Redaktionsgespräch Burg Silvergreen (Marc Meylaers CEO + Andreas Lubitz) Zoom

Burg Silvergreen im Interview: "Wir sind keine Anfänger"

Wer beim neuen Trailerhersteller Burg Silvergreen Billigprodukte und Kampfpreise erwartet, wird enttäuscht. Denn der Hersteller will mit Premiumprodukten bei den Speditionen punkten. Mit der sprichwörtlichen deutschen Qualität und ökologischen Zielen möchte sich Burg Silvergreen als Neuling in der Trailerbranche mit den bekannten Premiumherstellern messen. In einem ersten Gespräch stellen Geschäftsführer Marc Meylaers und Marketingdirektor Stefan Oberdörfer das Unternehmen und Geschäftsmodell vor.

Als neuer Anbieter stoßen Sie auf große und etablierte Konkurrenz. Was macht Sie optimistisch, diese zu knacken?

Meylaers: Es geht nicht darum, sie zu knacken. Wir gehen unseren eigenen Weg und wir werden unseren Kunden Vorteile an die Hand geben. Wir haben stabile Investoren und neue Ansätze. Auch die Möglichkeit der weltweiten Beschaffung über CIMC ist nicht zu vernachlässigen.

Wie wollen Sie dabei vorgehen?

Oberdörfer: Da wir eine neue Firma sind, haben wir die einmalige Chance, die Sache mit neuen Ansätzen anzugehen. Dazu gehört auch unsere New Trailer Philosophy, die Kundenwünsche in Einklang mit der Umwelt bringt. Unsere Mission ist es, dass wir unsere Kunden erfolgreicher und die Transportbranche umweltfreundlicher machen wollen. Das spiegelt sich auch in unserem Namen wider: Silver soll für den wirtschaftlichen Erfolg unserer Kunden stehen und Green sinnbildlich für unsere Umweltaktivitäten.

Mit welchem Produktportfolio werden Sie antreten?

Oberdörfer: Zunächst starten wir auf der IAA mit diesem Programm: Es wird einerseits die Produktfamilie Curtain geben, also klassische Planensattelanhänger in drei Ausführungen. Es wird ein Containerchassis geben und wir werden Kühlfahrzeuge in unterschiedlichen Ausführungen ausstellen. Darüber hinaus werden wir auch einen klassischen Wechselverkehrsanhänger zum Start im Programm haben. Es werden aber weitere Varianten folgen.

Sind Ihre Produkte denen der chinesischen Mutter ähnlich?

Oberdörfer: Ein klares Nein. Burg Silvergreen entwickelt seine Produkte selbst. Natürlich findet in einem großen Unternehmen ein Know-how-Transfer statt. Der geht aber in alle Richtungen. Wir haben viele ehemalige Kögel-Mitarbeiter, die natürlich auch viel Erfahrung mitbringen.

Bauen Sie also eher Kögel als CIMC?

Meylaers: Nein. Wir bauen Burg Silvergreen und wir nutzen diese Chance, um viele neue Lösungen anzubieten. Hätten wir es uns so einfach gemacht, wären wir schon vor zwei Jahren auf die Messe gekommen. So hätten wir viel Zeit und Geld gespart. Wir müssen einen Überraschungseffekt auslösen – sonst rutschen wir in die graue Masse ab. Und genau da wollen wir nicht hin. Wir wollen ein großer, aber vor allem ein geschätzter Partner der europäischen Transportindustrie werden.

Kann man innerhalb von zwei Jahren wirklich eine komplette Produktfamilie entwickeln?

Oberdörfer: Wir beweisen, dass es geht. Wir sind zwar eine neue Marke, aber keine Anfänger. Alle Personen bei uns haben Erfahrung in der Nutzfahrzeug- und Trailerbranche. Unser Programm ist auch noch nicht fertig. Wir müssen weiterhin viel arbeiten, um dieses Programm in Zukunft sukzessive auszubauen.

Wie testen Sie Ihre Produkte?

Meylaers: CIMC hat in China einen Straßensimulator, mit dem wir sehr schnell das komplette Trailerleben auf definierten Strecken simulieren können. In Europa fahren wir seit einem Jahr mit den ersten Prototypen in der Praxis. Alle unsere Trailer sind auf die komplette Lebensdauer getestet.

Wie sieht Ihr Vertrieb aus?

Oberdörfer: Europa ist unser Zielmarkt. Wir haben ein Vertriebsnetz mit eigenem Personal aufgebaut. Burg Silvergreen wird aber auch über bekannte und bestehende Händler vertrieben.

Wie wollen Sie ein komplettes Werkstatt- und Servicenetzwerk aufbauen?

Oberdörfer: Parallel zur Produktentwicklung haben wir ein eigenes Werkstattnetz aufgebaut. Das besteht aus eigenen Vertragswerkstätten und aus Servicepartnern. Wir haben heute mehr als 100 Premiumpartner, lokal erfolgreiche und unabhängige Werkstätten, in Europa. Unsere Premiumpartner werden die Wartung, Reparaturen sowie Full-Service-Lösungen übernehmen. In Kooperation mit dem ADAC bieten wir ein Netz von 4.000 Servicepartnern an.

