Toyota Hilux Single Cab 2.4

Unzerstörbare Pick-Up Legende im Dauertest

Toyota Hilux 2.4 D-4D Single Cab 2017 Hardtop Dauertest Dauerteser Norwegen Nordkap Details Foto: (c) Julian Hoffmann 7 Bilder

Seit 50 Jahren steht der Toyota Hilux wie kein zweiter Pick-up für Unverwüstlichkeit. Als Single Cab der achten Generation muss er beweisen, dass er dieses Prädikat zu Recht trägt.

Der Toyota Hilux ist nicht weniger als eine gigantische Erfolgsgeschichte, die sich schnell in einer Zahl festmachen lässt: 18 Millionen. Mehr als 18 Millionen Einheiten sind es, die Toyota seit 1968, dem Geburtsjahr des Hilux, vom "beliebtesten Pick-up der Welt" absetzen konnte. Die berühmte Ford-F-Serie freilich stellt den kompakten Japaner – sowohl was die Verkaufszahlen als auch was die Abmessungen betrifft – problemlos in den Schatten. Doch kann der amerikanische Pritschenwagen kaum außerhalb seines Heimatkontinents punkten. Der Hilux dagegen ist ein wahrer Globetrotter: In Europa mag er, wie die Bauform der Pick-ups im Allgemeinen, noch unter der Wahrnehmungsgrenze vieler Pkw-Fahrer schwimmen. Doch von Nordamerika – dort in modifizierter Form als "Tacoma" – über Südamerika, von Afrika bis Asien und von Australien bis Neuseeland erfreut sich der Lastenesel größter Beliebtheit.

Toyota Hilux 2.4 D-4D Single Cab 2017 Hardtop Dauertest Dauerteser Norwegen Nordkap Details Foto: Julian Hoffmann
Seit 50 Jahren steht der Toyota Hilux wie kein zweiter Pick-up für Unverwüstlichkeit.

Hilux im Test seit Herbst 2017

Seine Unverwüstlichkeit ist dabei legendär. Als "unbreakable" bezeichnet Toyota den Pick-up vollmundig. Den Nord- und den Südpol hat der Hilux schon bezwungen, Lava-spuckende Vulkane auf Island befahren und dazu zahllose Male die Rallye Dakar gemeistert. Der ursprünglich unter der zum Toyota-Konzern gehörenden Lkw-Marke Hino vertriebene Pick-up scheint so unvergänglich wie Unkraut. Eine Eigenschaft, die laut des Hilux Executive Chief Engineer Hiroki Nakajima auch auf die mittlerweile achte Generation des Pritschenwagens zutreffen soll. Als Entwicklungskonzept nennt der Chefkonstrukteur die einfache Formel: "Robuster, als wir es uns selbst vorstellen können." An Vorschusslorbeeren mangelt es diesem japanischen Pick-up also wahrlich nicht. Doch die hohen Erwartungen möchten auch erfüllt werden. Und zwar auf Dauer. Über mindestens ein Jahr und damit über circa 50.000 Kilometer wird der lastauto omnibus-Testfuhrpark daher durch einen Toyota Hilux Single Cab erweitert.

Seit Herbst 2017 spult der auf das Nötigste reduzierte Testwagen Kilometer um Kilometer ab. Seine Ausstattung kann man getrost als puristisch bezeichnen: Die zweisitzige Single-Cab-Variante ist in Deutschland nur in der Basis-Konfiguration "Duty" erhältlich. Annehmlichkeiten der "Comfort"-Serie, die sowohl für die viersitzige und mit je zwei gegenläufig öffnenden Türen versehene Extra Cab als auch die fünfsitzige Double Cab erhältlich ist, gibt es selbst gegen Aufpreis nicht – ganz zu schweigen von der luxuriösen "Executive"-Linie des Doppelkabiners. Wer dort sein Kreuzchen setzt, wird beispielsweise mit Voll-LED-Scheinwerfern, Klimaautomatik samt Sitzheizung und Smart Key System verwöhnt. Auch moderne Sicherheitsausstattungen wie eine automatische Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung, Verkehrsschilderkennung und ein Spurwechselassistent sind dann an Bord des Pick-ups. Mehr Lifestyle-Pkw als Nutzfahrzeug ist der Hilux so – eine Konfiguration, die zwar reizvoll erscheint, für den Dauertest aber wenig zielführend ist.

