Dieselpreise treiben Frachtraten in Europa hoch

Steigende Kosten im Transportmarkt
Dieselpreise treiben Europas Frachtraten hoch

Die Kosten im Straßengüterverkehr steigen massiv. Die Dieselpreise sowie die Lkw-Maut treiben Europas Frachtraten beständig nach oben. Das zeigt eine Studie von IRU, Upply und Ti.

Lkw auf der Autobahn
Foto: Jan Bergrath

Diesel-Schock trifft Europas Lkw-Branche: Steigende Spritpreise treiben die Frachtraten nach oben – und der Krieg im Nahen Osten verschärft die Lage weiter. Das zeigt eine Studie von IRU (International Road Transport Union), dem Weltverband des Straßentransports und der Logistikbranche, von Upply, ein auf Transportdaten und digitale Frachtratenanalysen spezialisiertes französisches Marktforschungsunternehmen sowie von Ti (Transport Intelligence), einem britischen Analyse- und Researchhaus für Logistik- und Supply-Chain-Märkte.

Europas Transporte werden spürbar teurer

Die Kosten im europäischen Straßengüterverkehr steigen wieder deutlich. Laut dem neuen Report von IRU, Upply und Ti haben sich vor allem die langfristigen Transportverträge im ersten Quartal 2026 massiv verteuert. Der europäische Kontrakt-Ratenindex kletterte auf 140,1 Punkte – ein Plus von 8,9 Punkten gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig warnen Branchenexperten davor, dass die Entwicklung erst am Anfang stehen könnte.

Dieselpreise explodieren

Haupttreiber sind die stark gestiegenen Energiekosten. Der durchschnittliche Dieselpreis in der EU sprang innerhalb eines Quartals von 1,56 Euro auf 1,96 Euro pro Liter, ein Anstieg um 26 Prozent. Besonders drastisch fiel die Entwicklung in Deutschland aus. Dort stiegen die Dieselpreise zwischen Dezember und März laut IRU um 35 Prozent. Auslöser ist vor allem die Eskalation im Nahen Osten. Die Schließung der Straße von Hormus ließ den Ölpreis zeitweise über 100 Dollar pro Barrel steigen.

Logistikunternehmen können Kosten nicht mehr auffangen

Die Folgen treffen die Branche direkt. Viele Transportunternehmen können die zusätzlichen Kosten nicht länger selbst tragen und geben sie zunehmend an Kunden weiter. Vor allem bei langfristigen Transportverträgen schlägt sich das bereits nieder. Die Kontraktpreise steigen seit drei Quartalen kontinuierlich.

Spotmarkt zeigt noch anderes Bild

Interessant ist dabei die Entwicklung am Spotmarkt. Kurzfristige Frachtraten gingen im ersten Quartal zunächst leicht zurück. Das liegt laut den Analysten vor allem an der schwächeren Nachfrage nach dem Weihnachtsgeschäft und der insgesamt vorsichtigen Konsumstimmung in Europa. Doch diese Entwicklung dürfte sich schnell drehen. Denn die steigenden Energiekosten erhöhen den Druck auf die gesamte Branche.

Iran-Krieg bringt neue Risiken

Besonders kritisch sehen Experten die geopolitische Lage. Der Konflikt im Iran sorgt nicht nur für steigende Kraftstoffpreise, sondern bedroht inzwischen auch die Versorgung mit Adblue. Der Zusatzstoff ist für moderne Diesel-Lkw unverzichtbar und wird zu großen Teilen im Nahen Osten produziert. Sollte sich die Krise weiter verschärfen, könnte das zusätzliche Probleme für Flottenbetreiber verursachen.

Mautkosten steigen ebenfalls massiv

Neben dem Diesel verteuern auch höhere Mautgebühren den Straßengüterverkehr. Besonders stark fiel der Anstieg in Polen aus. Dort legten die Gebühren für einen Standard-Euro-6-Sattelzug im ersten Quartal um 33 Prozent zu, im Jahresvergleich sogar um 40 Prozent.

Fahrer fehlen weiter

Hinzu kommt der weiterhin dramatische Fahrermangel. Laut vorläufigen IRU-Zahlen blieben 2025 rund 12,1 Prozent aller Fahrerstellen in der EU unbesetzt. Das verschärft den Druck auf Transportkapazitäten zusätzlich.

Industrie zeigt erste Erholung

Trotz der schwierigen Lage gibt es aber auch positive Signale. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone stieg im März auf 51,6 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Mitte 2022. Die Industrieproduktion stabilisiert sich langsam – ein wichtiger Faktor für die Nachfrage nach Transportkapazitäten.

Frachtraten dürften weiter steigen

Die Branche rechnet deshalb in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Preisen. Der sogenannte European Road Freight Sentiment Index sprang zuletzt deutlich an. Er signalisiert, dass Unternehmen in Europa mit weiter steigenden Frachtraten rechnen.

Flotten stehen unter massivem Druck

Für Speditionen und Logistikunternehmen entsteht damit eine schwierige Situation. Sinkende Margen, hohe Energiekosten, Fahrermangel und geopolitische Risiken treffen gleichzeitig aufeinander. Vor allem kleinere Unternehmen könnten zunehmend unter Druck geraten.

Fazit: Europas Transportmarkt wird nervöser

Der europäische Straßengüterverkehr tritt in eine neue Phase ein. Nicht mehr die Nachfrage bestimmt die Preise, sondern zunehmend die Kosten. Steigende Dieselpreise, geopolitische Krisen und strukturelle Probleme treiben die Frachtraten nach oben. Für Industrie, Handel und Verbraucher dürfte das spürbare Folgen haben.

In Kürze: die Key Facts

  • Quelle: Report von IRU, Upply und Ti
  • Q1 2026: Kontrakt-Raten steigen deutlich
  • Kontraktindex: 140,1 Punkte
  • Spotindex: 132,3 Punkte
  • Dieselpreise EU: +26 %
  • Deutschland: Diesel +35 %
  • Treiber: Krieg im Nahen Osten
  • Problem: Adblue-Versorgung gefährdet
  • Fahrermangel EU: 12,1 % offene Stellen
  • Trend: weiter steigende Frachtraten