Gegen den ungarischen Seriensieger ist einfach noch kein Kraut gewachsen: Norbert Kiss war auch beim Jubiläums-Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring der große Abräumer. Mit drei Siegen düpierte der Rekordeuropameister einmal mehr die Konkurrenz. Nach gerade einmal drei Rennwochenenden hat Kiss bereits einen Vorsprung von 62 Punkten. Gesetzt also den theoretischen Fall, Kiss würde in Most beim ersten Rennen nach der Sommerpause eine Nullrunde schreiben, wäre er danach immer noch Spitzenreiter.
Dass im Qualifying keiner der Konkurrenten an die Rundenzeiten des Revesz-Trucks herankommt, nimmt man inzwischen achselzuckend als Gesetzmäßigkeit zur Kenntnis. Und wenn nicht ein technisches Problem dazwischenkommt – was beim ungarischen Team extrem selten passiert, der rote MAN ist eines der zuverlässigsten Fahrzeuge im Starterfeld – resultiert aus der Pole Position auch ein klarer Erfolg im Rennen. Das war auch auf dem Nürburgring nicht anders.
Rennen 4: Chaos beim Start, Kiss behält die Übersicht
Wer noch nach Erklärungen für die Erfolge auch in den Rennen mit gedrehtem Start sucht, sollte sich die ersten dreißig Sekunden des vierten und letzten Rennens auf dem Nürburgring anschauen, die gewissermaßen symptomatisch für den guten Lauf sind, den Kiss hat. Adam Lacko startete in diesem Championshiprace von der Pole Position, neben ihm stand der Brite Bradley Smith. Beim Übergang von der ersten in die zweite Kurve fuhr Smith dem tschechischen Konkurrenten so in den Truck, dass der sich drehte. Dabei wurde auch José-Eduardo Rodrigues in Mitleidenschaft gezogen, der ebenfalls einmal um die eigene Achse rotierte. Kiss, von der achten Startposition aus ins Rennen gegangen, behielt in dem Trubel die Übersicht, hatte auch die nötige Portion Glück und wich dem Schlachtfeld rechtzeitig aus.
Als der Truck mit der Startnummer 1 wieder an der Haupttribüne vorbei donnerte, führte er das Feld bereits an. Standesgemäß mit Vorsprung: Am Ende hatte er mühelos einen Abstand von sechseinhalb Sekunden zwischen sich und den Zweitplatzierten Mark Taylor gelegt, der sich zäh gegen Antonio Albacete behaupten konnte.
Albacete und Lenz: Punktgleich auf Rang zwei hinter Kiss
Der Spanier wiederum ist einer der ältesten Fahrer im Feld. Nächstes Jahr ist er seit dreißig Jahren im Truck Race Geschäft. Aber der Nürburgring gehört zu seinen Lieblingsstrecken und verwöhnte den Routinier in diesem Jahr mit drei Podestplätzen. Er ist damit einer der beiden punktgleichen Verfolger von Kiss in der EM-Gesamtwertung. Den zweiten Platz teilt sich Albacete nicht etwa mit Jochen Hahn, sondern mit Sascha Lenz. Der zeigte beim Truck-Grand-Prix eine solide Leistung. Für einen Podiumsplatz reichte es allerdings in den vier EM-Läufen nicht.
Lenz holt TGP-Titel, Hahn-Team mit Arbeit für die Sommerpause
Lenz hielt sich dafür in der parallel ausgetragenen TGP-Meisterschaft schadlos und gewann den Titel nach drei Veranstaltungen vor Steffen Faas und John Newell.
Jochen Hahn hat in der Sommerpause viel Arbeit vor sich, um bei den ausstehenden vier Rennwochenenden dem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Mit zwei Podestplätzen beim Heimspiel – Dritter im ersten und Zweiter im zweiten Rennen – und der nur viertschnellsten Rundenzeit im ersten Qualifying dürfte der Altensteiger nicht zufrieden sein. Auch Filius Lukas Hahn hatte schon triumphalere Auftritte auf dem Nürburgring. Er fiel im ersten Wertungslauf aus, nach zwei zehnten Plätzen gelang ihm beim Finale immerhin noch ein fünfter Rang.
Reinert siegt für seinen Sohn, Halm hält Kiss in Schach
Zwei Momente sind aus Sicht der deutschen Starter noch erwähnenswert: René Reinert glänzte im zweiten Championshiprace mit einem überlegen herausgefahrenen Sieg. Sein Sohn feierte an dem Tag seinen siebten Geburtstag, Reinert, der mit der Startnummer 77 antritt, sah die Siebener-Kombi als gutes Omen. Steffi Halm hatte in den letzten Runden dieses Rennens viel zu tun, am Heck ihres Iveco-Racetrucks klebte ein roter MAN. Natürlich versuchte Norbi Kiss auf den letzten Metern vor der Ziellinie sein vielfach erprobtes und oft erfolgreiches Manöver, doch Halm war auf der Hut und behauptete sich nach 43,548 Rennkilometern mit gut einer zehntel Sekunde auf dem dritten Podestplatz.








