Altersvorsorge

Mehr Rente für Lkw-Fahrer?

Jan Bergrath Foto: Jan Bergrath

Im Juli 2020 haben deutsche Verkehrsverbände ein neues Versorgungswerk gegründet – die Mobilitätsrente.

Seit ich Sven Acker, den gelernten Berufskraftfahrer der Spedition Buck aus Trochtelfingen, vor drei Jahren auf einer Tour nach Norditalien begleitet habe, gehört der heute 28-jährige, begeisterte und bodenständige Fahrer zu den Menschen aus der Branche, die ich immer wieder gerne kontaktiere. Er fährt weiterhin nach Norditalien und hat sich vom aktuellen Wechselfieber in der deutschen Transportwirtschaft nicht anstecken lassen. In seiner süddeutschen Heimat verdient er gutes Geld. Entscheidend diesmal ist aber die Tatsache, dass er sich bereits Gedanken um seine Altersversorgung macht – und jeden Monat 120 Euro privat investiert. Damit ist er allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Daher wird Sven mit uns am 21. Oktober 2021 ab 17.00 Uhr bei FERNFAHRER Live über das Thema der Altersvorsoge speziell für Lkw-Fahrer debattieren.

Löhne reichen kaum für die normale Rente

Das Problem. Die aktuellen, regional dazu noch sehr unterschiedlichen Fahrerlöhne reichen derzeit kaum, um die gesetzliche Rente zu finanzieren. Denn um heute nach einer etwas komplizierten Berechnung einen sogenannten Rentenpunkt zu bekommen, nach denen sich am Ende die gesetzliche Altersrente bemisst, liegt derzeit für 2020 ein geschätztes jährliches vorläufiges durchschnittliches Bruttoeinkommen von 40.551 Euro im Westen zugrunde. Im Osten sind es 37.898 Euro. Das stützt sich auf die Daten, die das statistische Bundesamt erhebt. Einfach durch zwölf Monate geteilt müsste also auch ein Berufskraftfahrer etwa 3.379 Euro im Monat im Westen als Bruttolohn bekommen, um einen Rentenpunkt zu erreichen. Im Osten wären es 3158 Euro. Für 2021 soll die Schätzung bereits bei 41.541 Euro (3461 Euro im Monat) liegen, im Osten bei 39.338 Euro (3278 Euro im Monat).

Das sind Löhne, die vielleicht in den Ballungsräumen Süddeutschlands gezahlt werden, oder für Fahrer mit langjähriger Betriebszugehörigkeit oder mit besonderen Fahrzeugen. Die Mehrheit liegt darunter, und somit auch die zu erwartende Rente, die für viele Fahrer derzeit knapp über 1.000 Euro netto im Monat liegt. Abhängig auch nach dem Renteneintrittsalter und der Jahre, die man eingezahlt hat. Vielen Fahrern droht daher die Altersarmut – oder sie arbeiten auch im Alter als Aushilfe weiter. Was oft auch eine Folge der vielen Nettospesen ist, die früher gegenüber dem Bruttogehalt bevorzugt wurden.

Altersarmut oder Aushilfe

In der 59. Sendung von Fernfahrer live haben wir dazu zusammen mit Verdi und einigen älteren Fahrern bereits die Frage gestellt: "Reicht die Rente?“ Ganz offensichtlich nicht, so das Fazit. Dazu müssten zunächst die Löhne steigen, um die aktuelle Inflationsrate von 4,1 Prozent auszugleichen. Doch das Problem der Rente bleibt bestehen. „Wenn man 45 Jahre lang in Deutschland durchschnittlich verdient hat“, rechnet etwa David Merck vor, Landesbezirksfachbereichsleiter im Fachbereich Postdienste, Speditionen & Logistik von Verdi in Bayern „dann kommt man auf eine durchschnittliche Rente von rund 1.370 Euro brutto. Viele Kraftfahrer werden allerdings deutlich weniger Rente bekommen.“

Mobilitätsrente als Lösung?

Merck hat seinerzeit auch die neue "Mobilitätsrente" kritisiert. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, sinkenden Rentenniveaus sowie anhaltenden Fachkräftemangels können den Beschäftigten der Verkehrsbranchen durch den Abschluss von Gruppenversicherungsverträgen besonders attraktive Konditionen bei Altersvorsorge sowie Kranken- und Unfallversicherung angeboten werden“, heißt es auf der Homepage.„Es gibt ein Problem der Altersarmut im Spedlogbereich“, kritisiert Merck. „Lösen sollen es aber die Beschäftigten aus der eigenen Tasche. Das ist eine reine Entgeltwandlung, wo der Arbeitgeber nichts weiter dazu beträgt, außer die gesparten Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, die er laut Gesetz weitergeben muss. Besonders ärgerlich ist übrigens, dass wir mit den Arbeitgeberverbänden das Thema bundesweit tarifpolitisch bearbeiten wollten, dort aber nur auf Ablehnung stießen, und dann ohne unser Wissen die Mobilitätsrente abgeschlossen und verkündet wurde.“

Die Mobilitätsrente wurde im Juli 2020 ins Leben gerufen. Träger des neuen Versorgungswerks sind der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik e.V., der Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V. (AMÖ), der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer e.V. (BDO), der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V., der Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik e.V. (BWVL) sowie die Bundes- Zentralgenossenschaft Straßenverkehr eG (SVG). Im neuen Versorgungswerk VVW verschmelzen das bestehende Versorgungswerk Transport, Spedition und Logistik Deutschland e.V. (TSL) und das SVL Versorgungswerk des Straßenverkehrs- und Logistikgewerbes e.V.. Die Versicherungspartner sind die Allianz und die R+V Versicherung. Was es genau damit auf sich hat, erläutert René Netzeband, Leiter Personenversicherung der R+V Lebensversicherung AG aus Hamburg im Trailer zur Sendung von FERNFAHRER Live.

Beispielrechnung bei einem Lohn von 2.500 Euro

Es ist müßig, darüber zu debattieren, ob wir nicht mittlerweile in Deutschland ein komplett anderes Rentensystem brauchen, dass das Niveau der Rente auf über 48 Prozent angehoben werden müsste und dass gerade im Bereich der Lkw-Fahrer eine im politischen Hintergrund weiter geführte Debatte, die Lebensarbeitszeit auf 70 Jahre zu verlängern, eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen würde. Wir können nur über die finanziellen Vor- und Nachteile des neuen Angebots sprechen. Und daher wollen wir zusammen mit René Netzeband diesmal tatsächlich die Kosten und die Rendite am Beispiel von 2.500 Euro durchschnittlichem Bruttolohn eines Fahrers berechnen. Heißt: Was zahlt der Fahrer ein? Was steuert der Unternehmer bei? Und was springt am Ende nach Ablauf für den Fahrer als Rente heraus? Plus die anderen im Paket enthaltenen Leistungen.

So freuen wir uns, mit Anthony Wandt, dem jungen Spediteur aus Braunschweig, einen modernen Unternehmer zu begrüßen, der bereits für seine Fahrer, die sich dafür entschieden haben, eine klassische Betriebsrente fördert. Sein Fahrer Ingo Seekircher, der auch in der ersten Sendung vertreten war, ist dabei. Neben Sven Acker freuen wir uns besonders über Lars Schwikowski, Fahrer des gleichnamigen Familienunternehmens aus Eutigen, das bereits über die R+V Versicherung die private Vorsorge der Fahrer fördert. Dazu noch mit Jan Gaede vom Recyclingunternehmen Remondis aus Köln einen ganz jungen Fahrer, der sich bislang noch wenig Gedanken über seine Altersvorsorge gemacht hat.

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