Winfried Hermann, Landesverkehrsminister Baden-Württemberg Zoom

Baden-Württemberg: Hermann will mehr Effizienz beim Verkehr

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) fordert deutliches Engagement aller Akteur.

Nachhaltige Transporte sind in dem Auto- und Transportland Deutschland eine echte Herausforderung. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat sich als verkehrspolitischer Experte seiner Partei schon lange diesem Ziel verschrieben. Doch gehen ihm die Fortschritte zu langsam.

Als Minister will er Akzente für nachhaltigere Verkehre setzen – seine Ideen dazu hat er vergangene Woche beim Regionaltreffen Südbaden/Oberrhein der Bundesvereinigung Logistik an der University Furtwangen vorgestellt. Der Logistik- und Transportbranche mit ihren rund 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland fällt beim Thema CO2-Vermeidung eine gewichtige Rolle zu, ist der Verkehrssektor laut Hermann im Ländle doch mit 30,7 Prozent Klimakiller Nummer eins, vor Industrie und Haushalten. mit 30,7 Prozent entstehen im Verkehr – und damit laut Hermann "einsame Spitze, nicht nur in Deutschland". Unter den negativen Folgen leideten jedoch meist nicht die Verursacher, die Folgen seien sozial ungleich verteilt. Hermanns Hauptziel ist daher, "die beste Technik zu nutzen und die Verkehrsmittel optimal zu vernetzen". Multimodale Mobilität soll im Personen- wie im Warenverkehr das Maß der Dinge werden. Verkehr ist auch Wachstums- und Wohlstandsfaktor. "Wer so davon abhängig ist, wie wir, muss alles tun, um an der Spitze der Entwicklung zu sein“, fordert er die Fahrzeughersteller im Land auf, die Chancen auch der Elektromobilität zu nutzen. Verkehr müsse verbessert, verlagert, vermieden und vernetzt werden. "Es wird keine Energiewende geben, wenn wir keine Verkehrswende schaffen", ist er sich sicher.

Um Staus zu reduzieren, sei die Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene eine Möglichkeit. Jedoch: "Der Anteil des Schienengüterverkehrs ist inzwischen erbärmlich", so Hermann, er sei besonders in Baden-Württemberg sehr stark gesunken – auf nun unter 15 Prozent. Angesichts der steigenden Verkehrsbelastung – der Bund rechnet mit 39 Prozent mehr Lkw-Verkehr vom Jahr 2010 bis 2030 – müssten Wege gefunden werden, wie das Transportaufkommen wächst, ohne das der Verkehr zunimmt. Die Branche muss also ihre Effizienz um ebensoviel Prozent steigern, aber auch die Infrastruktur muss mithalten. Allerdings: "Wenn die Prognosen alle eintreten, wäre das eine Bankrotterklärung der Verkehrspolitik", kritisierte Hermann.

Engpässe beseitigen, marode Brücken sanieren. Dass etwa auf der A8 die rechte Spur regelmäßig auf 60 Kilometern Länge zur Standspur mutiere, „da müssen wir dringend nachsteuern“, fordert der Minister. Als Meilenstein lobte er im Zusammenhang damit den Rheintal-Schienenausbau, nur das Tempo stimme eben nicht. „Die Verlagerung auf die Schiene wird aber nicht ohne Kombi-Terminals gelingen“, so der Grünen-Politiker.
Die Hauptachse im Rheintal biete viel Potenzial, hier will er mit Industrie und Wirtschaft über Bereiche sprechen, die auf die Schiene verlagerbar sind. Während aber in der Schweiz eifrig gegraben und zwei große Tunnels unter den Alpen gebaut wurden, müsse Deutschland weitere sechs Milliarden Euro ausgeben, und habe dann immer noch erst zwei Drittel seiner Zulaufstrecke ausgebaut.

Dass immer noch 70 Prozent des Güterverkehrs auf der Straße laufen, sieht Hermann als Ansporn auch für die eigene Politik, mehr Kombinierten Verkehr zu ermöglichen, auch auf Wasserstraßen. Allerdings fehlen noch gewaltige Investitionen für den Schleusenausbau: "Wenn wir so weitermachen, können wir bald gar nicht mehr auf Flüssen transportieren."
Doch auch die Schiffe müssten energetisch erneuert werden, fordert der Minister. Beim Lkw sieht Hermann zwar die Steigerungen durch effizientere Fahrzeuggenerationen. Das Mautsystem habe Anreize gesetzt für die Erneuerung der Flotte und die Reduzierung der Leerfahrten, diese könnten "aber noch weiter getrieben werden", fordert der Politiker.
Dass eine Verkehrsverlagerung Sinn macht, verdeutlichte Hermann mit dem Energieverbrauch pro Tonnenkilometer: am wenigsten effizient sei die Straße (mit 93 Gramm CO2), gefolgt vom Binnenschiff (33 Gramm) und der Bahn (22 Gramm), die somit einen "klaren ökologischen Vorteil" habe.

Doch der Bau zusätzlicher KV-Terminals im Land kommt nicht recht voran. Einen Standort kippte ein Bürgerentscheid, einem zweiten (Reutlingen) kann dasselbe Schicksal blühen. "Plochingen wäre noch eine Option", während in Lahr alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, damit dieser "richtig gute Standort" an der neuen Bahntrasse und der A5 gelegen, bald ans Netz geht.

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Claudia Wild

Datum

18. Januar 2016
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