Alles über Platooning – Die Mobilität der Zukunft
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Foto: DAF

DAF und DHL als Praxispartner

Großbritannien plant Platooning

Großbritannien plant ab 2018 einen zweijährigen Platooning-Feldtest auf öffentlichen Straßen.  Projektpartner sind der Logistikdienstleister DHL, der niederländische Fahrzeugbauer DAF Trucks sowie das Beratungsbüro Ricardo, das bereits 2014 eine entsprechende Machbarkeitsstudie zum Platooning vorgelegt hatte.

Die Federführung des Projekts liegt nach Angaben des britischen Verkehrsministeriums beim Transport Research Labor (TRL), einer inzwischen privatisierten früheren Tochter der britischen Regierung, die sich mit der Mobilität der Zukunft beschäftigt.

"Wir investieren in eine Technologie, die das Leben der Menschen verbessern wird", sagt der britische Verkehrsminister Paul Maynard. "Fortschritte wie das Lkw-Platooning können den Alltag für Unternehmen durch geringeren Kraftstoffverbrauch und für andere Straßennutzer durch geringere Emissionen und Straßenbelastung verbessern", ergänzt er. Aber zunächst gelte es, sicherzustellen, dass die Technologie sicher sei und auf den Straßen gut funktioniere.

Platooning reduziert Kraftstoffverbrauch um bis zu zehn Prozent

Beim Platooning bewegen sich mehrere Lkw im elektronisch gekoppelten Verbund mit engem Abstand hintereinander. Die Fahrten im Konvoi reduzieren den Kraftstoffverbrauch nach ersten Tests um bis zu zehn Prozent – gleiches gilt für die CO2-Emissionen. In Deutschland planen MAN und DB Schenker ein gemeinsames Projekt auf der A9 zwischen München und Nürnberg, das nächstes Jahr anlaufen soll.

In Großbritannien erhofft sich das federführende Büro TRL Erkenntnisse darüber, welche Kraftstoff- und CO2-Einsparungen im Echtzeitbetrieb auf öffentlichen Straßen tatsächlich möglich sind, wie es sich mit der Verkehrssicherheit verhält, wie es um die Akzeptanz durch die Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer bestellt ist, welche Anforderungen sich an den Straßenbau ergeben und welche weiteren wirtschaftlichen Vorteile sich für die Betreiber ergeben. Die Routen, auf denen die Platoons verkehren, sollen gemäß den Anforderungen des britischen Straßennetzes ausgewählt werden, heißt es. Die ersten offiziellen Testfahrten sollen demnach bereits in den nächsten Monaten stattfinden.

"Wir freuen uns, Teil dieses innovativen Projekts zu sein", sagt Phil Roe, Geschäftsführer für die Bereiche Transport sowie DHL Supply Chain bei DHL in Großbritannien und Irland. Er weist auf die Selbstverpflichtung der Deutschen Post DHL hin, alle logistikbezogenen Emissionen bis zum Jahr 2050 auf null zu reduzieren. "Das ist eine von zahlreichen Initiativen, die wir derzeit verfolgen, um Marktführer in Grüner Logistik zu werden und unseren Kunden zu helfen, ihre eigenen Klimaschutzziele zu erreichen", erläutert Roe gegenüber der Fachzeitschrift trans aktuell.

Der Fahrzeugbauer DAF begrüßt ebenfall die Entscheidung der britischen Regierung, Erfahrungen mit Lkw-Konvois zu sammeln, die über eine elektronische Deichsel miteinander verbunden sind. "DAF ist stolz darauf, an dem von TRL initiierten Platoon-Feldtest für die britische Regierung teilzunehmen", erklärt Vorstandsmitglied Ron Borsboom. "Dieser Feldtest wird unser Verständnis und Wissen um die Vorteile des Fahrens im Verbund vertiefen, während wir gleichzeitig dem britischen Verkehrsministerium den Beweis liefern können, wie Platooning die Transporteffizienz nachhaltig verbessert", sagt er. Zugleich macht Borsboom aber klar, dass noch einiges an Entwicklungsarbeit erforderlich sei, bis Platooning seine Marktreife erreicht habe. "Dieser Test ist ein wichtiger und nötiger Schritt, den wir tun können."

DAF: Platooning ersetzt nicht den Fahrer

Die DAF-Verantwortlichen betonen auch, dass Platooning nicht den Fahrer ersetzt. "Jeder Truck benötigt einen Mann oder eine Frau hinter dem Steuer", sagt Borsboom, der bei DAF für die Produktentwicklung verantwortlich ist. Auf Nebenstraßen oder im städtischen Verkehr müsse der Fahrer jederzeit die Kontrolle über den Lkw haben. Trotz aller Automatisierung muss der Fahrer demnach besonders wachsam sein. Sie müssten speziell geschult werden, die Kontrolle zu übernehmen, falls dies erforderlich sei, oder in der Lage sein, die eine oder andere "transportbezogene" Funktion zu übernehmen, erklärt DAF. "Truck-Platooning ist nicht der Anfang vom Ende des Kraftfahrerberufs", verdeutlicht Borsboom. "Es soll lediglich die Arbeit hinterm Steuer erleichtern."

Größere Aufmerksamkeit bekam das Thema Platooning in den Medien, als im Frühjahr 2016 die europäischen Lkw-Hersteller eine sogenannte Truck Platooning-Challenge nach Rotterdam organisiert hatten, unterstützt durch die damalige niederländische EU-Ratspräsidentschaft.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

7. September 2017
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