Kann man die Trailer bei Ihnen finanzieren?

Meylaers: Zum Start werden wir in Deutschland Leasing und Mietkauf anbieten.

Wie positionieren Sie sich preislich?

Oberdörfer: Wir bauen Premiumfahrzeuge hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit zu wettbewerbsfähigen Preisen. Es wird keine Billigprodukte geben. Wir versuchen die bestmöglichen Preise anzubieten, aber wir müssen uns auch am Wettbewerb ausrichten.

Eigentlich wollten Sie schon 2009 mit der Übernahme von Kögel in Deutschland Fuß fassen. Doch der Versuch scheiterte – wie ging es danach weiter?

Meylaers: CIMC fehlte ein Serienhersteller in Europa. Um hier expandieren zu können, brauchten wir das dringend. Das Positive an der gescheiterten Übernahme war, dass wir damals im Prinzip unsere heutige Führungsmannschaft gefunden haben – die Chemie hat gleich gestimmt. Mit CIMC im Rücken kam die Idee auf: Lass uns doch etwas eigenes aufbauen. Und so begannen wir im Januar 2010 mit sieben Leuten. Im März 2010 waren es schon 35 Leute, die überwiegend von Kögel zu uns gewechselt haben.

Burg und LAG gehören ebenfalls zu CIMC. Gibt es Pläne, diese Hersteller in Burg Silvergreen aufgehen zu lassen?

Oberdörfer: Nein. Wir wollen die Unternehmen als eigene Marken parallel anbieten. Jede Marke soll ihren eigenen Charakter für die jeweilige Zielgruppe wahren. Burg ist beispielsweise ein Individualhersteller, wir möchten ein Serienhersteller werden.

Geben Ihnen die chinesischen Investoren Vorgaben, ab wann Sie Gewinne einfahren sollen?

Meylaers: Nein, denn dann wären sie Investmentbanken, die schnelles Geld machen wollen. Wir sind gekommen, um zu bleiben. CIMC hat langfristige Pläne. Das durchschnittliche Alter der Trailerflotte in Europa ist in den letzten Jahren gestiegen. In den nächsten Jahren ist das technische Lebensende dieser Flotte erreicht und in diesem Erneuerungsprozess werden wir unseren Platz finden.

Haben Sie schon feste Großabnehmer?

Oberdörfer: Wir führen sowohl mit Lieferanten als auch mit möglichen Kunden enge Gespräche. Außerdem werden wir zu Beginn viele Versuchsund Testfahrzeuge im Markt platzieren.

Das passiert in allen Arten von Flotten?

Meylaers: Ja. Wir haben keine Zielgruppe definiert. Wir stehen kleinen und großen Flotten genauso offen gegenüber wie mittelständischen Unternehmen.

Warum benötigen Sie ein neues Stammwerk in Günzburg?

Oberdörfer: Als deutsches Unternehmen muss unser Firmensitz in Deutschland liegen – auch um die Nähe zum Kunden herzustellen. Außerdem benötigen wir dieses Werk zur Kapazitätssteigerung und der Umsetzung unserer grünen Ziele. Des Weiteren liegt es direkt an der viel befahrenen A 8, wo viele unserer potenziellen Kunden vorbeifahren. Wir werden auf diesem Gelände auch Parkplätze für Fahrer einrichten.

Auf welche Stückzahlen sind sie eingerichtet?

Meylaers: In Günzburg werden wir eine technische Kapazität von 10.000 Einheiten pro Jahr haben. Alle Werke zusammen können bei Vollauslastung etwa 13.000 Einheiten im Jahr produzieren. In Günzburg werden Planenauflieger und Wechselanhänger gefertigt. In Pijnacker und Bree werden die aufwendigeren Kühlauflieger und in Bree unter anderem die Containerchassis montiert. Da es sich um einen Baukasten handelt, können wir die Produktionsstandorte aber jederzeit umstellen. Mit Wechselchassisaufliegern kann man bei maximaler Auslastung höhere Stückzahlen erreichen als mit Kühlern.

Passt es in Ihr grünes Image, Teile in China zu fertigen?

Oberdörfer: Wir haben ausgerechnet, dass es umweltfreundlicher ist, einen vollen Container von China nach Europa zu verschiffen, als zum Beispiel von Osteuropa auf der Straße nach Deutschland zu transportieren. Durch die Baugruppen, die den Baukasten ergeben, können wir die Container voll auslasten.

Zu den Personen Marc Meylaers und Stefan Oberdörfer

Marc Meylaers, 46, ist seit mehr als 20 Jahren in der Nutzfahrzeugbranche tätig. Der Diplom-Kaufmann war neun Jahre lang Geschäftsführer beim belgischen Trailerhersteller LAG. Anfang 2012 hat er die Geschäftsführung von Burg Silvergreen übernommen.

Stefan Oberdörfer, 36, ist im Management von Burg Silvergreen für die Bereiche Marketing, Service und Aftermarket zuständig. Der Master of Business Administration (MBA) war zuvor viele Jahre in leitenden Positionen bei den Fahrzeugwerken Kögel in Burtenbach tätig.

Autor

Foto

Mario P. Rodrigues

Datum

21. September 2012
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