Die Frage war ja tatsächlich nicht ob, sondern wann Norbert Kiss seinen nächsten Triumph perfekt machen würde. Der Rekordeuropameister machte die Sache dementsprechend beim sechsten Aufeinandertreffen der Truckracer auf dem Circuit Bugatti in Le Mans nicht besonders spannend. Wie inzwischen seit Jahren üblich, legte der Ungar im Qualifying die Bestzeit vor und fuhr wenig später einen überlegenen Start-Ziel-Sieg ein. Damit hatte er sich sieben Wertungsläufe vor dem Saisonende ein uneinholbares Polster verschafft und durfte sich über seinen achten Meistertitel freuen.
Dominanz im Qualifying: Nur wenige Fahrer steigern sich im Superpole-Finale
Angesichts der Dominanz des Rekordmeisters ist es inzwischen spannender, sich die Details in den Ergebnislisten anzusehen, in denen an erster Position meist Kiss geführt wird. Im ersten Qualifying waren nur drei der sechs Top-Fahrer in der Lage, im dritten und entscheidenden Durchgang ihre Zeiten aus den beiden vorangegangenen Runden nochmal zu steigern: Neben Kiss waren das Jochen Hahn und Steffi Halm. Der alte und neue Champion war zudem der einzige Konkurrent, der es schaffte, in zwei der drei Durchgänge eine 2:04-er Zeit aufs Parkett zu zaubern.
Fabelzeit auf dem Circuit Bugatti: Kiss durchbricht die 2:04er-Schallmauer
Auch Kiss selbst scheint sich seit langem an Zielen zu orientieren, von denen die Besucher sicherlich keine Notiz nehmen und die selbst vielen Insidern nicht zwingend ins Auge stechen. Wie wäre es zum Beispiel, auf der 4.185 Meter langen legendären Rennstrecke eine neue Fabelrunde für Trucks hinzubekommen?
Ein kurzer Abstecher ins Archiv verdeutlicht die Entwicklung der letzten Jahre: 2024 wurde Kiss in den Qualifyings mit einer Zeit von 2:06.011 und am Sonntag mit 2:05.153 gestoppt. An diesem Tag war der Ungar knapp eine Sekunde schneller als Jochen Hahn mit 2:06.107. 2025 stand vor den Hundertstel- und Tausendstelsekunden ebenfalls eine 2:05 und am Sonntag bereits eine 2:04.
Bei – nach eigener Aussage – idealen äußeren Bedingungen stieß Kiss in diesem Jahr am Sonntagvormittag in eine neue Dimension vor: So wie die Dinge in der European Truck Racing Championship momentan stehen, dürfte allenfalls Kiss selber in der Lage sein, die rekordverdächtige Bestzeit von 2:03.820 dereinst zu toppen.
Kampf um den Vize-Titel: Hahn verkürzt Rückstand auf Lenz vor dem Finale in Jarama
Im Kampf um den Silberpokal rückte Jochen Hahn nach der vorletzten Runde näher an Sascha Lenz heran: Er erkämpfte sich in Le Mans zehn Punkte mehr als sein deutscher Konkurrent. Lenz hat vor dem finalen Kräftemessen am kommenden Wochenende in Jarama nur noch einen knappen Vorsprung von sechs Zählern.
Antonio Albacete kann in Jarama zwar auf den Heimvorteil hoffen. Aber um den Rückstand auf Hahn bzw. Lenz aufzuholen, bräuchte der Spanier mehr als nur den Heimvorteil – zum drittplatzierten Hahn fehlen ihm 13 Punkte. Jose-Eduardo Rodrigues wiederum kann die 64 Punkte Rückstand auf den Ex-Champion auch mit einem Wunder nicht mehr wettmachen. Der vierte Gesamtrang ist dem Spanier Albacete als dienstältestem Truckracer aber kaum mehr zu nehmen.
Rodrigues wiederum hat die letztjährige Dritte Steffi Halm im Nacken. Mit etwas Glück kann Halm, die in Le Mans im ersten Championship Race Dritte wurde, den Portugiesen noch überflügeln; gerade einmal vier Punkte beträgt ihr Rückstand.
Chrome-Kategorie: Spannung vor dem Saisonabschluss in Spanien
Auch in der Chrome-Kategorie wird es zum Saisonende noch einmal spannend. John Newell erwischte in Le Mans das bessere Wochenende und überflügelte dadurch seinen britischen Landsmann Mark Taylor. Steffen Faas im Tankpool-Freightliner rangiert knapp vor Bradley Smith auf Platz 3.
Für einige heiße Runden auf Spaniens ältestem Rundkurs dürfte also gesorgt sein, ehe dort die offizielle Preisvergabe das Saisonende markiert.







