Niedrigwasser: RheinCargo hilft HKM mit Zügen

Niedrigwasser belastet Stahl-Logistik
RheinCargo schickt zusätzliche Güterzüge

Wegen des Niedrigwassers im Rhein fehlen beim Transport mit Binnenschiffen zu Hüttenwerke Krupp Mannesmann täglich 9.500 Tonnen an Kapazität. RheinCargo reagiert mit zusätzlichen Güterzügen ab Rotterdam.

Lok von RheinCargo. Das Unternehmen setzt wegen des Niedrigwassers zusätzliche Güterzüge für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann ein.
Foto: RheinCargo

Das anhaltende Niedrigwasser auf dem Rhein zwingt die Logistik zu immer größeren Ausweichmanövern. Bei der Rohstoffversorgung der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg fehlen auf der Wasserstraße derzeit täglich rund 9.500 Tonnen Transportkapazität. RheinCargo reagiert jetzt darauf mit zusätzlichen Güterzügen zwischen Rotterdam und Duisburg.

Nur noch rund 14.500 Tonnen pro Tag auf dem Rhein

Normalerweise transportiert HGK Dry Shipping nach Angaben der HGK-Gruppe täglich rund 24.000 Tonnen Kohle und Eisenerz von Rotterdam zum Duisburger Hüttenstandort. Aufgrund der niedrigen Pegelstände können derzeit jedoch nur noch rund 14.500 Tonnen pro Tag auf dem Rhein befördert werden. Damit fehlen gegenüber dem Normalbetrieb knapp 40 Prozent der Transportkapazität.

Drei zusätzliche Güterzüge pro Woche

Einen Teil dieser Lücke soll nun die Schiene schließen. RheinCargo führt zunächst bis Ende September drei Güterzug-Rundläufe pro Woche zwischen Rotterdam und Duisburg durch. Jeder Zug transportiert rund 2.000 Tonnen Kohle. Damit kommen pro Woche zusätzlich etwa 6.000 Tonnen Rohstoffe auf der Schiene zu HKM. Die Binnenschiff-Verkehre von HGK Dry Shipping laufen parallel weiter. Für die kurzfristig eingerichteten Bahntransporte hat RheinCargo 46 zusätzliche Güterwagen angemietet.

Bahn kann Kapazitätsverlust nur teilweise auffangen

Die Zahlen zeigen zugleich die Dimension der derzeitigen Probleme auf dem Rhein. Denn die zusätzlichen Züge können die durch das Niedrigwasser verlorene Transportkapazität nicht vollständig ersetzen. Rechnerisch fehlen auf der Wasserstraße gegenüber dem üblichen Transportvolumen allein in diesem einen Fall rund 66.500 Tonnen pro Woche. Die drei Güterzüge bringen davon 6.000 Tonnen zurück. Sie kompensieren damit nur einen Teil des Kapazitätsverlusts. Für HKM ist die zusätzliche Schienenverbindung dennoch ein wichtiger Baustein, um die Versorgung des Duisburger Hüttenstandorts mit Rohstoffen aufrechtzuerhalten. „Durch das Zusammenspiel unserer Logistikkompetenzen auf Wasser und Schiene können wir flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren und auch unter schwierigen Bedingungen die Versorgung unserer Kunden zuverlässig sicherstellen“, erklärt HGK-CEO Steffen Bauer.

Niedrigwasser zwingt Logistiker zum Verkehrsträgerwechsel

Das Beispiel zeigt sehr konkret, was sich derzeit auch an anderen Stellen der Lieferketten beobachten lässt. Das extreme Niedrigwasser reduziert die Ladekapazitäten der Binnenschiffe erheblich und zwingt Verlader und Logistikdienstleister dazu, zusätzliche Kapazitäten auf Schiene und Straße zu organisieren. Wie eurotransport.de bereits berichtete, haben Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland deshalb Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für bestimmte Lkw-Transporte ermöglicht. Eine generelle Freigabe für den Straßengüterverkehr ist damit allerdings nicht verbunden. Auch die Auswirkungen reichen längst über klassische Massengut-Transporte hinaus. BLG Logistics muss beispielsweise die Beladung seiner auf Rhein und Donau eingesetzten Schiffe an die jeweiligen Wasserstände anpassen. Der DSLV hatte zugleich vor steigenden Frachtraten, Kleinwasserzuschlägen und zusätzlichen Kosten für alternative Transporte und Lagerung gewarnt.

Ausgerechnet die Schiene springt jetzt ein

Bemerkenswert ist die Verlagerung auch vor dem Hintergrund der Situation bei RheinCargo selbst. Die HGK-Beteiligung hatte 2025 ein deutlich negatives Ergebnis ausgewiesen. Als Belastungsfaktor nannte die HGK unter anderem strukturelle Engpässe in der öffentlichen Schieneninfrastruktur, die Qualität, Effizienz und Zuverlässigkeit beeinträchtigten. Nun zeigt sich jedoch gerade die Stärke eines multimodalen Systems. RheinCargo verbindet seit Jahren Hafen- und Schienenlogistik und betreibt unter anderem Verbindungen mit Rotterdam. Bereits in der Vergangenheit hatte das Unternehmen die Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger als strategische Stärke herausgestellt.

Züge zunächst bis Ende September geplant

Die zusätzlichen Transporte sollen mindestens acht Wochen laufen. Ob RheinCargo die Zugverbindungen auch über Ende September hinaus fortsetzt, hängt von der weiteren Entwicklung der Wasserstände ab. Mit einer schnellen Entspannung rechnet das Unternehmen derzeit offenbar nicht. Laut RheinCargo deuten die Prognosen nicht darauf hin, dass sich die Situation kurzfristig deutlich verbessert.

In Kürze: die Key Facts

  • Relation: Rotterdam–Duisburg
  • Kunde: Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM)
  • Normal per Schiff: 24.000 t/Tag
  • Aktuell per Schiff: 14.500 t/Tag
  • Kapazitätsverlust: 9.500 t/Tag
  • Zusätzliche Züge: 3 Rundläufe/Woche
  • Kapazität je Zug: rund 2.000 t Kohle
  • Zusatzvolumen Bahn: 6.000 t/Woche
  • Zusätzliche Wagen: 46
  • Geplant: zunächst bis Ende September 2026