Toyota Hilux 2.4 D-4D Single Cab 2017 Hardtop Dauertest Dauerteser Norwegen Nordkap Details Foto: Julian Hoffmann
Praktische Lösung: Bei umgeklappter Ladeklappe kann die auf Schienen gelagerte Plattform nach außen geschoben werden.

Hardtop besteht aus robustem Edelstahl

Die Duty-Version nämlich hat einen entscheidenden Vorteil: Sie ist mit härteren Blattfeder-Paketen ausgestattet. Auf circa 1.200 Kilogramm beläuft sich damit die Nutzlast des Single Cab, die Anhängelast liegt bei respektablen 3,2 Tonnen. 2,28 Meter misst die Ladefläche, in der Breite kann sie maximal 1,5 Meter vorweisen. Die Pritsche des Testfahrzeugs ist mit Riffelblech ausgekleidet und mit einer separaten Ladeplattform versehen. Diese ist auf Schienen gelagert und lässt sich so über die umgeklappte Ladeklappe nach außen schieben. Rückenschonend kann man den Hilux damit be- und entladen. Wer nicht gerade mit dem Stapler aufgeladene Europaletten transportiert, müsste ohne sie immer wieder auf die Ladefläche krabbeln. Außerdem ist die Plattform mit C-Schienen versehen – mit entsprechend fixierten Haken lässt sich die Ladung so unkompliziert sichern. Ganz ohne Nachteil kommt aber auch die Plattform nicht aus: Zum einen nutzt sie nicht die ganze Fläche der Pritsche, und zum anderen darf sie mit nur 300 Kilogramm beladen werden. Der schwere Teil der Ladung muss auf der Ladefläche also ganz nach vorn wandern – und ist entsprechend mühselig wieder herauszubekommen.

Ohne Hardtop wäre die Be- und Entladung sicher einfacher, dazu wäre die Ladehöhe nicht auf einen Meter beschränkt. Die Redaktion hat sich dennoch bewusst für das weiße Häubchen entschieden. Ist die Single Cab mit zwei Mann belegt, passen trotz zweier Handschuhfächer, zahlreicher Cupholder und eines geräumigen Fachs unter der Mittelarmlehne nämlich nur noch Kleinigkeiten wie eine Damenhandtasche oder ein Werkzeugkoffer in den Fahrgastraum. Der Rest muss auf die Ladefläche und wäre dort ohne Dach weder abschließbar noch vor Wind und Wetter geschützt. Im Gegensatz zu vielen anderen Hardtops ist die aus Südafrika stammende Abdeckung aus Edelstahl statt aus GFK gefertigt. Damit ist das Hardtop nicht nur robuster, sondern auch mit einer Montageschiene auf dem Dach ausgestattet. Darauf können Querträger oder ganze Dachplattformen fixiert und sperrige Güter an ihren Bestimmungsort transportiert werden. Die auf dem Testwagen installierte Standard-Variante kommt mit festen Seitenklappen, einer Frontscheibe und einer Heckklappe mit Fenster. In dieser Ausstattung kostet die Abdeckung circa 3.650 Euro und ist in Deutschland beispielsweise über den Kulmbacher Geländewagen- und Zubehör-Spezialisten Taubenreuther erhältlich.

Interieur fällt hochwertig aus

Das Hardtop ausgenommen, kommt der Hilux-Dauertester nur noch auf vier weitere Sonderausstattungen: manuell zuschaltbarer Allradantrieb samt Geländereduktion, Anhängerkupplung, Metallic-Lackierung in "Tornadorot" und Touch&Go-Navigationssystem. Obwohl der Toyota serienmäßig weder mit einer Klimaanlage noch mit einem Tempomaten punkten kann, fällt sein Interieur hochwertig aus. Das Armaturenbrett besteht zwar aus leicht abwaschbarem Hartplastik, ist allerdings mit Ziernaht-Optik aufgehübscht und hier und da mit schwarzem Klavierlack versehen. In der Mittelkonsole thront der aufgesetzte 7-Zoll-Touchscreen, der stark an einen Tablet-PC erinnert. Die hochauflösende 3D-Kartenansicht überzeugt, die Menüführung des Multimedia-Systems ist selbsterklärend. Tempolimits und Fahrspuren werden dem Fahrer über die Navigation zugespielt. Auf den Standard-Sitzen mit eingelassener Kopfstütze sitzt es sich auch auf längeren Strecken bequem. Einziger Kritikpunkt: Die Sitze sind nicht höhenverstellbar – so thront man gefühlt mehr auf als im Hilux.

