Vor sechs Jahren sollte der TruckTower die Parkplatznot von Lkw-Fahrern lösen. Heute steht das Konzept erneut im Fokus – allerdings mit einem anderen Ziel: Statt Fernverkehrs-Lkw sollen künftig Elektrobusse in die Höhe gestapelt werden. Das Unternehmen TruckTower hat gemeinsam mit mehreren Partnern einen Förderantrag für das europäische Projekt „VerTIBUS“ eingereicht. Dahinter steckt die Idee, vertikale Busdepots als Antwort auf eines der größten Probleme der Verkehrswende zu entwickeln: fehlende Flächen in den Städten.
Eine alte Idee bekommt einen neuen Markt
Bereits 2019 hatte eurotransport.de über den TruckTower berichtet. Damals sollte ein automatisiertes Parksystem mehrere Lkw übereinander parken und so den Mangel an Lkw-Stellplätzen entschärfen. Eine Machbarkeitsstudie lag vor, ein Patent war angemeldet, konkrete Pilotprojekte blieben jedoch aus. Jetzt verfolgt das Unternehmen einen neuen Ansatz. Mit dem sogenannten BusTower sollen Verkehrsunternehmen ihre Betriebshöfe vertikal erweitern können, anstatt neue Flächen erschließen zu müssen.
Das Problem wächst mit jeder neuen E-Bus-Flotte
Die Elektrifizierung von Busflotten verändert die Anforderungen an Betriebshöfe grundlegend. Wo früher Dieselbusse standen, werden heute zusätzliche Ladepunkte, Netzanschlüsse, Trafostationen und Wartungsbereiche benötigt. Gleichzeitig fehlen vielen kommunalen Verkehrsbetrieben freie Flächen für Erweiterungen. Genau hier setzt der BusTower an. Die Idee erinnert an ein automatisiertes Hochregallager: Busse werden auf mehreren Ebenen untergebracht, um die vorhandene Fläche deutlich effizienter zu nutzen. Nach Angaben der Entwickler sollen dadurch deutlich mehr Fahrzeuge auf derselben Grundfläche Platz finden als in klassischen Betriebshöfen.
Fünf Betreiber und neun Standorte im Fokus
Im Rahmen des eingereichten Förderprojekts sollen fünf Verkehrsunternehmen und neun potenzielle Depotstandorte untersucht werden. Dabei geht es nicht um einen konkreten Bauauftrag, sondern um die Frage, ob vertikale Busdepots technisch, wirtschaftlich und regulatorisch überhaupt sinnvoll umgesetzt werden können. Analysiert werden unter anderem Ladeinfrastruktur, Netzanschlusskapazitäten, Brandschutz, Sicherheitsanforderungen, Genehmigungsrecht, Wirtschaftlichkeit sowie Einsparpotenziale bei Leerfahrten. Beteiligt sind unter anderem das Fraunhofer-Institut IVI, Emutec Grid Systems, Arriva sowie weitere Infrastruktur- und Planungspartner.
Warum das auch für die Logistikbranche interessant ist
Auf den ersten Blick betrifft die Initiative ausschließlich den öffentlichen Nahverkehr. Tatsächlich könnte das Projekt aber auch für die Logistikbranche relevant werden. Denn die Grundprobleme ähneln sich zunehmend: Sowohl Busbetreiber als auch Logistikunternehmen kämpfen mit Flächenknappheit, steigenden Grundstückspreisen und dem zusätzlichen Infrastrukturbedarf durch alternative Antriebe. TruckTower selbst verfolgt weiterhin auch Anwendungen für Lkw, Trailer und Logistikstandorte. Auf seiner aktuellen Projektplattform beschreibt das Unternehmen verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Nutzfahrzeuge, multimodale Hubs und Ladeinfrastruktur. Sollte sich das Konzept im Busbereich bewähren, könnte das den Weg für weitere Anwendungen im Nutzfahrzeugsektor ebnen.
Noch ist nichts entschieden
Allerdings steht das Projekt erst am Anfang. Zunächst muss der Förderantrag im Rahmen des EIT Urban Mobility Programms bewilligt werden. Erst danach würden die geplanten Untersuchungen starten. Für TruckTower wäre das dennoch ein wichtiger Schritt. Denn erstmals würde das Konzept nicht mehr nur als Lösung für die Parkplatznot von Lkw diskutiert, sondern als möglicher Baustein der europäischen Verkehrswende. Und genau das könnte den entscheidenden Unterschied zum ersten Anlauf machen.
In Kürze: die Key Facts
- Unternehmen: TruckTower
- Projekt: VerTIBUS
- Ziel: Vertikale Busdepots für Elektrobusflotten
- Förderprogramm: EIT Urban Mobility Strategic Innovation Open Call
- Projektlaufzeit: geplant 24 Monate
- Beteiligte Betreiber: 5
- Potenzielle Depotstandorte: 9
- Partner: Fraunhofer IVI, Arriva, Emutec Grid Systems, Iproconsult, Luetkens Architektur, SiKo
- Fokus: Flächenmangel in Busdepots
- Untersuchungsfelder: Ladeinfrastruktur, Netzanschluss, Brandschutz, Wirtschaftlichkeit
- Relevanz für Logistik: Übertragbarkeit auf Nutzfahrzeug- und Depotinfrastruktur
- Besonderheit: Weiterentwicklung des TruckTower-Konzepts aus dem Lkw-Bereich






