Grau = solides Fundament, Blau = klares Konzept, Rot = Dynamik des Unternehmens, Weiß = Integrität des Handelns: Allein schon in der Firmenlogo-Entwicklung und der damit verbundenen Farbgebung zeigt sich, dass bei der Ulmer Seifert Logistics Group (SLG) nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen wird. Doch wer den langjährigen Firmenchef und heutigen Beiratsvorsitzenden Harry Seifert kennt und sich die beträchtliche Dimension der SLG vor Augen führt, der versteht schnell, dass Erfolg in diesem hart umkämpften Business nur mit ganz unmissverständlich klaren Grundsätzen möglich ist.
„Logistic meets motion“ lautet das Motto der SLG und bringt die Philosophie des Unternehmens prägnant auf den Punkt. In Bewegung bleiben und Visionen entwickeln sind der Antrieb für immer neue logistische Services mit Mehrwert für die Kunden. An 50 Standorten in Europa realisiert die SLG auf über einer Million Quadratmeter Warehouse-Fläche innovative Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslösungen für die Branchen Automotive, Chemie, Baustoff, Papier, Pharma sowie Konsumgüter.
Gegründet wurde der Betrieb 1947 von Franz X. Seifert, zunächst als kleiner Fuhrbetrieb, der Zement aus Allmendingen in den Schwarzwald transportierte. Auf dem Rückweg lud man Holz von Hand – Meterstücke, die der Fahrer im Wald auf den Lkw wuchtete. Das Holz ging an die schwäbische Zellstofffabrik, wo die langen und kurzen Fasern für die Papierproduktion gebraucht wurden. Es war eine Logistik, die noch unmittelbar mit der körperlichen Arbeit der Menschen verbunden war, mit improvisierten Lösungen und mit einer Welt, in der man vieles selbst machte: reparieren, laden, organisieren.
Als mit Harry Seifert 1976 die zweite Generation in den Betrieb eintrat, war die Logistik im Umbruch. Die ersten Silofahrzeuge kamen 1974 hinzu, später Flüssigtransporte. Der Sohn des Firmengründers beobachtete früh, dass sich die Branche differenzierte und man sich spezialisieren musste, wenn man nicht im Preiswettbewerb untergehen wollte. „Stückgut wollte ich nie machen“, sagt er. „Wie kommt man da ins Geschäft? Nur über den Preis.“ Stattdessen setzte er auf Rohstoffe, Silo, Tank und Pulver – Bereiche, in denen Qualität, Zuverlässigkeit und technische Kompetenz wichtiger waren als das günstigste Angebot.
Konzentration auf die Kontraktlogistik
Ein entscheidender Wachstumsschub kam mit der politischen Wende 1989. Die Abschaffung der Konzessionen im Güterkraftverkehr öffnete den Markt und aus dem regionalen Kraftwagenspediteur wurde ein bundesweit agierendes Unternehmen. Die Internationalisierung folgte konsequent: 1999 entstand Seifert Polska, die erste Auslandstochter, und mit dem Umzug von Ehingen ins Donautal nach Ulm begann eine Phase, in der das Unternehmen seine Strukturen professionalisierte und neue Geschäftsfelder erschloss.
Ein wegweisender Schritt war in dieser Hinsicht die Konzentration auf die Kontraktlogistik. Sie wurde zum wichtigsten Standbein, zum Wachstumstreiber, zum Beweis dafür, dass Logistik längst mehr ist als Transport: Sie ist Teil der Produktion, Teil der Wertschöpfung, Teil der industriellen DNA. Vormontage, Sequenzierung, Produktionsversorgung – Tätigkeiten, die weit über das klassische Bild der Spedition hinausgehen. „Wir fertigen heute beispielsweise über 800 Hinterachsen an einem Tag“, erläutert CEO Axel Frey, der seit 2022 die operative Verantwortung bei der SLG trägt. Für Außenstehende sei oft kaum vorstellbar, was Logistik heute bedeutet: ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Materialfluss, Digitalisierung, Automatisierung und Präzision.
