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Emissions-Affäre bei VW: Ein teurer Trick

VW verstößt in den USA gegen Umweltgesetze. Eine Strafe in zweistelliger Milliardenhöhe droht.

Der Diesel ist in der Kritik – seit einigen Tagen steht der Selbstzünder im internationalen Rampenlicht. Wie Forscher eines amerikanischen Umweltinstituts festgestellt haben, manipulierte VW die Steuerung von Dieselmotoren in Pkw für den US-Markt, um die dort geforderten Abgasgrenzwerte nur im Rahmen von behördlichen Tests zu erfüllen. Abseits des Prüfstands haben die Forscher des International Council on Clean Transportation (ICCT) einen Stickoxid-Ausstoß festgestellt, der beim rund Zwanzigfachen des erlaubten Wertes liegt.

Seit Bekanntwerden der Problematik gibt es eine Vielzahl an Spekulationen über den Hergang der Manipulationen und die Gründe dafür. Naheliegend ist, dass VW bei den kleineren Fahrzeugklassen auf die Abgasnachbehandlung durch einen SCR-Katalysator verzichten wollte, um Kosten zu sparen (rund 1.500 Euro pro Fahrzeug).

Nicht ohne SCR-Anlage

Ohne SCR-Anlage waren die Pkw aber nicht in der Lage, dauerhaft die strengen Abgasgrenzwerte – vor allem für Stickoxide – zu erreichen. Deswegen manipulierten VW-Entwickler per Software die Verbrennung für die Dauer des Abgastests so, dass die Grenzwerte eingehalten wurden. Im Regelbetrieb wäre dieses Verbrennungsmodell wesentlich kraftstoffintensiver, weshalb VW nur im Test diese Variante nutzte. Die Einsparungen haben sich nicht gerechnet.

VW-Chef Martin Winterkorn hat Verfehlungen bereits eingeräumt und muss nun mit Geldstrafen von bis zu 18 Milliarden US-Dollar durch die amerikanische Umweltbehörde EPA rechnen. Zudem könnte eine Reihe von Sammelklagen privater Nutzer in den USA auf das Wolfsburger Unternehmen zukommen. Damit wandert mindestens der Konzerngewinn von 12,7 Milliarden Euro im Jahr 2014 wohl bald auf die Konten amerikanischer Behörden.

Wie sieht es mit Nutzfahrzeugen aus?

Ist die Nutzfahrzeug-Branche auch betroffen? Derzeit stehen nur Diesel-Antriebe von Pkw im Fokus. Der Weg zu Nutzfahrzeugantrieben ist jedoch nicht weit. Grund zur Sorge gibt es aber nicht. Denn anders als bei den Pkw-Abgastests sind Manipulationen bei Lkw-Motoren auf dem Prüfstand schwerer zu verstecken. Hinzu kommt, dass Lkw-Hersteller seit der Einführung von Euro 6 mit aufwendigen Messverfahren (PEMS) auch die Einhaltung der Abgasgrenzwerte im Realbetrieb nachweisen müssen (die sogenannte In-Use-Conformity).

US-amerikanische Behörden unterziehen Pkw in den USA ebenfalls stichprobenartig Abgastests, während die Fahrzeug bereits in Betrieb sind (In-Use-Compliance), allerdings immer nach einem festen Prüfstandsmuster. Das erkennt die Motorsteuerung der betroffenen VW-Aggregate rechtzeitig und verändert entsprechend die Motorcharakteristik. Die Forscher der ICCT konnten die Manipulation nur aufdecken, weil sie den Abgastest ebenfalls im Realbetrieb durchgeführt haben.

Allein schon aufgrund der aufwendigen Zertifizierungsverfahren kann sich die Nutzfahrzeugindustrie beim aktuellen Konflikt deutlich von der Pkw-Welt absetzen. Zudem liegen die Quoten für Kundenaufklärung und -akzeptanz bei Nutzfahrzeugen wesentlich höher. Denn das Kernproblem der Abgasreinigung ist, dass sie höhere Kosten verursacht.

Kunden tragen Kosten

Die zusätzlichen Kosten geben Lkw-Hersteller mit dem Verweis auf politische Vorgaben an ihre Kundschaft weiter. Die Pkw-Industrie hingegen traut sich das bisweilen nur selten, vermutlich um etwaige Wettbewerbsnachteile zu umschiffen. Aus diesem Grund müssen die dortigen Lösungen für die Abgasreinigung besonders günstig sein. Doch den technischen Möglichkeiten zur Einsparung sind Grenzen gesteckt, die offensichtlich im schlechtesten Fall nur durch massive Manipulationen zu überwinden sind. Kein Wunder, dass dann die Diesel-Technik in der Kritik steht.

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Luftbildfotograf/Fotolia

Datum

24. September 2015
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