Sechzehn Teams hatten sich zum Start der neuen Europameisterschaftssaison an der italienischen Adriaküste eingefunden. Diesmal wurde die Region ihrem Ruf als sonniges Urlaubsparadies gerecht – von Freitag bis Sonntagabend brannte „il sole" gnadenlos vom Himmel, die Temperaturen lagen tagsüber deutlich über der 30-Grad-Marke. Den formalen Auftakt bildete ein längeres Briefing, bei dem sich die Akteure mit den Neuerungen im Reglement vertraut machen sollten. Unter anderem gibt es in diesem Jahr ein „Betragenbuch", in dem von den Rennstewards Verwarnungen festgehalten werden. Es ist fast wie weiland in der Schulzeit: Wer sich auf Dauer nicht benimmt, wird sanktioniert. In diesem Fall mit einer Versetzung nach hinten in der Startaufstellung.
Corner Marker sorgen für Ärger: Reihenweise Verwarnungen schon im Training
Das größte Problem sind allerdings die corner marker, wie sich schnell herausstellen sollte. Die Markierungen werden in den Kurven positioniert und sollen eigentlich verhindern, dass die Fahrer die Strecke verlassen. Aber wie das so ist, wenn man im Grenzbereich unterwegs ist oder wenn sich zwei der dicken Brummer gleichzeitig durch eine Kurve drängeln wollen – die Theorie ist eine Sache, die Praxis eine andere. Dazu kommt natürlich noch die Kombination von Rennmaschine und Fahrer, die vielleicht die entscheidende Stellschraube darstellt. Man könnte es so ausdrücken: Die Performance der Racetrucks von Norbert Kiss oder Jochen Hahn sowie deren fahrerische Fähigkeiten ergeben in der Summe deutlich weniger Beanstandungen seitens der Rennstewards als das bei dem Gros ihrer Konkurrenten der Fall ist. Jedenfalls wurden schon in den freien Trainingseinheiten sowie im Qualifying reihenweise Verwarnungen wegen „Verlassens der Strecke" ausgesprochen.
Qualifying: Kiss auf Pole, Lukas Hahn überrascht als Zweiter
Im Zeittraining sicherte sich, wenig überraschend, Seriensieger und Rekord-Europameister Norbert Kiss die erste Pole Position des neuen Jahres. Die Überraschung bildete dann die Reihung der Verfolger: Nicht Jochen Hahn, der ewige Zweite der vergangenen Jahre, folgte auf Kiss, sondern sein Sohn Lukas. Zwischen die Hahns hatte sich Antonio Albacete als Drittplatzierter gezwängt. Außerdem konnte sich der junge Brite Bradley Smith, der in diesem Jahr mit eigenem Rennteam unterwegs ist, in beiden Qualifyings für die Superpole qualifizieren, in der nur noch die besten sechs Fahrer um die Startplätze an der Spitze konkurrieren. Smith hat allerdings noch Mühe, die Top-Resultate aus dem Zeittraining in gute Rennergebnisse umzusetzen.
Strafensalve nach Rennen 1: Zehn Fahrer sanktioniert, Halm und Smith am härtesten
Richtig turbulent wurde es dann nach dem munteren ersten Championshiprace des Jahres. Die Stewards tagten und verkündeten im Anschluss daran eine lange Liste an Strafen: Zehn Fahrer wurden mit Sanktionen belegt. Am härtesten erwischte es Steffi Halm und Bradley Smith, die jeweils zweieinhalb Minuten aufgebrummt bekamen. Halm rutschte damit von Platz 3 auf 14 ab, Smith folgte als 15. Bei Jochen Hahn führte eine Rangelei mit Antonio Albacete zu einer Fünf-Sekunden-Strafe, er durfte als Viertplatzierter aus der Boxengasse seinem Sohn applaudieren, der das Rennen sensationell als Zweiter beendet hatte und zu dem Drittel des Starterfeldes gehörte, an dessen Fahrstil die Regelhüter nichts auszusetzen hatten. Grund zur Freude hatten so auch Sascha Lenz, an den Halm den Pokal für den dritten Platz weiterreichen musste, sowie Stefan Kursch, der in der finalen Ergebnisliste auf dem sechsten Platz rangiert.
Aufgrund der Ereignisse setzte die Rennleitung kurz nach dem Ende des ersten Championshiprennens ein außerplanmäßiges Briefing an, bei dem den Fahrern nochmal die Leviten gelesen wurden – trotzdem flogen die Streckenmarker an diesem Wochenende reihenweise. Es lässt sich im Eifer des Gefechts wohl nicht vermeiden.
Rennen 2: Kiss unschlagbar, MAN-Trio auf dem Podium
Norbert Kiss ließ seinem Auftaktsieg wenig später einen weiteren Kracher folgen, auch im Rennen 2 erwies sich der Ungar trotz Starts von Platz 8 als unbesiegbar, er steht schon am Beginn des Jahres als Favorit auf den Titel fest. Mit Antonio Albacete und Jose Eduardo Rodrigues standen zwei weitere MAN-Fahrer auf dem Podium.
Rennen 3: Jochen Hahn siegt, Lukas Hahn erneut Zweiter
Den großen Durchmarsch von Kiss verhinderte am Sonntag Jochen Hahn, der kurz nach dem Start am Ungarn vorbeizog. Der war allerdings durch einen im Startgetümmel aufgeschlitzten Hinterreifen gehandicapt und musste sich letztlich mit dem sechsten Rang zufrieden geben. Zusammen mit Jochen stand Sohn Lukas als Zweiter auf dem Siegerpodest, der junge Hahn hatte erneut eine hervorragende Leistung gezeigt und Antonio Albacete auf den Bronzeplatz verwiesen.
Rennen 4: Kiss schlägt zurück und krönt Misano-Wochenende
Kiss wiederum revanchierte sich für das aus seiner Sicht unbefriedigende Ergebnis im vierten und letzten Championshiprace des Tages, in dem er sich rasch an die Spitze setzte und bis zur karierten Flagge einen Vorsprung von gut fünf Sekunden auf Sascha Lenz herausfuhr. Auch dieses Podium gehörte den MAN-Fahrern, René Reinert hatte sich den dritten Platz gesichert.







