So richtig rund läuft es bei der Elektrifizierung der schweren Nutzfahrzeuge noch nicht. Zwar nehmen die Neuzulassungen von elektrischen Lkw Stück für Stück zu, allerdings genügt das für die von der Politik gesteckten Ziele noch lange nicht. Denn blickt man auf die Zulassungszahlen von klimaneutralen Lkw, liegt der Anteil bei etwa zwei bis vier Prozent. Vor allem die sogenannten Flottengrenzwerte der EU bereiten den Herstellern Sorgenfalten. Klar ist dabei auch, dass eine fortschreitende Elektrifizierung unabdingbar bleibt.
Was also tun? Eine mögliche Lösung hat der Automobilzulieferer ZF aus Friedrichshafen vorgestellt. Dem Unternehmen zufolge brauche es einen flexiblen Weg zur Elektrifizierung, der nicht über lediglich eine Technik erfolgen könne. Nach dem Vorbild der Pkw-Branche, könnte daher auch bei den schweren Nutzfahrzeugen ein Hybrid-Antrieb als Übergangslösung dienen, um die CO2-Flottengrenzwerte zu reduzieren und so den drohenden Strafzahlungen aus dem Weg zu gehen.
Hybrid-Lkw könnten Strafzahlungen vermeiden
Das Portfolio von ZF umfasst dabei unter anderem das automatisierte Getriebe TraXon 2 Hybrid, welches sowohl Vollhybrid- als auch Plug-in-Hybrid-Anwendungen mit einem P2-Layout unterstützt.
Ergänzend dazu hat der Automobilzulieferer elektrische Antriebssysteme wie die Zentralantriebe CeTrax 2 und CeTrax 2 Dual sowie elektrische Achssysteme wie AxTrax 2, AxTrax 2 Dual und AxTrax 2 LF im Sortiment, die in bestehende Fahrzeugplattformen integriert werden können. Dieser modulare Ansatz, der sozusagen einem Baukasten-Prinzip folgt, soll vor allem Herstellern erlauben, die Fahrzeugarchitekturen schrittweise zu elektrifizieren. Für Flotten wiederum bietet das eine höhere Effizienz sowie insgesamt niedrigere Gesamtbetriebskosten während der Transformation.
Passenderweise unterstützen die elektrischen Achssysteme von ZF auch die Elektrifizierung von Aufliegern. Auch diese schneiden dann in der Gesamtbilanz deutlich besser ab. TraXon 2 Hybrid setzt für mehr Effizienz vor allem auf Anfahrunterstützung, Energierückgewinnung und flexible Fahrmodi. So sinken nicht nur die Emissionen, sondern auch der Kraftstoffverbrauch, ohne Abstriche bei Leistung und Zuverlässigkeit zu machen. ZF erklärt, dass bei einer Plug-in-Hybrid-Variante eine rein elektrische Reichweite von 80 Kilometern mit entsprechenden Batteriepacks durchaus realistisch sei. Eine gute Unterstützung also und durchaus praktisch, vor allem beim Anfahren.
Der Preis entscheidet
Wie interessant ein hybrider Antrieb aber tatsächlich sein wird, entscheidet sich vor allem über den Preis. Laut den Technikexperten von ZF wäre ein entsprechender Umbau vom Dieselfahrzeug hin zum Hybriden mit einem Aufpreis von 25 Prozent denkbar. Das wäre schon ein Hammer, zumal die BEV-Lkw in der Anschaffung nach wie vor einen deutlich höheren Kostenpunkt verursachen.
Zwar mag sich das über Jahre der Nutzung hinweg regulieren, erhöht aber die Einstiegshürde. Profitiert der Lkw nun also von besseren CO2-Flottengrenzwerten und einem vergleichsweise geringen Aufpreis für den hybriden Antrieb, könnte das durchaus eine spannende Übergangslösung für viele Hersteller und Flotten sein.
Ergänzend dazu bietet ZF Lösungen über den Antriebsstrang hinaus an. Der ölfreie Kompressor e-Comp Scroll soll zum Beispiel für eine energieeffiziente und geräuscharme Drucklufterzeugung sorgen. Vor allem beim Bremsen oder dem Fahrwerk teils essenziell für elektrische Nutzfahrzeuge. Auch die Luftqualität kann so ein Stück verbessert und Komponenten langfristig geschützt werden.
Vorgeschmack auf IAA Transportation
Auf der IAA Transportation in Hannover stellt ZF eine Variante des Plug-in-Hybrid-Lkw aus und macht ihn damit dann zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Wichtigkeit einer nahtlosen Vernetzung von Zugmaschine und Anhänger will der Automobilzulieferer dabei ebenfalls noch einmal verdeutlichen. Auf Nachfrage gehen die Experten von ZF zudem davon aus, dass das Hybridsystem für schwere Nutzfahrzeuge serienmäßig bereits ab 2030 auf dem Markt sein wird. Ein passender Zeitpunkt, denn die Richtlinien für die Flottengrenzwerte ziehen genau in diesem Jahr noch einmal deutlich an.
Die präsentierten Technologien geben einen Ausblick auf den IAA-Auftritt von ZF: Vom 15. bis 20. September 2026 zeigt das Unternehmen seine Lösungen in Hannover in Halle 21, Stand B42.






