Temsa Marathon HD12 11 Bilder Zoom
Foto: Jacek Bilski

Temsa Maraton

Würdiger Nachfolger

Mit dem neuen Maraton will Temsa dem Diamond einen würdigeren Nachfolger auf den Weg geben. Wir haben uns angeschaut, was der schicke Zweiachser zu bieten hat.

Das ist so eine Sache mit den Flaggschiffen im Busbereich: Meist sind sie überteuert, zu groß und aufwendig im Unterhalt. Design und Technik entschädigen zwar für vieles, aber oftmals erfreut beides mehr Fahrer und Unternehmer, der Kunde merkt es kaum. Trotzdem leistet sich fast jede Marke einen solchen Imageträger – Top-Class, Starliner und Travego sind die klingenden Namen, die jeder kennt. Die Türkei ist seit Jahren eine der Busbauernationen Europas geworden, zumeist zeichnen sich die Produkte aber mehr durch den Einspar- als durch den Hingucker-Effekt aus. Auch die Marke Temsa aus Adana, die hierzulande den zweiten Anlauf mit neuer Mannschaft unternimmt, stand in der Vergangenheit besonders für niedrigpreisige Fahrzeuge. Da haperte es schon mal mit der Qualität oder dem Service – Sünden, für die man heute noch büßt.

Das neue Management hat das deutlich erkannt und will mittelfristig "die nachhaltigste Marke" auf dem Markt werden. Zu diesem Zweck macht sich immer ein Flaggschiff gut, um einen gewissen Premiumanspruch zu etablieren. Den Löwenanteil des Jahresziels von 70 Bussen sollen MD 9 sowie der gerade facegeliftete HD 12/13 haben, der zur Not auch mal gerne als Doppelverdiener eingesetzt werden kann.

Maraton gibt es nur als Zweiachser

Äußerlich hat der 3,90 Meter hohe Superhoch­decker durchaus das Zeug zum Aushängeschild der Marke. Bis auf Weiteres ist zwar kein Dreiachser in Planung, was etwas verwundert, da alle anderen Hersteller ihre Dickschiffe fast nur noch auf ausgewachsene Fahrgestelle mit Nachlaufachse stellen. Den Maraton gibt es dagegen nur als Zweiachser mit 12,36 und 13,10 Meter Länge. Mit der neuen europäischen 19,5 Tonnen-Zulassung sollten aber hier keine größeren Probleme lauern, zumal der 13-Meter-Wagen vorerst nur mit 2+1 Bestuhlung angeboten wird. Vorbei sind bei Temsa die Zeiten der Lampen-Einzelspots unter einer düster wirkenden Kante in der Bugklappe, deren Wirkung im Diamond auf die Spitze getrieben wurde.

Stattdessen blicken schick gestylte, moderne Klarglasscheinwerfer in die Welt, die jedoch noch kein LED-Abblendlicht bieten können. In diesen Luxus kommt nur die Kette des Tagfahrlichts, das gekonnt und mit üppigem Chromzierrat unterlegt als optische Verlängerung einer bis in die B-Säule reichende Rundung dient. Zusammen mit der stark gewölbten Frontscheibe und der Aluminiumleiste unterhalb der Seitenfenster vermittelt der Maraton durchaus den dynamischen Eindruck, den sein Name herstellen will. Auch das Heck weiß zu gefallen, auch wenn mehr vertikale Klarheit als muskulöser V-Rücken eines Neoplan vorherrscht. Der skulptural gestaltete Stoßfänger ist ebenso wie der vordere mehrteilig ausgeführt, um bei Unfällen Kosten zu sparen. Derlei Kundenfreundlichkeit macht sich auch bei Flaggschiffen gut.

"Kuschelecken" für den Kopf

Passagierfreundlich geben sich ebenfalls die Einstiege vorne und hinten, die ausreichend breit ausgefallen sind. Der hintere bietet gar eine automatisch ausfahrende Trittstufe. Die Tür reicht zwar oben nur bis zur Fensterlinie, aber bis 1,85 Meter Körpergröße ist hier keine Kollisionsgefahr gegeben. Auch Stehhöhe und Größe der Gepäckablagen im Inneren sind gut und vermitteln zusammen mit dem ebenen Boden ohne Podeste einen angenehmen Raumeindruck. Zudem ist der Wagen so für eine auf türkischen Fernlinien beliebte 2+1-Bestuhlung vorbereitet – die teuersten verfügbaren Sitze des Typs Ino­va Agile bieten dazu noch sehr hohe Lehnen und angewinkelte "Kuschelecken" für den Kopf.

Viel getan hat sich auch im Cockpit, hier stand es bei alten Temsa-Modellen nicht immer zum Besten. Gute Ergonomie, viele Ablagen, gute Sichtverhältnisse rundum – auch durch den trans­paren­ten Teil der Tür – und moderne Instru­mente. So modern, dass der Maraton als einer der ersten Reisebusse frei konfigurierbare, digitale Anzeigen im Display bietet. Das macht was her und ist gut ablesbar. Modern gibt sich auch die Doppel-DIN-Multi­media­-Anla­ge von Zenec, einem Pkw-Nachrüster hoch­wertiger Anla­gen. Der recht hoch eingebaute, sieben Zoll große Touchscreen ist sehr gut ables- und bedienbar, die integrierte Navigation funktioniert prima. Der Begleiterplatz ist ausreichend geräumig, wenn auch nicht so üppig ausgestattet wie der Fahrerplatz. Fahrwerk und Motor können bei einem ersten, unbeladenen Ausritt ebenfalls überzeugen.

Serienmäßige AS-Tronic ist schon recht gut abgestimmt

Die ZF-Achsen vermitteln auch ohne adaptive Dämpfer viel Komfort. Abroll- und Federungskomfort gehen in Ordnung für einen relativ schweren Wagen. Das Gleiche lässt sich über die Lenkung sagen, die mit einem Multifunktionslenkrad aus dem DAF-Regal verbunden ist. Der 435 PS starke DAF ­MX-11 dürfte in den meisten Fällen mit seinen 2.100 Newtonmetern für flottes Fortkommen sorgen. Für den 13-Meter-Wagen und für anspruchsvolle Topografie würden wir uns aber doch den MX-13 wünschen.

Die serienmäßige AS-Tronic ist schon recht gut abgestimmt und schaltet angenehm flott, Temsa ist aber hier noch mit dem letzten Feinschliff zugange. Einen prädiktiven Tempomat gibt es derzeit nicht. Alle verbauten Assistenzsysteme machten einen sehr guten und sanft abgestimmten Eindruck. Und sanft sollte es ja auch zugehen in einem jungen Flaggschiff, das sich erstmals auf die Reise macht.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 10/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

12. Oktober 2016
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Rechtsanwältin Judith Sommer ist Fachanwältin für Arbeitsrecht. Seit über 10 Jahren berät und… Profil anzeigen Frage stellen
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