Ein Leitmotiv zieht sich durch die gesamte Unternehmensgeschichte: den „einen Millimeter“ anders zu sein als die anderen. Harry Seifert beschreibt dies anhand eines Prospekts, der exakt so gestaltet ist, dass man ihn im Ordner blind herausziehen kann. „Ich möchte, dass ein potenzieller Kunde zuerst an uns denkt, bevor er einen potenziellen Wettbewerber beauftragt“, sagt er. Der Millimeter steht für Präzision, für Geschwindigkeit und vor allem für den Anspruch, ein kleines Stück besser zu sein als andere. Dieses Mindset prägt die Kultur des Unternehmens und erklärt, warum die SLG in den vergangenen Jahren konsequent in Digitalisierung, Automatisierung und KI investiert hat.
Die technologischen Entwicklungen sind beeindruckend. Die SLG betreibt eines der ersten automatischen Containerentladesysteme, setzt Drohnen für Inventuren ein und hat 750 Mitarbeitende zu sogenannten KI White Belts ausgebildet. 80 weitere gelten als Green Belts, die aktiv KI-Prozesse gestalten. Über 70 digitale Zwillinge sichern Wissen im Unternehmen, damit Erfahrungen nicht verloren gehen. Die Automatisierung ist kein Selbstzweck, sondern Antwort auf volatile Märkte, Fachkräftemangel und die steigenden Anforderungen der Industrie. „Unser Vorteil ist Geschwindigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit, Schnelligkeit“, betont Axel Frey. „Wir werden zwar mit dem Lkw von München nach Berlin nicht schneller fahren als die anderen, aber wir können den Auftrag möglicherweise schneller verarbeiten.“
Exzellente Partnerschaft mit DEKRA
Auch im Fuhrpark zeigt sich die Mischung aus Pragmatismus und Fortschritt. Die SLG disponiert täglich 1.200 Lkw, davon rund 500 eigene Einheiten. Die E-Flotte wächst, aber mit Augenmaß. „Wir treten nicht an, um einen Elektromarkt zu bedienen – wir müssen auch Geld verdienen“, so Harry Seifert. Die Ladeinfrastruktur bleibt ein Engpass, politische Rahmenbedingungen ein Ärgernis. „Wenn ich bei uns auf dem Hof 30 Cent zahle und muss fremd 70 zahlen, dann bin ich finanziell tot“, formuliert er unverblümt. Dennoch investiert das Unternehmen in Photovoltaik – 5,5 Megawatt Peak auf den Dächern – und denkt über Wasserstoff nach. „Ideologie muss mit Wirtschaftlichkeit zusammengehen“, sagt der heute 70-Jährige. Und man spürt, dass er die Logistik als System versteht, das nur funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen absolut verlässlich sind.
Stichwort Fahrzeuge: Die Haupt- und Abgasuntersuchungen sowie Sicherheitsprüfungen der Fahrzeugflotte der SLG und die UVV-Prüfungen am Standort Ulm führen heute erfahrene Experten der seit 2021 von Thomas Böhringer geleiteten DEKRA Niederlassung Ulm durch. Ebenso ist DEKRA der zuverlässige Ansprechpartner in Sachen Berufskraftfahrerqualifikation und Ladungssicherung. „DEKRA ist für uns ein verlässlicher Rundum-Dienstleister und trägt mit dazu bei, dass wir uns aufs Kerngeschäft konzentrieren können“, lobt Harry Seifert. Wenn ihm eine Dienstleistung angeboten werde, die dem Unternehmen in seinen Abläufen helfe, habe DEKRA genau das getroffen, was die SLG in der Logistik sein wolle: ein Problemlöser. Die langfristige Partnerschaft wie auch die Nähe der DEKRA Standorte zu den eigenen Niederlassungen im ganzen Bundesgebiet benennt er als weitere Vorteile. Thomas Böhringer gibt das Lob gerne zurück: „Die Loyalität und Verbundenheit der SLG zu uns als Expertenorganisation wissen wir sehr zu schätzen.“
Die Herausforderungen der kommenden Jahre sind klar: Fachkräftemangel, volatile Märkte, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Doch das Unternehmen sieht sich gut gerüstet und bleibt trotz aller Professionalisierung ein Familienunternehmen – mit einer Denkweise, die sich von börsennotierten Konzernen unterscheidet. Entscheidungen werden langfristig getroffen und Investitionen mit Blick auf Stabilität und Zukunftsfähigkeit getätigt. Um auch weiterhin den „einen Millimeter“ anders zu sein als die anderen.





