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Erwartungen an den Gotthard-Tunnel: "Marktanteil der Schiene wird steigen"

Am 1. Juni wird der Gotthard-Basistunnel offiziell eröffnet. Über die Potenziale der neuen Flachbahn durch die Alpen, die Zulaufstrecken und das Vier-Meter-Profil spricht Dr. Peter Füglistaler, Direktor des Schweizer Bundesamts für Verkehr.

eurotransport.de: Herr Dr. Füglistaler, wie groß schätzen Sie das Verlagerungspotenzial von der Straße auf die Schiene mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels ein?

Füglistaler: Es ist zu erwarten, dass die Marktanteile der Schiene im Güterverkehr weiter steigen und die alpenquerenden Lastwagenfahrten weiter gesenkt oder zumindest stabil gehalten werden können – trotz steigender Transportmengen. Das Bundesamt für Verkehr rechnet im alpenquerenden Schienengüterverkehr mit einem Wachstum von 50 Prozent bis 2030. Im Jahr 2030 wären dies rund 36 Millionen Tonnen. Die Kapazität der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) wird sich auf 45 Millionen Tonnen belaufen. Sie kann also den prognostizierten Verkehr inklusive Verlagerung bewältigen. Der Gotthard-Basistunnel und die Neat allein werden aber auch in Zukunft nicht ausreichen: Instrumente wie die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe sowie flankierende Maßnahmen werden langfristig notwendig bleiben, um konkurrenzfähige Rahmenbedingungen für die Bahn zu schaffen.

Wann ist von vier Metern Eckhöhe in der gesamten Schweiz auszugehen?

Bis Dezember 2020 soll der Nord-Süd-Korridor in der Schweiz durchgehend den Transport von Sattelschleppern von vier Meter Eckhöhe auf der Schiene ermöglichen. Mit diesem Korridor und der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels 2020 wird die Neat ihren Abschluss finden. Der Vier-Meter-Korridor wird auch auf den italienischen Streckenabschnitten bis Luino fristgerecht aufs Jahr 2020 realisiert.


Wie sieht es Ihrer Einschätzung nach mit den Zulaufstrecken in Italien und Deutschland aus? Gibt es da eine Zeitvorstellung, wann diese fertiggestellt sein könnten?

Für die kommenden Jahre stehen genügend Kapazitäten auf den Zulaufstrecken auch in Deutschland und Italien bereit. Aufgrund der aktuellen Situation stellt sich die Herausforderung mittelfristig. Italien ist auf Kurs: Die Zulaufstrecken werden mit kleinen Maßnahmen laufend ausgebaut, zum Beispiel mit neuen Signalanlagen oder neuen Kreuzungsstellen, was insbesondere erlaubt, bis zu 750 Meter lange Güterzüge verkehren zu lassen. In Deutschland ist die Situation schwieriger, da fast alles über eine einzige Strecke, die Oberrhein-Strecke Karlsruhe–Basel, in die Schweiz kommt. Italien hat dagegen drei Zubringer: Chiasso, Luino und Simplon. Auch in Deutschland hat es aber in den letzten Jahren verschie­dene Fortschritte gegeben und die Schweiz und Deutschland haben vereinbart, mittels einer Studie Übergangsmaßnahmen für schrittweise mehr Kapazität auf der deutschen Neat-Zulaufstrecke zu prüfen. Wichtig für die Schweiz ist, dass der Ausbau wie vertraglich festgelegt mit der Verkehrsnachfrage Schritt hält. Das ist für die kommenden Jahre gesichert.

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BAV

Datum

19. Mai 2016
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