stattliche Zahl historischer Omnibusse versammelt: Sodomka, Skoda und Karosa – alles bedeutende Marken, die für den Standort Vysoké Mýto stehen. Seit 1895 steht hier laut Iveco die Wiege des modernen Omnibusses. 1928 wurde der erste Bus gebaut, damals noch unter der Marke Sodomka und auf einer Skoda-Basis.

Was klein begann, wuchs mit politischer Unterstützung: So war VEB Karosa Sodomka dann im Jahr 1948 der einzige Hersteller von Omnibussen in der damaligen Tschechoslowakei. Anfang der 90er-Jahre wurde Karosa privatisiert und von Renault Véhicules Industriels übernommen. 1999 wurde das Unternehmen dann Teil von Irisbus. Seit 2007 firmiert der Busfabrik in Vysoké Mýto als Iveco Czech Republic. 2015 schließlich kann das Werk auf 120 Jahre zurückblicken. Pünktlich zum Geburtstag lässt Iveco die Sonderserie "120 Jahre Vysoké Mýto" des Crossway auflegen.

Ohne Herkunft keine Zukunft

Sylvian Blaise, Leiter Global Bus bei CNH Industrial im Interview. Das Gespräch führte Rüdiger Schreiber.

Iveco Bus vereint viele namhafte Unternehmen und Marken unter einem Dach. Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Bau von Omnibussen?

Blaise: Synergie! Denken Sie nur alleine an die forschungsintensive Motorentechnik. Hier profitieren alle CNH-International-Unternehmen von den großen Stückzahlen des Gesamtkonzerns – sowohl in Sachen Technik als auch bei den Kosten.

Fast 15 Jahre engagiert sich Iveco Bus in Tschechien. Welche Bedeutung hat der Standort Vysoké Mýto heute für die Marke Iveco Bus?

Blaise: Vysoké Mýto ist als Produktionsstandort des Bestsellers Crossway ein unverzichtbarer Bestandteil der Busaktivitäten. Es ist zudem eines der modernsten Werke im Konzern.

Seit 2006 haben Sie schon mehr als 24.000 Einheiten des Crossway in Tschechien gefertigt, seit Werksgründung sogar schon über 120.000 Busse. Was macht den Erfolg des Standortes aus?

Blaise: Das ist die Modernität des Standorts, aber auch die schiere Größe und das über  Jahrzehnte gewachsene Know-how der Belegschaft. Vysoké Mýto steht seit 120 Jahren für industrielle Produktion und für eine außerordentliche Expertise im Busbau.

Die letzte Investition ist das eben vorgestellte ­Iveco Bus Design Center. Was kommt als Nächstes?

Blaise: Iveco Bus verfügt derzeit über das wohl modernste Busprogramm in der Wettbewerbslandschaft. Wir müssen dieses Programm jetzt auch mit Spezialitäten bedienen, weil wir aufgrund der sehr guten Auftragslage zunächst die Volumenmodelle bedient haben. Aber Sie können sich vorstellen, dass wir bereits über die aktuelle Generation ­hinaus denken. Sowohl in Sachen Design als auch bezüglich künftig geforderter Antriebe.

Vor 120 Jahren begann der Fahrzeugbau in ­Vysoké Mýto, seit 1928 werden am Standort Omnibusse gebaut. Wie sehen Sie die Zukunft für ­Iveco Czech Republic?

Blaise: Vysoké Mýto ist und bleibt ein unverzichtbares Juwel in unserem europäischen Produktionsverbund. Auch die traditionell dem Busbau verbundenen Unternehmen in der Peripherie spielen dabei eine Rolle. Und nicht zuletzt zählt die Nähe zu vielen Märkten.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 08/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Rüdiger Schreiber

Datum

23. Mai 2015
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