Die wichtige Bahnstrecke Hamburg–Berlin soll ab Sonntag wieder durchgehend befahrbar sein. Für die Güterbahnen ist das aber kein Grund zur Entwarnung. Der Verband zieht nach der langen Vollsperrung eine harte Bilanz: Die DB InfraGO habe die Bewährungsprobe für das Konzept der Korridorsanierung nicht bestanden.
Das sind die Verlierer
Für Logistikdienstleister ist der Streit mehr als ein Bahn-internes Problem. Wenn Hauptachsen über Monate gesperrt sind, Umleitungen nicht ausreichend vorbereitet werden und Kapazitäten fehlen, geraten Lieferketten unter Druck. Betroffen sind nicht nur Bahnunternehmen, sondern auch Verlader, Speditionen, Kombiverkehrs-Anbieter und Industriekunden.
Güterbahnen sprechen von Kontrollverlust
Nach Darstellung des Verbands führten Probleme im Norden ab Himmelfahrt zu chaotischen Zuständen. Die Güterbahnen kritisieren Termin- und Kostenüberschreitungen sowie untragbare Belastungen für Bahnen und deren Kunden. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass Umleitungsstrecken trotz langer Vorlaufzeit nicht ausreichend vorbereitet worden seien. Genau diese Ausweichrouten sind für Logistiker entscheidend, wenn eine zentrale Verbindung wie Hamburg–Berlin über Monate nicht regulär genutzt werden kann.
Warum die Strecke so wichtig ist
Hamburg–Berlin ist nicht nur eine wichtige Verbindung im Personenverkehr. Die Achse ist auch für den Güterverkehr relevant, weil sie Hafenverkehre, Hinterlandtransporte, Industriebelieferung und Kombiverkehr berührt. Wenn auf solchen Korridoren Kapazitäten wegbrechen, müssen Transporte anders geplant werden. Das bedeutet längere Laufzeiten, mehr Abstimmung mit Kunden, zusätzliche Kosten und im Zweifel eine Verlagerung auf die Straße.
Was Logistikdienstleister jetzt fürchten
Für Logistikdienstleister ist vor allem die Planbarkeit entscheidend. Sie müssen Kunden verbindliche Laufzeiten, Slots und Kosten nennen können. Genau das wird schwierig, wenn Baustellen länger dauern, Umleitungen nicht stabil funktionieren oder zugesagte Ausbaumaßnahmen wegfallen. Die Güterbahnen werfen der DB InfraGO vor, zentrale Bestandteile der Korridorsanierung zurückgenommen zu haben. Genannt werden unter anderem abgesagte Stellwerkserneuerungen und der nicht flächendeckende ETCS-Einbau. Für die Branche ist das heikel: Sanierung soll eigentlich mehr Zuverlässigkeit schaffen. Wenn sie aber gleichzeitig Kapazität kostet und angekündigte Modernisierungsschritte ausbleiben, steigt der Druck auf alle Beteiligten der Lieferkette.
Industrie und Lieferketten geraten unter Druck
Der Verband verweist auch auf Rohstoffengpässe in der Stahlindustrie. Solche Beispiele zeigen, warum Infrastrukturprobleme schnell über den Bahnsektor hinausreichen. Fehlen stabile Schienenkapazitäten, spüren das Industriebetriebe bei der Versorgung mit Rohstoffen, bei Werksverkehren und bei planbaren Transportketten. Für Logistikdienstleister erhöht sich dadurch das Risiko, kurzfristig Ersatzlösungen organisieren zu müssen.
Verkehrsminister Schnieder soll eingreifen
Die Güterbahnen fordern Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder auf, das Konzept der Korridorsanierung persönlich neu aufzustellen. Aus Sicht des Verbands müsse geprüft werden, ob monatelange Vollsperrungen in dieser Form vertretbar sind. Für Logistikdienstleister steht dabei eine zentrale Frage im Raum: Wird die Sanierung des Schienennetzes künftig so organisiert, dass während der Bauarbeiten ein verlässlicher Güterverkehr möglich bleibt? Denn klar ist: Deutschland braucht ein leistungsfähigeres Schienennetz. Aber wenn Sanierung selbst zum Risiko für Lieferketten wird, verliert die Schiene für viele Kunden an Vertrauen.
In Kürze: die Key Facts
- Thema: Korridorsanierung Hamburg-Berlin
- Verband: Die Güterbahnen
- Infrastrukturbetreiber: DB InfraGO
- Betroffene Strecke: Hamburg-Berlin
- Wiederaufnahme des durchgehenden Verkehrs: 14. Juni 2026
- Kritikpunkt: lange Vollsperrung, Planungsmängel und Belastungen für Güterbahnen
- Forderung: Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder soll das Konzept überprüfen
- Betroffene Akteure: Güterbahnen, Logistikdienstleister, Verlader, Industrie, Kombiverkehr
- Risiko für Logistik: längere Laufzeiten, höhere Kosten, geringere Planbarkeit
- Kernaussage: Sanierung bleibt nötig, darf aber Lieferketten nicht destabilisieren






