Siemens und Scania forschen gemeinsam am elektrifizierten Straßengüterverkehr / Siemens and Scania are conducting joint research into the electrification of road freight traffic Zoom
Foto: Siemens/Dietmar Gust

Feldversuch mit Oberleitungs-Lkw in Hessen

Oberleitungs-Lkw: Infrastrukturaufbau beginnt

Der Oberleitungs-Lkw steht in den Startlöchern. Die Vorbereitungen für seinen ersten Einsatz auf öffentlichen Straßen in Deutschland laufen auf Hochtouren. Für 8. November hat das Bundesland Hessen den symbolischen Spatenstich für den Beginn der Bauarbeiten an der A5 geplant.

Zwischen den Anschlussstellen Zeppelinheim/Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens und Darmstadt/Weiterstadt lässt die Landesgesellschaft Hessen mobil die erforderliche Infrastruktur aufbauen – unter anderem Unterwerke, Masten und Fahrdrähte. "Der Zeitplan ist sehr ambitioniert", sagte Mathias Samson, Staatssekretär im hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, bei einem Expertengespräch der Fachzeitschrift trans aktuell in den Räumen der Spedition Schanz in Ober-Ramstadt bei Darmstadt. "Ende 2018 sollen die Masten stehen und Anfang 2019 die ersten Lkw mit Geweih darauf verkehren", erklärte er.

Siemens wird pro Richtung fünf Kilometer elektrifizieren

Pro Richtung ist geplant, fünf Kilometer zu elektrifizieren. Als eHighway firmiert das Projekt beim Technologiekonzern Siemens, der den Zuschlag zu Planung und Bau erhalten hat und weltweit in Schweden und Kalifornien bereits auf zwei solcher Strecken die Betriebserprobung durchführt. "Aktuell sind wir in einer intensiven Planungsphase", sagte Holger Sommer aus dem eHighway-Team der Siemens-Sparte Mobility. "Die weiteren Meilensteine sind gesetzt, sodass wir sehr zuversichtlich sind, den Terminplan einzuhalten und Ende November 2018 fertig zu sein."

Vorgesehen ist, dass sich fünf Hybrid-Lkw mit Stromabnehmern an dem über drei Jahre laufenden Feldversuch beteiligen. Gleiches gilt für die beiden anderen Projekte in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Die Besonderheit in Hessen liegt darin, dass sich Transport- und Logistikunternehmen aus verschiedenen Segmenten daran beteiligen.

Schanz Spedition, Meyer Logistik, RWZ und Contargo sind dabei

Mit von der Partie sind die Spedition Schanz, der Lebensmittel-Spezialist Meyer Logistik sowie die Raiffeisen Waren-Zentrale (RWZ) und der Container-Spezialist Contargo. "Eine weitere Besonderheit ist, dass wir bewusst auf eine der am stärksten belasteten Autobahnen in Europa gehen", sagte Matthias Scheffer, für die Elektromobilität verantwortlicher Referent aus dem Bundesumweltministerium. Das Land Hessen habe dem Bundesumweltministerium ein sehr schlüssiges Konzept vorgelegt, und das Projekt sei dank einer schnellen Verwaltung bereits weit vorangeschritten.

Umweltministerium fördert Infrastruktur und Lkw-Erwerb

Das Umweltministerium fördert den Aufbau der Infrastruktur, aber auch die Anschaffung der Lkw mit dem markanten Geweih. "Der Erwerb solcher Prototypen würde die beteiligten Speditionen finanziell überfordern, sie sollen nicht mehr bezahlen müssen als für einen vergleichbaren konventionellen Lkw", erläuterte Scheffer.

Damit ist eine Teilnahme auch für den Mittelstand realisierbar, wie sich am Beispiel der Spedition Schanz zeigt. "Wir sind mit wiederkehrenden Touren viel auf der A5 unterwegs, sodass der Streckenabschnitt für uns gut passt", sagte Christine Hemmel, die mit ihrer Schwester Kerstin Seibert das 70 Mitarbeiter starke Unternehmen leitet.

Farbenhersteller DAW unterstützt Projekt bei Spedition Schanz

Von Vorteil sei auch, dass der Kunde mit im Boot ist: der ebenfalls in Ober-Ramstadt angesiedelte Farbenhersteller DAW, der unter anderem durch seine Marken Caparol und Alpina bekannt ist. "Nachhaltigkeit ist seit langem ein wesentlicher Punkt unseres Handelns, dazu kann die Elektromobilität sicher einen guten Beitrag leisten", erklärte der für den Leistungseinkauf zuständige Teamleiter Udo Zeigmeister. Und so tragen in Hessen Logistik, verladende Wirtschaft, Politik und Verwaltung gemeinsam dazu bei, dass die Oberleitungs-Lkw 2019 auf die Straße kommen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

25. Oktober 2017
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