Nur gut, dass das Lenkrad sowohl in der Höhe als auch axial an die Bedürfnisse des Fahrers angepasst werden kann. Präzise und mit einer gefühlvollen Rückmeldung über die Straßenbeschaffenheit kann man den Pick-up über Landstraßen steuern. Auch das Sechsgang-Schaltgetriebe – eine Sechsstufen-Automatik gibt es nur für den Doppelkabiner – präsentiert sich ordentlich abgestimmt. Die Schaltwege sind nach klassischer Pick-up-Art zwar lang – doch die richtige Übersetzung zu finden ist weder ein Hexenwerk, noch bräuchte es dafür unnötig viel Kraft. Selbst das Fahrwerk mit hinterer Starrachse und den steiferen Blattfederpaketen kann auch unbeladen überzeugen. Die Hinterachse poltert nicht über Gebühr, der Federungskomfort ist solide, die Bandscheiben bleiben entspannt.

Toyota hilux motor Foto: Julian Hoffmann
Alternativlos: Der Hilux ist ausschließlich mit einem 2,4-Liter-Diesel zu haben, der es auf 150 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment bringt.

Der unzerstörbare Toyota bisher werkstattfrei

Der aktuell einzige für den Hilux verfügbare Motor bringt es auf 150 PS und ein üppiges Drehmoment von 400 Newtonmetern. Kraftvoll schiebt der gut 1,8 Tonnen schwere Single Cab damit an, lässt sich schon ab 1.300 Umdrehungen mühelos bei Laune halten. Nach einer kurzen Warmlaufphase lärmt der 2,4-Liter-Vierzylinder nur noch wenig in den Innenraum, mit 130 Kilometern pro Stunde läuft der Diesel bei 2.000 Touren über die Lande. Erst bei diesem Tempo wirkt der Motor etwas zugeschnürt. Mit seiner kräftigen Natur ist er gefühlt zu mehr fähig als der dann eher zähen Beschleunigung. Zumindest bei niedrigeren Geschwindigkeiten kann man dem Selbstzünder auf Tastendruck mehr Temperament einhauchen – hinter der Schaltkulisse lässt sich neben einem Eco-Fahrmodus nämlich auch die Power-Einstellung anwählen. Durch sie wird die Kennlinie des Gaspedals giftiger und der Pick-up stürmt schon bei leichtem Pedaldruck geradezu sportlich davon.

Bei einem derart nervösen Gasfuß empfiehlt sich auf unbefestigtem Grund aber unbedingt der Griff zum Allrad-Wählschalter. Bis zu einer Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde lässt sich die Vorderachse unter der Fahrt am Vortrieb beteiligen. Mit einer starren Kraftverteilung von 50 : 50 marschiert der Hilux dann ungeahnt spurstabil voran, bei ausgeschalteter Traktionskontrolle ist dank einer Bodenfreiheit von 220 Millimetern unter dem Motorschutz und 230 Millimetern unter dem hinteren Differenzial auch Tiefschnee kein Hindernis mehr. Was der Pick-up im Gelände wirklich zu leisten vermag, gilt es aber noch zu klären. Die ersten Kilometer hat der Hilux Single Cab auf asphaltierten Straßen hinter sich gebracht, der Testverbrauch liegt aktuell bei sehr ordentlichen 8,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Außerplanmäßige Werkstattaufenthalte gibt es bis dato nicht zu verzeichnen. Noch also liegt der scheinbar unzerstörbare Toyota im Plan – doch im Zuge des Dauertests wartet ja auch noch die eine oder andere Prüfung auf das Original unter den Pick-ups.

Technische Daten
Toyota HiLux 2.4 4x4 Single Cab
Motorbauart W-Motor
Außenlänge 5.330 mm
Außenhöhe 1.795/Höhe inkl. Hardtop: 1.840 mm mm
Zul. Gesamtgewicht 3.080 kg
Leergewicht 1.800-1.850 kg
Kraftstoff Diesel
Tankinhalt 80 l
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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Lao 03 2018 Titel
lastauto omnibus 03 / 2018
10. Februar 2018
Unsere Experten
Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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